Handytarife Test

Die Preise für Smartphone-Tarife sind gesunken. Normalnutzer zahlen unter 15 Euro im Monat, Extremnutzer weniger als 50 Euro.

Wer ein neues Smartphone hat, sollte auch einen aktuellen Datentarif buchen. Alte Tarife sind für das mobile Surfen im Internet oft extrem teuer. Beim Surfen tappt der Nutzer schnell in die Kostenfalle.

Das ist schon vielen passiert, manche Rechnung ging in die tausende. In etlichen Fällen haben die Richter zwar entschieden, dass die Kunden nicht zahlen mussten (siehe Meldung „Kunde muss Horror-Rechnung nicht bezahlen“). Doch besser, es kommt erst gar nicht so weit.

Die Preise für aktuelle Tarife sind weiter gesunken. Zu Jahresbeginn hat ein Normalnutzer noch knapp 18 Euro bei blau.de für 90 Minuten Telefonieren im Monat und 100 Megabyte Datenvolumen fürs Surfen gezahlt. Jetzt verlangt der O2-Ableger netzclub im Tarif Sponsored Surf Basic nur 14,50 Euro.

Drei verschiedene Nutzerprofile

Wir haben uns in diesem Test aktuelle Kombinationstarife für Wenig-, Normal- und erstmals auch für Extremnutzer angeschaut. Diesem neuen Typ ordnen wir Smartphone-Besitzer zu, die im Schnitt pro Tag für eine Stunde auf eigene Kosten telefonieren und pro Monat einen Bedarf von einem Gigabyte Daten haben.

Ein Gigabyte sind 1 024 Megabyte. Ein Beispiel macht die Datenmenge deutlich: Damit könnte der mobile Surfer 333-mal die Filmvorschau „Konferenz der Tiere“ auf Youtube als Video ansehen.

Volumentarif für Wenignutzer

Das attraktivste Angebot für den Wenignutzer ist ein Volumentarif, der von vier Anbietern mal unter dem Namen „discoPlus friends“, mal unter „friends4free“ verkauft wird (siehe Tabelle „Wenignutzer“). Für 4,90 Euro kann der Handykunde im Monat 50 Megabyte Daten im Internet verbrauchen und noch eine halbe Stunde anrufen. Jedes weitere Megabyte kostet 19 Cent.

Schöpft der Wenignutzer doch einmal 200 Megabyte im Monat aus, zahlt er maximal 12,95 Euro. Danach verlangsamt sich die Übertragungsgeschwindigkeit drastisch, wie es sonst bei Pauschaltarifen, den sogenannten Flatrates, der Fall ist.

Preiswertes Angebot mit Werbung

Normal- und Extremnutzer sind mit einer Kombination von Flatrates am günstigsten mobil unterwegs.

Normalnutzer sind Smartphone-Besitzer, die im Monat 90 Minuten telefonieren und ein Datenvolumen von 100 Megabyte benötigen. Preiswert für sie ist ein netzclub-Kombitarif. Wer ihn bucht, bekommt allerdings Werbebotschaften auf sein Smartphone.

Bis zu einer Werbe-SMS, -Mail oder -MMS kann der Nutzer pro Tag erhalten. Meistens sind es aber weniger. Netzclub hat zwei unterschiedliche, mit Werbung unterstützte Tarife im Angebot.

Einen günstigen Tarif ohne Werbung finden Normalnutzer bei Moobi-Air für 15,50 Euro. Zu diesem Preis können sie sogar das doppelte Datenvolumen von 200 Megabyte mit maximaler Geschwindigkeit nutzen. Das reicht, um rund 90 E-Mails mit Foto zu versenden und hundertmal die Fahrplanauskunft auf der Homepage der Bahn aufzurufen.

In dem Moobi-Air-Angebot All-in M200 muss sich der Kunde jedoch 24 Monate fest binden, denn das ist ein Laufzeittarif. Zwei Jahre lang kann er dann nicht wechseln.

Schneller Wechsel mit Guthabentarif

Einen preiswerten Guthabentarif ohne Werbenachrichten finden Normalnutzer bei discoplus. Für 19,60 Euro gibt es dort 200 Megabyte Daten mit voller Geschwindigkeit im Monat und 90 Minuten Telefonieren.

Der Vorteil dieses und jedes anderen Prepaid-Angebots: Ist die Flatrate nach 30 Tagen abgelaufen oder ein Volumentarif aufgebraucht, kann der Kunde meistens nach einer Kündigungsfrist von vier Wochen zu einem preiswerteren Angebot wechseln.

Den Discoplus-Tarif können Kunden nur online auf der Seite des Unternehmens kaufen. Das gilt auch für andere günstige Tarife.

Datenverbrauch genau überprüfen

Die passende und vor allem eine günstige Tarifkombination finden Kunden leichter, wenn sie ihr Nutzerverhalten kennen. Dazu schauen sie sich einfach ihre jüngsten Handy-Monatsrechnungen an.

Inzwischen können Nutzer ihren Datenverbrauch sogar mit dem Smartphone ganz genau prüfen. Dafür müssen sie sich ein kleines Programm, ein App, installieren, das die Datenströme misst, zum Beispiel den NetLimiter 3 Monitor. So lässt sich herausfinden, wie viel ein Video auf Youtube oder ein Musikdownload tatsächlich an Datenvolumen verbraucht.

Hellomobil stuft automatisch ein

Eine neue Lösung, um den günstigsten Tarif zu finden, bietet hellomobil an. Unter dem Namen best4me ermittelt der Anbieter automatisch am Monatsende, welcher seiner Tarife für den Kunden am günstigsten ist. Das ist bequem, aber teuer.

Die nachträglich abgerechneten Pakete landen für alle drei Nutzerprofile im Test weit hinten in unseren Preislisten. Beispiel: Der Extremnutzer würde im hellomobil-Tarif best4me + Talk M 309 Euro nur für Gespräche und SMS zahlen. Datennutzung käme noch hinzu.

Datenpauschale mit Bremse

Bei mobilcom-debitel kann unser Extremnutzer bereits für 45 Euro den Kombitarif „Flat Allnet + SMS-Flat + Speed Option“ buchen. Das ist ein zweijähriger Laufzeittarif.

In dieser preiswerten Tarifkombination zahlt der Kunde für die Sprachpauschale 39,80 Euro. Für ein Gigabyte Daten aus dem Internet verlangt das Unternehmen 5 Euro zusätzlich.

Verbraucht der Kunde in einem Monat mehr Daten, als die gebuchte Flatrate zulässt, sinkt die Übertragungsgeschwindigkeit extrem. Alle Datenpauschalen haben so eine Bremse, eine sogenannte Bandbreitendrosselung.

Mehr Datenleistung bekommt der Extremsurfer günstig bei Lidl. Im Guthabentarif „Lidl mobile + Monats-Flatrate“ verlangsamt sich die Datengeschwindigkeit erst nach dem Überschreiten der Marke von fünf Gigabyte. Einschließlich Sprachtarif kostet das Discounter-Angebot 55 Euro.

Kostenstopp ist kundenfreundlich

Hinter der Pauschale für Gespräche und SMS verbirgt sich bei Lidl wie bei neun weiteren günstigen Extremnutzer-Angeboten im Test ein Kostenstopp. Erreicht der Extremnutzer im Lidl-Tarif die 40-Euro-Grenze, ist jede Minute darüber kostenlos. Unter der Grenze wird genau abgerechnet. Das ist sehr kundenfreundlich. Die Kosten für die Datenflatrate sind jeweils extra.

Ehe der Kunde die Grenze erreicht, telefoniert er bei Lidl für 9 Cent pro Minute und zahlt für eine SMS 9 Cent. Da es eine All-Net-Flat ist – also eine Pauschale für alle Netze – kommt es nicht darauf an, ob der Kunde in sein heimisches O2-Netz telefoniert oder in ein anderes Netz.

Acht weitere Anbieter im Profil Extrem-Nutzer liegen mit dem Kostenstopp zwischen 35 und 49 Euro. Der Unterschied zu einer normalen Flatrate wird spürbar, wenn der Nutzer den Kosten-Airbag-Betrag bis zum Monatsende nicht erreicht. Dann zahlt er so viel, wie er telefoniert und gesimst hat.

Extremnutzer, die sehr viel telefonieren, müssen aufpassen, dass ihnen das Mobilfunkunternehmen nicht kündigt. Das hält sich Telco/Victorvox mit seiner All-in Flat offen, wenn der Kunde mehr als 1 500 Minuten im Monat telefoniert. Spricht er länger, kann er wegen „atypischer Nutzung“ aus dem Vertrag fliegen. Der Tarif ist nicht gelistet, denn unser Extremnutzer telefoniert 300 Minuten mehr.

Die großen Mobilfunkfirmen zählen nicht zu den günstigsten Anbietern: Unser Extremnutzer zahlt etwa bei Base im E-Plus-Netz 65 Euro für einen Laufzeittarif von 24 Monaten. Noch teurer sind die Zwei-Jahres-Pauschalen bei T-Mobile und Vodafone: 90 Euro im Monat.

Auch für Wenig- und Normalnutzer liegen die Preise der Netzbetreiber (Base, O2, T-Mobile, Vodafone) doppelt so hoch wie die der günstigsten Tarifanbieter.

Dieser Artikel ist hilfreich. 239 Nutzer finden das hilfreich.