Hand­ytarife Test

Beratung vor Ort. In Mobil­funk­shops der Anbieter können Kunden verhandeln – anders als beim Vertrags­abschluss im Internet.

Einige Händler im Test gewährten Preis­nach­lass auf den Hand­ytarif oder Zusatz­leistungen für lau. Andere Händler jedoch empfahlen zu teure Verträge.

Jähr­lich laufen in Deutsch­land Millionen Mobil­funk­verträge aus. Kunden verlängern sie oder schließen bei einem anderen Anbieter neu ab. Da fragt sich, ob sie gut beraten werden. Passen die Tarife zu ihrem Telefonier- und Surf­verhalten? Eine Erkennt­nis aus dem Test vorweg: Nur informierte und aufmerk­same Kunden entgehen über­teuerten Angeboten.

Ein Tarif für mich

Wir schickten Test­kunden in jeweils sieben Mobil­funk­shops der Netz­betreiber O2, Deutsche Telekom und Vodafone sowie zu Fexcom, Mobilcom-Debitel und Yourfone. Die Tester ließen sich beraten: Zum einen ging es um die intensive Smartphone-Nutzung für sich selbst, zum anderen um einen güns­tigen Tarif fürs Patenkind. Sie machten sich auch ein Bild von der Kompetenz der Verkäufer, etwa zur schnellen Daten­über­tragung via LTE.

Losgezogen waren unsere Tester mit der Ansage: Ich telefoniere viel in Deutsch­land, aber auch in der EU und in Thai­land. Fürs Surfen brauche ich monatlich 2 Gigabyte. Am billigsten war Yourfone mit einem Aktions­preis von knapp 15 Euro – plus etwa 8 Euro für eine EU-Option mit limitiertem Gesprächs- und Surfvolumen. Zum Telefonieren in Thai­land erwarteten wir den Rat, eine regionale Guthabenkarte zu erwerben. Enttäuschend: Etwa jeder dritte Verkäufer ging gar nicht auf das Thema ein.

Preislich passten die Angebote oft – in Zeiten der Pauschaltarife keine Kunst. Indis­kutabel teure Offerten gab es aber auch. Bei Fragen zu Auslands­telefonaten, dem Schutz vor Abofallen oder zum Daten­über­tragungs­stan­dard LTE patzten viele Verkäufer. Keiner gab uns vorab Vertrags­unterlagen mit. Mit den zum Teil kryptischen Notizen der Verkäufer hätten wir Angebote nur schwer vergleichen können. Aufmerk­samer als andere im Test waren die Berater von O2. Am wenigsten Zeit nahmen sich die Mitarbeiter in den besuchten Mobilcom-Debitel-Shops; sie hinterfragten die Wünsche der Test­kunden kaum.

Eine Lösung fürs Patenkind

Neben dem eigenen Bedarf ging es um den Einsteiger­tarif für das zehnjäh­rige Patenkind. Eine Prepaidkarte wäre optimal. Mehr als das geladene Guthaben kann das Kind nicht ausgeben. Viele Verkäufer empfahlen allerdings Lauf­zeit­verträge. Ein Verkäufer bei O2 offerierte sogar einen teuren 20-Euro-Tarif.

Ein Muss für Kinder­tarife ist eine Drittanbieter­sperre. Sie verhindert zusätzliche Kosten durch In-App-Käufe oder unbe­absichtigte Abos (Abos und Apps). Jeder Anbieter ist verpflichtet, die Sperre kostenlos einzurichten. Zwei von drei Verkäufern wiesen aber nicht oder nur oberflächlich darauf hin. Ein Vodafone-Berater behauptete schlicht: „Ein Kinder­handy ist kinder­leicht. Dabei muss man nichts beachten.“ Ein Mobilcom-Debitel-Mitarbeiter gestand: „Das weiß ich nicht, ob das bei Prepaid geht.“

Verhandeln lohnt

Für Erwachsene sind oft Pauschaltarife sinn­voll, die Flatrates für Telefonate und Daten enthalten. Sie heißen bei der Telekom „Magenta“, bei Vodafone „Red“, bei O2 „Blue“ und sind nach Größen sortiert. Bei der Telekom und O2 klingt das nach Mode­haus und Kleidergrößen: Es gibt S-, M- und L-Tarife. Im Laden schneiderten einige Verkäufer erfreulicher­weise Maßware. Unsere Tester wünschten einen Tarif ohne subventioniertes Smartphone. Ein O2-Verkäufer bot ungefragt an, auf 30 Euro Anschluss­kosten zu verzichten und den monatlichen Grund­preis zu reduzieren. Unsere Test­kunden hatten jedoch nicht den Auftrag zu feilschen. Mit der Lizenz zum Verhandeln hätten sie womöglich noch öfter Maßware erhalten.

4 800 Euro in 24 Monaten

Einige Berater lagen mit ihren Empfehlungen aber daneben. Am heftigsten ein Vodafone-Verkäufer. Er offerierte einen über­dimensionierten Vertrag für monatlich 200 Euro über 24 Monate. Einge­schlossen wären gewesen: 30 Gigabyte im Monat, jähr­lich ein neues Premium-Smartphone und eine sonst kosten­pflichtige Auslands­option. Die hätte zwar viele Länder einge­schlossen – das gewünschte Thai­land allerdings nicht.

Auch ein Mobilcom-Debitel-Verkäufer bot einen Tarif inklusive einem Apple iPhone 6 an – obwohl wir kein Telefon wollten. Zum ohnehin teuren Tarif wäre noch eine Einmalzahlung von rund 80 Euro fällig gewesen. Das ungewollte Smartphone, so der Tipp des geschäfts­tüchtigen Händ­lers, könne man ja wieder verkaufen. Es ließe sich bestimmt für 350 bis 400 Euro losschlagen. Direkt im Shop hätte das Smartphone angeblich 363 Euro Gutschrift gebracht. Unser Rat: dankend ablehnen und das Geschäft wechseln.

Inkompetent bei LTE

Interes­sehalber fragten unsere Tester auch nach Details zum Daten­über­tragungs­stan­dard LTE. Sie erwarteten zum Beispiel Aussagen zur einge­schränkten Verfügbarkeit in Deutsch­land: Nicht über­all surfen Kunden schon mit vollem LTE-Tempo (Test Mobilfunknetze, test 11/2015). Mehr als die Hälfte der Verkäufer informierte nicht darüber. Statt dessen gab es sinn­freie Sprüche zu LTE wie „Wenn verfügbar, dann ja, wenn nicht, dann eben nicht“ (Vodafone) oder „Keine Ahnung“ (Telekom). Details müssen Kunden selbst recherchieren. So vermeiden sie auch zu teure Verträge und ungewollte Zugaben.

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