Handytarife Test

Bei manchen billigen Handykarten lauern Fallen.

Auf dem Mobilfunkmarkt sinken die Preise fast täglich. Als Tchibo vor einem Jahr mit dem Verkauf von Prepaid-Karten begann, waren 35 Cent pro Minute rund um die Uhr noch eine kleine Sensation. Heute liegen die Minutenpreise einiger Anbieter bereits bei 14 Cent - und weitere Preissenkungen sind in Sicht. Das ist gut für die Telefonrechnung - wären da nicht noch einige Haken, die die Telefonanbieter in ihre Tarife eingebaut haben. Der billigste Tarif ist nicht für jeden der beste. test.de erklärt die Fallstricke der Billiganbieter.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Handytarife

Kleine und große Haken

Was die Mobilfunkanbieter dem Kunden mit günstigen Minutenpreisen geben, versuchen sie hinterher oft mit ungünstigen Tarifdetails zurückzuholen. Ungünstige Taktungen, versteckte Fixkosten, teure Hotlines sind nur einige Gelegenheiten, bei denen Kunden ordentlich draufzahlen. Trotzdem: Im Vergleich zum Vorjahr ist Mobiltelefonieren laut Statistischem Bundesamt um fast sechs Prozent preiswerter geworden. Wer also auf folgende Kostenfallen achtet und den zu seinem Nutzungsprofil passenden Tarif auswählt, telefoniert in der Tat sehr preiswert mobil:

Ungünstige Taktung

Für Verbindungen, die kürzer als eine Minute dauern, rechnen alle Discounter den vollen Minutenpreis ab. Das ist bei Laufzeitverträgen meist genauso. Ärgerlich wird es allerdings, wenn sie auch bei längeren Gesprächen jede weitere angefangene Minute voll abrechnen. Das ist zum Beispiel bei Easymobile, Klarmobil und Simply Prepaid der Fall. Andere Discounter rechnen nach der ersten Minute im Sekundentakt ab.
Tipp: Wählen Sie einen Tarif mit der Taktung 60/1. Selbst wenn Tarife mit minutengenauer Abrechnung etwas billiger sind, zahlen Sie dort in der Regel drauf.

Zwangsmailbox

Bisher haben alle Prepaid-Karten im Netz von E-Plus eine Mailbox, die sich nicht deaktivieren läßt. Das Abhören der Box ist zwar kostenlos, doch die meisten Anbieter leiten eingehende Anrufe schon nach ziemlich kurzer Zeit auf die Mailbox weiter. Simyo sorgte als erster Anbieter für negative Schlagzeilen, weil sich die Mailbox schon nach 20 Sekunden einschaltet. Auch bei Aldi Talk, Blau.de, Debitel-light und Plus lassen sich die Mailboxen nicht abschalten. Die Telefonanbieter freuts: Jede Nachricht auf dem mobilen Anrufbeantworter ist ein potentieller Rückruf und somit zusätzlicher Umsatz.
Tipp: Wählen Sie diese Anbieter nur, wenn Sie das Handy stets zur Hand haben, zügig jeden Anruf annehmen oder es Ihnen nichts ausmacht, Nachrichten auf der Mailbox zu beantworten.

Kaum Service

Ähnlich wie beim Lebensmittel-Discounter bieten auch die Telefon-Discounter keinerlei Beratung. Die SIM-Karten gibt es entweder nur im Internet oder bei Aldi und Plus an der Kasse. Papierrechnungen per Post gibt es oft gar nicht oder nur gegen saftigen Aufpreis. Spitzenreiter sind hier Aldi Talk und Simyo: Sie berechnen 10,22 Euro pro Papierrechnung. Bei Klarmobil und Easymobile ist die Bezahlung nur per Lastschrift möglich. Bei Simply kostet die Bezahlung per Überweisung zusätzliche Gebühren.
Tipp: Lesen Sie sich das Kleingedruckte vor dem Kauf einer Prepaid-Karte aufmerksam durch. Achten Sie dabei vor allem auf die Kosten für zusätzliche Leistungen.

Teure Hotlines

Wer trotzdem Fragen an den Anbieter hat, muss den telefonischen Kundendienst anrufen. Bei den Hotlines langen viele Discounter ordentlich zu. Rekordhalter ist Klarmobil mit 1,99 Euro pro Minute vom Handy. Simply kassiert dafür 1,79 Euro, Debitel-light 99 Cent. Dass Mobilfunk-Hotlines nicht immer kompetent sind, zeigte der Vergleichstest 10/2005.
Tipp: Lesen Sie erst in den FAQs der Anbieter im Internet nach, bevor Sie die Hotline anrufen. In den am häufigsten gestellten Fragen geben die Anbieter meist schon auf viele Fragen Antwort.

Versteckte Fixkosten

Obwohl Prepaid-Karten keine monatliche Grundgebühr enthalten, verpflichten einige Tarife trotzdem zu regelmäßigen Zahlungen. Beispiel Easymobile: Alle drei Monate müssen mindestens sechs Euro vertelefoniert werden. Bleibt der Umsatz unter diesem Betrag, rechnet Easymobile eine Verwaltungsgebühr von einem Euro für Pflege und Aufrechterhaltung des Kontos. Beispiel Blau.de und Simyo: Alle sechs Monate müssen Kunden mindestens 10 Euro auf die Karte einzahlen. Andernfalls verfällt das bereits eingezahlte Guthaben.
Tipp: Wenn Sie fast nie selbst anrufen und das Handy nur besitzen, um erreichbar zu sein, fahren Sie mit einem Tarif ohne Mindestnutzung besser. Solche Tarife bietet etwa Aldi Talk, Debitel-light und Tchibo.

Kartenpfand

Bei Simply bleibt die SIM-Karte Eigentum des Anbieters. Für die Karte erhebt das Unternehmen einen Pfand von 29,65 Euro. Wer die SIM-Karte nach Beendigung des Kundenverhältnisses nicht zurück schickt, verliert die 29,65 Euro.
Tipp: Schicken Sie die SIM-Karte nach Beendigung des Kundenverhältnisses an Simply mit dem Vermerk zurück, dass Sie nicht länger Kunden sind.

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