Hand­ystress Sind Sie auch schon mal in eine Abofalle getappt?

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Hand­ystress - Sind Sie auch schon mal in eine Abofalle getappt?
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Ein falscher Klick auf dem Smartphone – und schon ist die Abofalle zuge­schnappt. Wer beim Studieren seiner Hand­yrechnung fest­stellt, dass er angeblich Spiele, Videos, Klingeltöne oder bewegliche Smileys abonniert hat, braucht Geduld und Hartnä­ckig­keit, um das vom Konto abge­buchte Geld zurück zu erhalten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an handystress@stiftung-warentest.de. Ihre Erfahrungs­berichte helfen uns bei der Arbeit.

Anbieter waschen ihre Hände in Unschuld

Die Mobil­funkanbieter sind meist keine Hilfe für ihre Kunden. Kein Wunder: Sie verdienen mit an der Abzocke. Ein großer Teil des „Abo“-Betrags, den Sie für den „Dritt­anbieter“ kassieren, bleibt bei ihnen. Deshalb waschen sie ihre Hände oft in Unschuld und verweisen an den „Dritt­anbieter“. Dieser hat seinen Sitz jedoch oft im Ausland. Für den Kunden wäre es schwer, sein Geld zurück zu bekommen. Doch verantwort­lich ist nicht der „Dritt­anbieter“, sondern der Mobil­funkanbieter. Um Abofallen von vorn­herein zu vermeiden, ist es sinn­voll, eine Dritt­anbieter­sperre einzurichten. Kunden haben ein Recht darauf. (Mehr dazu in unserem Special Handy-Abofallen.)

Mobil­funkanbieter in der Pflicht

Wenn das Kind jedoch bereits in den Brunnen gefallen ist und Kosten für nicht genutzte Dienste auf der Hand­yrechnung stehen, sollte der Kunde nicht zahlen. Er sollte den entsprechenden Rechnungs­posten sowohl beim Mobil­funkanbieter als auch beim „Dritt­anbieter“ schriftlich bean­standen. Der „Dritt­anbieter“ lässt in der Regel nichts mehr von sich hören. Kunden sollten den Mobil­funkanbieter in die Pflicht nehmen und verlangen, dass der bean­standete Betrag von der Rechnung gestrichen wird. Laut Urteil des Land­gerichts Potsdam (Az. 2 O 340/14) darf er sich nicht wegdu­cken und an „Dritt­anbieter“ verweisen. Dieses Urteil hat die Verbraucherzentrale Hamburg gegen die Firma E-Plus (Base) erwirkt. „Wer eine Zahlung verlangt, kann nicht auf einen Dritten verweisen“, so die Verbraucherzentrale. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechts­kräftig.

„Buttonlösung“ soll Abzocke verhindern

Dennoch haben Kunden die besten Aussichten, unrecht­mäßig abge­buchtes Geld zurück zu bekommen. Denn bereits seit 2012 gilt die „Buttonlösung“. Ein Kauf im Internet oder ein Abo ist erst dann gültig, wenn der Kunde erkennen kann, mit welchem Klick er den Kauf ausgelöst hat. Hierzu muss er einen Button mit einem eindeutigen Hinweis ankli­cken, beispiels­weise „kosten­pflichtig bestellen“ oder „jetzt kaufen“. Ein Klick auf ein Werbebanner gilt also nicht als Bestellung. Trotz dieser Regelung versuchen Mobil­funk­firmen und „Dritt­anbieter“ immer wieder, Verbrauchern ein „Abo“ unter­zuschieben. Oft ist damit gar keine Gegen­leistung verbunden. In diesen Fällen gilt: Auf gar keinen Fall zahlen und sich vom Mobil­funkanbieter auch nicht mit Mahnungen unter Druck setzen lassen.

Leser­aufruf: Ärger mit der Hand­yrechnung?

Haben Sie Ärger mit Ihrem Mobil­funkanbieter, etwa weil er nicht nach­voll­zieh­bar Kosten eines „Dritt­anbieters“ abge­rechnet hat? Hat er die Erstattung verweigert und Sie aufgefordert, Ihr Geld selbst beim „Dritt­anbieter“ zurück­zufordern? Mailen Sie uns Ihre Erfahrungen an handystress@stiftung-warentest.de.

Ihre Schil­derungen sind hilf­reich für unsere Arbeit. Selbst­verständlich behandeln wir alle Ihre Angaben vertraulich.

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halsbandschnaepper am 17.05.2016 um 09:34 Uhr
Ist das noch aktuell?

Ich meine Jamba und Co, waren ja vor den Smartphones sehr aktiv. Ich kenne keinen in meinem Umfeld der mit den klassischen "Drittanbietern" eine Abo-Falle abgeschlossen hat. Heute läuft es doch über den Apps-Shop der Smartphones. Bei Geräten mit Google Smartphone ist es der PlayStore. Und da kann man einfach eine Passwortsperre für Käufe einrichten. Bei Apple wird es ähnlich sein.

Gelöschter Nutzer am 15.05.2016 um 15:16 Uhr
Theorie und Praxis

Also ich bezweifle, dass fast schon jeder mit Drittanbieter Probleme hatte, wie mein Vorkommentator schreibt. Die Drittanbietersperre ist kostenlos und formlos einzurichten, nicht selten sogar selbst im jeweiligen Kundencenter, sonst halt durch einen Anruf beim Kundendienst. Damit ist man dieses Problem schon einmal ein für allemal los. Ansonsten stimmt natürlich, was die SW hier schreibt...in der Theorie. In der Praxis droht halt oft der Mobilfunkanbieter, ob erlaubt oder nicht, mit der Anschlusssperre. Und dann muss man abwägen, ob man lieber zahlt und seine Ruhe hat, oder Geduld und Nerven, einen Streit durchzustehen. Recht haben und bekommen sind halt immer noch zwei ganz verschiedenen Sachen.

trabiversum am 15.05.2016 um 13:38 Uhr
Die Wahl zwischen Teufel und Belzebub

Hallo. Ich freue mich sehr, dass Sie sich dieses leidigen Themas annehmen. Fast jeder hatte schon Probleme mit dubiosen Drittanbietern und sich dumm stellenden Handy-Providern,welche gut mitverdienen und daher nicht an einer Lösung des Problems interessiert sind. Da helfen nur Gründlichkeit und Hartnäckigkeit. Dank Artikel wie dem Ihren findet man im Internet mittlerweile rasch die richtige Antwort auf unberechtigte Forderungen. Leider hat man heute bei der Wahl des Handy-Providers nur die Wahl zwischen Teufel und Belzebub, wie mir scheint. Das Verhalten eines Providers lässt sich meist auch bei der Konkurrenz beobachten. Ich würde mir wünschen, dass die Drittanbietersperre bei Neuverträgen standardmäßig aktiviert ist, so dass der Kunde sie aktiv aufheben muss, um die Leistung eines Drittanbieters in Anspruch zu nehmen. Das dürfte 90% der unabsichtlichen Drittanbieterverträger (=Abo Fallen) einen Riegel vorschieben.