Handytarife Test

Bei manchen billigen Handykarten lauern Fallen.

Discountangebote lassen die Preise purzeln, haben aber auch ihre Haken.

Telefonieren ohne nachzudenken“ – so wirbt die Billig­marke simply für ihre Handytarife. Tatsächlich haben Discountanbieter wie Tchibo, simyo oder simply mit einheit­lichen Minutenpreisen rund um die Uhr und in alle Netze eine neue Transparenz in den Tarifwirrwarr gebracht. Und dabei die Mobilfunkpreise kräftig purzeln lassen: Um fast sechs Prozent lagen sie schon im Oktober unter denen des Vorjahresmonats, hat das Statistische Bundesamt errechnet.

Anfang November kam dann mit easy­Mobile die Mobilfunkschwester des Billigfliegers easyJet auf den deutschen Markt und läutete eine weitere Runde im Preiskampf ein. Der Kunde kann sich derweil über eine ständig wachsende Auswahl immer billigerer Handytarife freuen. Doch neben den üblichen Kostenfallen, die beim Mobiltelefonieren generell lauern, gibt es bei den Discountangeboten weitere Einschränkungen und Haken, die man kennen sollte, bevor man sich für einen der Billigtarife entscheidet.

Kein subventioniertes Handy: Discounttarife enthalten meist keine Zuschüsse für ein günstiges Handy. Zwar bieten inzwischen auch Billiganbieter wie klarmobil und uboot.com Mobiltelefone an. Aber zu Preisen, zu denen man die Geräte auch ganz regulär im Handel bekommt.

Versteckte Fixkosten: Beispiel Talk­line 9,9 Cent-Tarif: „Grundge­bühr 0,0 Euro“, sagt die Werbung. Doch dahinter steckt ein Minutenpaket, das fast 20 Euro im Monat kostet – unab­hängig vom tatsächlichen Verbrauch. Beispiel easyMobile: „Keine Grundgebühr“, versprechen die Plakate, doch bei sehr geringem Umsatz wird monatlich ein Euro berechnet. Beispiel simyo: „Keine monatliche Grundgebühr“, steht auf der Website. Doch alle sechs Monate muss man mindestens 10 Euro auf die Guthabenkarte einzahlen, sonst verfällt bereits gezahltes Guthaben. Solche Details können einem leicht entgehen, wenn man AGBs und Preislisten nicht genau studiert.

Irreführende Minutenpreise: Anbieter wie Talkline oder mobilcom bewerben ihre Minutenpakete unter Namen wie „9,9 Cent“. Die so suggerierten extrem günstigen Minutenpreise ergeben sich aber nur rechnerisch, wenn das monatliche Minutenkontin­gent exakt aufgebraucht wird. Das dürfte in der Praxis kaum vorkommen. Wer weniger Minuten telefoniert, als im Paket enthalten sind, zahlt trotzdem den vollen Paketpreis. Telefoniert man mehr, gelten oft sehr teure Minutenpreise.

Ungünstige Taktung: Für kurze Verbindungen unter einer Minute ­– wenn zum Beispiel auf der anderen Seite nur die Maibox rangeht – berechnen alle Discounter den vollen Minutenpreis. Bei längeren Gesprächen gibt es Unterschiede: easyMobile zum Beispiel bleibt auch hier beim ungünstigen Minutentakt, simyo und andere rechnen dagegen nach der ersten Minute sekun­dengenau ab – und sind so trotz des gleichen Minutenpreises etwas günstiger.

Beschränkter Service: Für die meis­­ten billigen Handytarife braucht man einen Internetanschluss, weil Kartenguthaben oder Rechnungen nur online verwaltet werden können. Papierrechnungen per Post gibt es oft gar nicht oder nur gegen Aufpreis. Bei easy­M­obile oder klarmobil kann man nur per Lastschrift bezahlen, bei simply kostet die Bezahlung per Überweisung zusätzliche Gebühren. Und seine alte Handynummer in den neuen Billigtarif mitzubringen, klappt auch nicht immer: Bei Prepaidkarten im E-Plus-Netz wie simyo, blau.de oder debitel-light geht es gar nicht, klarmobil nimmt eine zusätzliche Gebühr.

Mailbox-Fallen: Einige Anbieter berechnen für das Abhören der Mailbox den vollen Minutenpreis, bei anderen ist dieser Dienst dagegen kostenlos. Doch die gebührenfreie Mailbox bei simyo, blau.de und debitel-light hat dafür einen anderen Haken: Sie lässt sich nicht abschalten! Eingehende Anrufe werden schon nach 20 Sekunden Klingeln automatisch an den Anrufbeantworter weitergeleitet. Der Anrufer muss so auch dann zahlen, wenn er niemanden erreicht hat. Und der Angerufene kann zurückrufen, wenn er zu lange gebraucht hat, sein Handy hervorzukramen.

Teure Hotlines: Beim telefonischen Kundendienst langen viele Discounter so richtig zu. Rekordhalter ist dabei wohl klarmobil: Hier kostet das Hotline-Gespräch vom Handy atemberaubende 1,99 Euro pro Minute! Auch simply nimmt stattliche 1,79 Euro, debitel-light immerhin noch stolze 99 Cent.

Kartenpfand: Mit dieser fantasievollen Erfindung bittet simply noch ein letztes Mal zur Kasse, wenn ein Vertrag beendet wird. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen verbirgt sich eine Klausel, nach der die Sim-Karte innerhalb von drei Wochen nach Vertragsende zurückgesandt werden muss. Sonst werden bei der Schlussab­rechnung 29,65 Euro Pfand berechnet.

Einige dieser ungewohnten Kostenfaktoren werden durch günstige Minuten- und SMS-Preise aufgewogen. Anderes – wie die Onlineverwaltung oder die nicht abschaltbare Mailbox – ist Geschmackssache: Den einen stört es nicht, für andere ist es unzumutbar. Auf jeden Fall lohnt es sich, vor dem Tarifwechsel nachzuhaken, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. „Telefonieren ohne nachzudenken“ ist jedenfalls auch mit Discounttarifen nicht unbedingt ratsam.

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