Handy­versicherung Schnelltest

Ein Smartphone ist praktisch, chic – und häufig auch ziemlich wert­voll. Es zu versichern, liegt für viele Handy­besitzer auf der Hand. Verkäufer von Elektrogeräten wie Media Markt, Saturn und Amazon bieten entsprechende Policen an, die das Handy gegen Schäden durch Herunter­fallen, Feuchtig­keit oder Diebstahl versichern. Der Schnell­test zeigt, ob solche Policen eine gute Wahl sind.

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Versicherungs­schutz für Schussel

Ein Handy wie das neue iPhone 6 kostet leicht 800 Euro das Iphone 6 im Test. Wenn es runterfällt oder geklaut wird, ist der Schaden groß. Der Gedanke liegt nahe, beim Gerätekauf im Elektromarkt gleich noch eine Versicherung abzu­schließen. Der Schnell­test aber zeigt: Die Policen, wie es sie bei Media Markt, Saturn und Amazon gibt, bieten weniger, als viele Kunden erwarten – und sie kosten viel.

Üppige Preise für „Plus­schutz“ und „Geräte­schutz“

Media Markt und Saturn verkaufen den „Plus­schutz“. Dahinter steckt die Allianz als Versicherer. Wer sich ein iPhone 6 im Wert von 800 Euro leistet, zahlt für die Handy­versicherung inklusive Diebstahls­schutz 200 Euro. Das Handy ist damit zwei Jahre ab Kauf versichert. Amazon vertreibt den „Geräte­schutz“ des Versicherers Ergo. Für ein 800-Euro-Handy kostet ein Zwei­jahres­vertrag mit Diebstahls­schutz 99,99 Euro.

Was die Versicherungen zahlen

Die Versicherer über­nehmen die Reparatur, wenn das Handy zum Beispiel bei einem Sturz zu Bruch geht. Auch Schäden durch Sand oder Feuchtig­keit sind versichert. Beide Versicherer behalten sich aber eine Kürzung vor, wenn der Kunde den Schaden „grob fahr­lässig“ verursacht hat. Statt einer Reparatur kann der Kunde bei der Allianz auch ein Ersatz­gerät bekommen – allerdings nur eins, das dem alten entspricht. Geht also zum Beispiel ein versichertes iPhone 5 kaputt das iPhone 5 im Test, erhält der Kunde nur ein ähnliches Austauschgerät, nicht etwa das neue iPhone 6. Auch Ergo behält sich vor, dem Kunden ein „gleich­wertiges“ Ersatz­gerät zu geben, wenn das alte nicht mehr repariert werden kann.

Diebstahls­schutz nur in eng begrenzten Fällen

Nach einem Diebstahl gibt es von der Ergo kein Ersatz­gerät, sondern den Zeit­wert des Geräts in bar. Wird ein 800-Euro-Handy im zweiten Jahr gestohlen, bekommt der Kunde noch 640 Euro. Bei der Allianz gibt es im Falle eines Diebstahls ein gleich­wertiges Ersatz­gerät. Beide Versicherer leisten aber nur, wenn das Gerät aus einem verschlossenen Raum gestohlen wurde. Unterwegs ist der Besitzer nur versichert, wenn er sein Handy bei sich führt. Er darf es nicht unbe­aufsichtigt in einer Tasche ablegen oder in der Jacke an der Garderobe abgeben. Wie streng die Handy­versicherer bei Diebstahl sind, bekam im Jahr 2011 ein Wiesbadener Schüler zu spüren, der bei Media Markt den „Plus­schutz“ abge­schlossen hatte. Der Schüler hatte sein Handy während des Sport­unter­richts in seinem Ruck­sack gelassen. Die Umkleidekabine war allerdings nicht verschlossen. Das Handy wurde gestohlen und die Versicherung berief sich auf die Ausschluss­klausel im Versicherungs­vertrag. Der Schüler klagte und verlor vor dem Amts­gericht Wiesbaden Der Fall: „Plus Garantie“ von Media Markt nützte nichts.

Neu: Versicherer hinter „Plus­schutz“ heißt Allianz

Bislang verkauften Media Markt und Saturn Policen des britischen Versicherers Domestic & General. Seit dem 1. September 2014 arbeitet der Elektronikmarkt mit der Allianz aus München zusammen. Inhalt­lich hat sich der Plus­schutz etwas verbessert. Kunden haben nun bei Diebstahl zum Beispiel keinen Selbst­behalt in Höhe von 20 Prozent des Handyk­aufpreises mehr zu zahlen. Und Kunden können auch nicht mehr mit einer Entschädigung in Höhe des Zeit­werts abge­speist werden. Sie erhalten auf Wunsch ein „gleich­wertiges“ Ersatz­gerät. An den grund­sätzlichen Hürden bei Diebstahl hat sich aber auch beim Plus­schutz von der Allianz nichts geändert: Wer das Handy irgendwo ablegt und auch nur kurz aus den Augen lässt, riskiert seinen Versicherungs­schutz.

Schutz über andere Versicherungen

Handy­besitzer mit einer Hausrat­versicherung besitzen bereits ein biss­chen Diebstahls­schutz zum Test Hausratversicherung. Wird bei ihnen zu Haus einge­brochen und das Handy gestohlen, muss die Versicherungen den Neuwert des Geräts zahlen. Das gilt auch, wenn sie Opfer eines Raubs werden, ihnen das Gerät also mit Gewalt entwendet wird. Wer sein eigenes Gerät herunter­fallen lässt, ist zwar nicht über die eigene Privathaft­pflicht­versicherung abge­sichert. Denn diese zahlt nur die Schäden, die der Versicherte bei anderen anrichtet. Ist aber eine andere haft­pflicht­versicherte Person schuld an dem Schaden, muss dessen Versicherung zahlen. Die Haft­pflicht­versicherer ersetzen allerdings nicht den Neuwert des Geräts, sondern nur Wert des Handys zum Zeit­punkt der Beschädigung.

Fazit: Handy­versicherung weniger wichtig

Der Verlust eines Handys bedroht die finanzielle Existenz des Besitzers in aller Regel nicht. Eine Handy­versicherung gehört deshalb nicht zu den wichtigen Versicherungen – wie eine Privathaft­pflicht­versicherung oder eine Berufs­unfähigkeits­versicherung. Wer die Versicherung dennoch abschließt, muss damit rechnen, dass die Versicherung nicht zahlt oder nur teil­weise leistet, weil der Kunde nicht vorsichtig genug mit dem Gerät umge­gangen ist.

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