Handys für Senioren Test

Telefonieren, Menüführung, SMS: Zum ersten Mal überprüften ältere Nutzer in unserem Auftrag Handys. Auch fünf spezielle Seniorenhandys waren dabei.

Unterwegs einfach nur erreichbar sein, gelegentlich selbst telefonieren oder eine Textnachricht verschicken – es gibt Menschen, die haben keine weiteren Ansprüche an ein Handy. Weniger ist für sie mehr. Einen Musikspieler, eine eingebaute Kamera, Navigationssoftware, bunte Hintergrundbildchen oder Spiele brauchen sie nicht. All das ist für sie nebensächlicher Schnickschnack. Nicht aber eine klare Menüführung, ein hoher Kontrast des Displays, leicht bedienbare Tasten und gut leserliche Tastensymbole – das liegt ihnen am Herzen. Sie sind auf der Suche nach einem puristischen, komfortablen Mobiltelefon für ihre Eltern, ihre Großeltern oder für sich selbst.

Die Besonderen

Handys für Senioren Test

Klein, gross, einfarbig oder bunt: Eine Auswahl verschiedener Displays (von links nach rechts): Secufone BX 55, Nokia 3110, Motorola F3 Motofone

Wir sind diesem Thema nachgegangen und haben elf ältere Nutzer zum Praxistest gebeten. Unter den 13 Handys im Test sind neben acht herkömmlichen zum ersten Mal auch fünf speziell für Senioren entwickelte Mobiltelefone. Was sofort ins Auge sticht: Diese Handys sind groß – größer als jedes der getesteten herkömmlichen Han­dys. Dominant wirken auch ihre Tasten und die Symbole auf dem Bildschirm. Sie verzichten auf Spiele oder Fotokamera und beschränken sich auf die Funktion des mobilen Telefonierens.

Das Motorola F3 Motofone wurde zwar nicht speziell für Senioren entwickelt, fällt aber bei herkömmlichen Handys aus dem Rahmen. Es besitzt weder eine integrierte Kamera noch einen MP3-Spieler, die Anzeige ist nicht bunt und grafikfähig. Stattdessen hat das Motorola F3 Motofone eine schwarz-weiße Segmentanzeige (einfarbiges Display). Und die Ziffern zeigt es beim Wählen besonders groß an.

Die Favoriten der Senioren

Das beste Ergebnis beim Seniorentest erzielt das Nokia 3110 Classic. Dieses Handy herkömmlicher Bauart landet bei unseren älteren Nutzern auf Rang eins. Knapp dahinter platziert sich bei ihnen aber gleich ein spezielles Seniorenhandy, das Fitage Big Easy 2 für 290 Euro. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Fernbedienung mit sehr großen Tasten. Große Tasten, große Schrift und ein einfarbiges Display erleichtern es auch einer Person mit Sehschwäche, zielsicher die gewünschte Rufnummer einzutippen. Beim Empfangen und Senden von Textnachrichten bewerten die Senioren es nur mit „befriedigend“. Wer hauptsächlich telefonieren und gelegentlich eine SMS versenden möchte, ist mit dem Fitage gut beraten.

Vorausgesetzt, man stört sich nicht an den Maßen und dem Gewicht. Das Fitage Big Easy 2 ist fast doppelt so groß wie das Nokia und mehr als doppelt so schwer. Außerdem kostet das Nokia mit 149 Euro nur knapp die Hälfte des großen Seniorenhandys. Für ältere Personen, die mit einem kleinen Handy gut zurechtkommen, ist das Nokia auf jeden Fall zu empfehlen. Beim Telefonieren wie auch beim Versenden einer SMS gibt es beim Nokia 3110 Classic keine Probleme, beides funktioniert „gut“. Auch an der Lesbarkeit der Tasten sowie der Zahlen und Namen auf dem Display hatten unsere älteren Tester nichts auszusetzen.

Unterschiede bei den Seniorenhandys

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Notruftaste beim Emporia Life: Leicht versenkt auf der Rückseite des Telefons.

Bis auf das Secufone haben alle Seniorenhandys ein einfarbiges Display. Zusätzlich sind die angezeigten Zahlen oder Buchstaben meist sehr groß, was den älteren Nutzern die Lesbarkeit erleichtern soll. Zwei Seniorenhandys können im Unterschied zu allen anderen Handys im Test aber keine Textnachrichten versenden oder empfangen: das ITT Easyuse und das Senotech BasicPhone.

Praktisch sind separate Kurzwahltasten. Jeder lässt sich eine Rufnummer zuordnen. Ist die Nummer erst einmal gespeichert, reicht ein Druck auf diese Kurzwahltaste und die gewünschte Nummer wird automatisch angewählt. Das Fitage Big Easy 2 und das ITT Easyuse haben solche Kurzwahltasten, die sich jeweils unterhalb des Telefondisplays befinden.

Wer aus Sicherheitsgründen Wert auf eine Notruftaste legt, findet diese beim Emporia Life und beim Secufone. Wird der Notruf getätigt, wählt das Emporia nacheinander bis zu fünf vorher festgelegte Nummern an, zum Beispiel den Sohn, die Tochter oder den Nachbarn. Auch beim Secufone besteht die Möglichkeit, eine private Notrufnummer einzuspeichern – allerdings tatsächlich nur eine. Dafür verfügt das Secufone zusätzlich über eine GPS-Ortung (Global Positioning System). Bei einem Notruf ist es in der Lage, die aktuelle Position des Handys via Satellit direkt an Einsatzkräfte weiterzugeben – vor­ausgesetzt der kostenpflichtige Dienst eines Serviceanbieters ist aktiviert. Das funktioniert leider nicht immer. Im Wald, in der U-Bahn oder innerhalb eines Gebäudes ist eine genaue Standortbestimmung nicht möglich. Wegen des eingebauten GPS-Empfängers verbraucht das Handy allerdings viel Strom und sollte täglich aufgeladen werden.

Startprobleme und Tastengröße

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Gutes und schlechtes Beispiel: Rechts farblich markierte Einschalttaste, links nicht.

Als äußerst schwierig stellte es sich für unsere Testpersonen heraus, einige Handys in Betrieb zu nehmen. Beim Versuch, die Sim-Karte in das Senotech einzulegen, war ein Schraubenzieher erforderlich, um die Klappe auf der Rückseite des Handys überhaupt entfernen zu können.

Bei beiden Sony-Ericsson-Handys bemängelten die Tester, dass die Schalter nicht farbig gekennzeichnet sind. Geräte, wie das Fitage, mit einer klaren Symbol- und Farbgebung hingegen sind nutzerfreundlich und konnten intuitiv an der richtigen Stelle ein- und ausgeschaltet werden. Große, klar angeordnete Tasten, gut ablesbare Zahlen und Buchstaben des hell leuchtenden Displays machen das Emporia Life zu einem sehr bedienungsfreundlichen Gerät. Es glänzt außerdem durch eine einfache Benutzerführung und ist auch für Menschen mit Seh- oder Motorikschwäche zu empfehlen.

Öfter ans Stromnetz

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Ladebuchse der Samsung-Handys: Hinter der Klappe versteckt und schwer zu finden.

Die Akkus der Spezialhandys machen – mit Ausnahme des ITT Easyuse – schnell schlapp. Wie schon erwähnt, verbraucht das Secufone aufgrund des GPS-Empfängers im Standby viel Strom. Das Senotech hingegen hat einen Akku mit einer niedrigen Kapazität. Und sein Display braucht viel Strom, obwohl es klein und einfarbig ist. Wer zu einem Handy mit schlechten Standby-Zeiten greift, sollte alle ein bis zwei Tage ans Aufladen denken.

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