Hand­ytarife Test

Mit einem Pauschal­preis für alle Netze können Plaudertaschen unbe­grenzt telefonieren und surfen, ohne die Rechnung zu sprengen. Noch nie waren Allnet-Flats so günstig wie jetzt. Bei knapp 20 Euro im Monat gehts los. Aber nicht alle Kosten sind damit abge­deckt.

Frech stürmte der neue Mobil­funkanbieter yourfone.de mit dem Slogan „welt­güns­tigste Allnet Flat“ auf den Markt. Weniger als 20 Euro im Monat verlangt die E-Plus-Tochter. Mit ihrer Preis­offensive hat sie ordentlich Bewegung in den Markt gebracht. Umge­hend zog die Konkurrenz mit vergleich­baren Angeboten nach. Anders reagierte Branchenriese Vodafone. Der Düssel­dorfer Konzern mahnte Branchenneuling yourfone.de kurzer­hand für seine Werbung ab. Der änderte seine Botschaft in: „Die weltent­spann­teste Allnet Flat“.

Die Anbieter kämpfen um Markt­anteile. Die Allnet-Flats gelten als Rund­umsorglospakete. Für einen monatlichen Pauschal­preis können Quassel­strippen so viel telefonieren, wie sie wollen: jeder­zeit in alle Hand­ynetze und ins Fest­netz. Auch ein Daten­volumen zum Surfen ist inklusive.

Preiskampf positiv für den Kunden

Der Preiskampf sorgt tatsäch­lich für etwas Entlastung im Geldbeutel. Wir haben fast 4 000 Tarife geprüft und die güns­tigsten Allnet-Flatrates zusammen­gestellt (siehe Tabelle). Los gehts bei knapp 20 Euro. Tiefen­entspannt zurück­lehnen können sich Hand­ynutzer dennoch nicht. Sie müssen mit zusätzlichen Kosten rechnen: fürs SMS-Versenden. Weitere Nachteile sind oft teure Hotlines und lange Lauf­zeiten.

Richtig günstig nur mit Bindung

Wer von den sehr güns­tigen Preisen profitieren will, muss sich binden. 24 Monate läuft ein solcher Vertrag. Sinken die Preise im Markt inner­halb dieser Zeit, profitieren die Kunden davon nicht. Für die deutlich flexibleren Verträge mit einmonatiger Lauf­zeit zahlen sie drauf, in der Regel 5 Euro pro Monat, so zum Beispiel bei helloMobil, klarmobil, maxxim, simyo und yourfone.de. Auf zwei Jahre gerechnet macht das schon 120 Euro mehr. Keiner der ausgewählten Tarife bietet ein subventioniertes Handy. Ohnehin rechnet es sich in der Regel mehr, Handy und Tarif getrennt voneinander auszuwählen.

SMS kosten extra

Nutzer können zwar plaudern ohne Ende, SMS kosten aber extra. Nur bei Deutsch­land­Sim sind bereits 100 Kurz­nach­richten inklusive. Fleißige Schreiberlinge treiben bei einem Preis von 9 bis 19 Cent pro SMS die Rechnung in die Höhe. Fast alle Anbieter haben aber eine zusätzliche SMS-Flat im Repertoire. Viele verlangen dafür happige 12,95 Euro monatlich. Das macht sich bei 9 Cent pro SMS erst ab der 144sten SMS bezahlt. Doch es gibt auch güns­tigere Kombinationen aus Allnet-Flat und SMS-Paket. Bei blau.de, cong­star, free­netmobile, mobilcom-debitel, simyo und yourfone.de kostet unbe­grenztes SMS-Senden nur rund 5 Euro im Monat. Das lohnt sich bereits ab der 56sten SMS.

E-Plus oder O2-Netz am güns­tigsten

Einschränkungen gibt es auch beim Netz. Ein Blick auf die güns­tigsten Allnet-Tarife zeigt: Die meisten sind im E-Plus- oder im O2-Netz zu haben. Nicht alle Netze sind aber in allen Regionen gleich stark ausgebaut. Bei E-Plus kann es gerade in länd-lichen Gebieten zu Empfangs­problemen kommen. Beim O2-Netz beschwerten sich in der Vergangenheit häufig Nutzer über den lang­samen Daten­verkehr. Mögliche Ursache: Gerade in großen Ballungs­gebieten sind die Netze oft über­lastet.

Tipp: Auf ihren Internet­seiten zeigen die Netz­betreiber den Ausbau der Netze. Informieren Sie sich vor der Wahl Ihres Tarifs, wie viel Empfang das jeweilige Mobil­funk­netz in Ihrer direkten Umge­bung bietet.

Surfen mit Drosselung

Positiv: Bei vielen Allnet-Tarifen ist die Flatrate für mobiles Internet inklusive. Allerdings drosseln die Anbieter ab einem bestimmten Daten­volumen die Geschwindig­keit – meist ab 500 Megabyte. Das reicht für die normale Nutzung aus. Wer jedoch täglich vier bis fünf youtube-Videos aufruft, nebenbei intensiv surft, E-Mails schreibt und Bilder bei Facebook hoch­lädt, stößt leicht an die Grenzen des Volumens. Im Ideal­fall informiert eine SMS darüber, dass das Volumen ausgeschöpft ist. Extra­kosten entstehen nicht. Bei fast allen Anbietern können Nutzer das Daten­volumen aufstocken. Ein Upgrade auf 1 Gigabyte kostet zwischen 4,95 und 9,99 Euro.

Tipp: Beob­achten Sie Ihr eigenes Surf­verhalten einige Monate und entscheiden Sie erst dann, ob Sie aufstocken möchten. Achten Sie außerdem auf die Lauf­zeit des zuge­buchten Daten­pakets.

Hotline­anrufe sind meist teuer

Extra­kosten lauern oft beim Anruf der Anbieterhotline. So verlangt mobilcom-debitel für Anrufe bei der tech­nischen Hotline teure 1,29 Euro pro Gesprächs­minute aus dem Fest­netz. Für Gespräche ins Ausland zahlen Kunden ohnehin extra, ebenso für Sonderruf­nummern, zum Beispiel mit der Vorwahl 0 180 5.

Nicht über­all ist „Allnet-Flat“ drin

Die Tarife in der Tabelle sind alle echte Allnet-Flatrates. Das heißt, Sprach­anrufe ins Fest­netz und in alle Hand­ynetze sind inklusive. Wir haben aber auch andere Modelle gefunden. Debitel light begrenzt zum Beispiel seine „AllNet Flat“ auf nur 100 Sprach­minuten. Das Etikett „Allnet“ ergänzen Anbieter oft um Zusätze wie „Allnet100“ oder „Allnet S“. Diese Tarife enthalten meist nur wenige kostenfreie Minuten. Unbe­grenztes Telefonieren wird da schnell teuer.

Arena für Preiskampf ist das Internet

Viele mag das nicht stören, aber die meisten Tarife können Interes­sierte nur online buchen. Eine Filiale, die sie bei Problemen oder Fragen persönlich aufsuchen könnten, fehlt. Diesen Service bieten in jedem Fall die Netz­betreiber E-Plus, O2, Telekom und Vodafone. Gerade die letzten beiden können preislich aber nicht mithalten.

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