Handys: Gebrandmarkt

Die Funknetzbetreiber verkaufen immer mehr Mobiltelefone mit präparierter Software. Der Nutzer hat dadurch deutliche und vor allem teure Nachteile.

Mit nur einem einzigen Tastendruck können Handybesitzer mit neuen, speziell präparierten Mobiltelefonen kostenpflichtige Informationen aus dem Internet abrufen. Auf diese Möglichkeit haben die Kunden lange gewartet, wollen uns zumindest Funknetzbetreiber wie T-Mobile und Vodafone glauben machen. Besonders praktisch: Die entsprechende Taste ist sehr prominent angebracht, meist direkt unter dem Display. Leider etwas zu prominent – viele Kunden drücken sie aus Versehen und starten damit den Internetzugang. Der Gebührenzähler tickt. Auch wer die Verbindung sofort wieder unterbricht, zahlt am Monatsende diverse Cent oder gar Euro an den Funknetzbetreiber. Bei über 60 Millionen deutschen Handybesitzern kann da einiges zusammenkommen.

Die Rede ist von „gebrandmarkten“ Handys (englisch Branding für Brandmarken, Einbrennen). Im Unterschied zu herkömmlichen Modellen tragen sie als Brandzeichen das Logo einer Mobilfunkfirma und werden mit veränderter Software ausgeliefert. Mit ein und derselben Multifunktionstaste wird beispielsweise sowohl die wichtige Menüfunktion „zurück“ als auch die kostenpflichtige Verbindung zum Handyportal aufgerufen.

Da bereits ein Tastendruck zu viel in die Kostenfalle führt und wir die Fehlprogrammierung bei den geprüften gebrandeten Handys nicht entschärfen konnten, haben wir die Benutzerführung und das test-Qualitätsurteil abgewertet.

Branding-Handys: Kein Kauftipp

Im Test waren drei derartige Modelle: Panasonic X60, Samsung Z105 und Sharp GX30. Die drei Handys wurden bei Vodafone gekauft, das Samsung Z105 zum Beispiel gibt es aber auch von den Funknetzbetreibern T-Mobile, E-Plus und O2. Das Sharp GX30 ist aufgrund einer 1-Megapixel-Kamera interessant, auch das UMTS-Handy Samsung Z105 mit seiner drehbaren Kamera wird viele Kunden reizen. Dennoch ist der Kauf dieser wie auch aller anderen gebrandeten Handys aus Verbrauchersicht ungünstig: Den Handys sind durch das Branding Beschränkungen auferlegt, die den Betrieb in anderen Funknetzen erschweren. Wer später den Mobilfunkpartner wechselt oder beispielsweise dem Sohn mit T-Mobile-Karte ein Vodafone-Handy weitergeben will, kann erhebliche Probleme bekommen, weil das Mobiltelefon mühsam umprogrammiert werden muss. Auch der Wiederverkaufswert dürfte sich durch die weitgehende Netzbindung verringern. Der angepriesene vereinfachte Download von Informationen aus dem Internet ist kein stichhaltiges Argument. Vielen Kunden wird durch die voreingestellte Tastatur eine ungewollte Funktion aufgezwungen. Sie kennen weder „Vodafone live“ noch „T-Zones“ und wissen nicht, dass es sich um die kostenpflichtigen Internetportale der Netzbetreiber handelt. Die Portale sind auch mit herkömmlichen Handys anwählbar – die Kunden müssten nur einige Tasten mehr drücken, bis sie in das Menü zum Download gelangen. Das tun aber nur wenige. Lesen Sie zu Handy-Gebührenfallen auch „Handytarife“.

Auch herkömmliche Handys werden vom Netzbetreiber voreingestellt und haben je nach Modell eine Taste, die direkt ins Internet führt. Der Unterschied: Die Tastaturbelegung kann geändert werden. Dann führt die Taste nicht mehr ins teure Handy-Internet, sondern öffnet das Adressbuch. Wie das Umstellen geht, sollte im Handbuch stehen oder bei der Hotline des Mobilfunkpartners zu erfragen sein. Beim Marktführer Nokia ist diese Funktion oft unter „Einstellungen“ und „Persönliche Schnellzugriffe“ zu finden.

Übertragen: Umständlich

Es gibt weitere kritische Entwicklungen, denen wir uns in diesem Test detaillierter gewidmet haben. Neu ist beispielsweise die Zeile „Fototransfer zum Computer“ innerhalb des Gruppenurteils „Fotofunktion (MMS)“. Immerhin 9 der 14 geprüften Mobiltelefone haben eine integrierte Digitalkamera. Wie bei herkömmlichen Digitalkameras sollte es auch bei ihnen möglich sein, die Daten von der (Handy-)Kamera kostenlos zum Computer zu transferieren. Wer ein Foto gemacht hat, will es oft auch auf dem Monitor betrachten und bei Bedarf kostengünstig per Computer als E-Mail verschicken. Doch dieser Transfer funktioniert nicht bei allen geprüften Handys. Den Mobilfunkfirmen wäre es sicher recht, wenn Fotos nur per MMS (Multimedia Messaging Service) verschickt werden: ab 39 Cent pro Datei.

Ausstattung: Von üppig bis mager

Die einfachste Übertragungsmöglichkeit ist ein USB-Kabel nebst funktionierender Software. Leider waren nur die beiden UMTS-Handys Samsung Z105 (900 Euro) und Siemens U15 (980 Euro) entsprechend ausgerüstet. Das Siemens erhielt ein „Sehr gut“ in diesem Prüfpunkt, weil es auch Bildübertragung per Infrarot und Bluetooth ermöglicht.

Ebenfalls erwähnenswert ist das Nokia 6230: Es legt Fotos auf einer Speicherkarte ab, die von vielen modernen Computern gelesen werden kann. Zusätzlich können Daten auch per Funk (Bluetoothschnittstelle) oder Infrarot an entsprechend ausgerüstete Geräte wie Notebooks oder Palmtops übertragen werden (siehe „Glossar“). Ungünstigerweise muss man beim Nokia den Akku herausnehmen, um an die Karte zu kommen. Bei der Speicherkarte des Sharp GX30 ist das einfacher: Sie kann einfach an einer Seite des Telefons herausgezogen werden. Nach der Installation der entsprechenden Software können Bilder auch per Infrarot übertragen werden, nicht aber per Bluetooth.

Wie das Testfeld zeigt, entwickelt sich der Handymarkt recht unterschiedlich. Einerseits gibt es mit Technik vollgestopfte Mobiltelefone, die über zwei Kameras (Siemens U15, zweite Kamera für Videotelefonie), Radio (Nokia 6230) oder vollständige Schreibmaschinentastaturen (No­kia 6820) verfügen. Andererseits sind bislang als Standard geltende Funktionen wie Sprachwahl auf dem Rückzug: Sechs geprüfte Handys reagieren nicht auf gesprochene Wählbefehle.

Mager ausgestattet, aber dafür preiswert ist das Einsteigerhandy Motorola C200: Es kostet ohne Vertrag 100 Euro, hat aber nur ein Schwarz-Weiß-Display und kaum Zusatzfunktionen.

UMTS: Zwei Neue fürs neue Netz

Mit dem Samsung Z105 und dem Siemens U15 haben wir zwei weitere UMTS-Mobiltelefone geprüft (siehe „Glossar“). Die Anbieter werben für das neue Netz mit Funktionen wie Videotelefonie und schnellerem Datendownload aus dem Internet. Beides ist für Privatkunden wenig interessant oder zumindest sehr teuer. Im aktuellen Test konnten wir immerhin zwischen zwei Samsung Z105 ein Videotelefonat führen, bei dem sich beide Gesprächspartner sehen. Bewegen sollte sich allerdings keiner der beiden, sonst ruckelt das Bild.

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