Hand­ytarife Test

Telefonieren und Internetsurfen im Ausland ist teuer. Ab Juli sinken die Preise – allerdings nur inner­halb der EU.

Die neue EU-Roaming-Verordnung ist ein echtes Spar­programm für Hand­ynutzer. Ab 1. Juli 2012 sinken nicht nur die Preise für Auslands­gespräche und Text­nach­richten, auch das Internetsurfen mit dem Handy wird in der EU güns­tiger. Erst­mals hat Brüssel eine Preis­ober­grenze für die Daten­über­tragung fest­gelegt. Ab Juli darf ein Megabyte nicht mehr als 83 Cent kosten. Bisher berechneten Mobil­funk­firmen nicht selten 3 bis 5 Euro pro Megabyte, dreiste Anbieter verlangten bis zu 20 Euro.

Familien könnten dank der neuen Preis­ober­grenzen beim Daten­roaming gegen­über 2009 jähr­lich mehr als 200 Euro sparen, Geschäfts­reisende sogar mehr als 1 000 Euro, verkündete stolz die zuständige EU-Kommis­sarin Neelie Kroes.

Dass Handy­gespräche und -surfen im Ausland deutlich teurer sind als zuhause, liegt am „Roaming“. Das eng­lische Wort to roam bedeutet herum­wandern oder streunen. In die Welt des Mobil­funks über­setzt meint es, in einem fremden Netz zu telefonieren oder im Internet zu surfen. Der fremde Mobil­funkanbieter verlangt für die Weiterleitung der Gespräche und Daten eine Gebühr – und die ist oft happig.

Höchs­tens 34 Cent pro Minute

Hand­ytarife Test

Weil der Markt nicht funk­tioniert, schreibt die EU für ihre Mitglieds­länder seit 2009 Maximal­preise vor, die sie jedes Jahr weiter absenkt. So ist der Maximal­preis für abge­hende Gespräche (inklusive 19 Prozent Mehr­wert­steuer) von 0,5117 auf 0,3451 Euro gefallen, ab Juli 2014 wird er nur noch 0,2261 Euro betragen. In den nächsten Jahren werden die Hand­ytarife im Ausland also weiter sinken (siehe Grafik).

Ab Juli 2014, so der EU-Beschluss, soll das Problem der Roaming­entgelte gelöst sein. Mobil­funk­kunden können dann zusätzlich zu ihrem heimischen Vertrag einen güns­tigen Roaming­vertrag abschließen. Ihre Rufnummer behalten sie. Die EU-Kommis­sion erwartet, dass der Wett­bewerb dann zu nied­rigeren Preisen und einer besseren Netz­abdeckung führt. Ganz über­zeugt ist sie offen­bar nicht, die vorgeschriebenen Preis­ober­grenzen bleiben jedenfalls bis zum 30. Juni 2017 bestehen.

In der EU billiger telefonieren

Wie erwartet orientieren sich die neuen Auslands­tarife weitest­gehend an den Ober­grenzen der EU-Vorgabe. Vodafone reizt den Spielraum sogar voll aus, und zwar bis auf vier Stellen nach dem Komma: Der Minuten­preis aus EU-Ländern kostet ab 1. Juli 0,3451 Euro. Vorher gab sich Vodafone mit zwei Nach­kommastellen zufrieden: 0,41 Euro. Der T-Mobile Euro-Tarif wird mit der Option „Welt­weit“ umge­setzt und entspricht ebenfalls den EU-Vorgaben.

Beim Daten­roaming unterbieten die beiden E-Plus-Billigmarken blau.de und simyo das EU-Preis­limit: Das Megabyte kostet bei ihnen wie schon vor der Einführung der Ober­grenze 49 statt der zulässigen 83 Cent.

Auslands­pakete können sich lohnen

Wer in der EU billiger telefonieren, simsen und surfen möchte, kann alternativ einen speziellen Auslands­tarif buchen, meist „Option“ genannt (siehe Tabelle „Spezielle Auslandspakete“). Rechnerisch ergibt sich hier oft ein nied­rigerer Preis. Allerdings muss der Kunde aufpassen und sein gebuchtes Paket gut ausnutzen, sonst zahlt er drauf.

Die Preise in den EU-Ländern sind mitt­lerweile erschwing­lich. Ganz anders sieht es in anderen Urlaubs­ländern aus, zum Beispiel in der Türkei, der Schweiz und den USA (siehe Tabelle). Hier kann ein ausgehendes Handy­gespräch noch mit knapp 2 Euro pro Minute zu Buche schlagen. Ein Megabyte herunter­zuladen, kostet bis zu 25,80 Euro. Das führt schnell zu horrenden Rechnungen.

Warnung für Vielsurfer

Wenigs­tens gibt es einen Schutz­mecha­nismus. Wenn 59,50 Euro oder eine andere vereinbarte Schwelle aufgelaufen sind, erhalten Reisende eine Warnung per SMS oder E-Mail. Wer dann weiter Daten­dienste nutzen will, muss dies ausdrück­lich bestätigen. Die Warnung gab es bisher nur inner­halb der EU, ab Juli 2012 greift der Mecha­nismus welt­weit – sofern das ausländische Netz diese Funk­tion unterstützt.

Anders als zuhause fallen beim mobilen Telefonieren im Ausland auch Kosten an, wenn man angerufen wird. Da der Anrufer nicht weiß, wo sich sein Gesprächs­partner aufhält, werden die Kosten für die Weiterleitung ins Ausland immer dem Angerufenen aufgebrummt.

Interes­sante Apps

Zwei Programme fürs Smartphone könnten für den Auslands­urlaub interes­sant sein. Die Firma blau.de bietet eine App für Android-Smartphones an, mit der über eine kostenlose WLan-Verbindung Telefonate pro Minute und jede SMS nur 9 Cent kosten, also zu denselben Preisen wie in Deutsch­land. Das gilt auch für Kunden, die vertraglich an einen anderen Mobil­funkanbieter gebunden sind. Weitere Infos finden Sie auf http://www.blauapp.de.

Die kostenlose Auslands-App von simyo informiert über Kosten, Daten­limits, Mailbox, Rufnummernformate, Auslands­pakete und andere wichtige Urlaubs­fragen. Der simyo-Tarif richtet sich nach den Preis­grenzen: Ab Juli kosten abge­hende Gespräche inner­halb der EU 34 Cent pro Minute, ankommende 9 Cent in der Minute.

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