Wer schlecht oder gar nicht sieht, wird von modernen Mobiltelefonen auch noch um seine Sprache gebracht. Nur wenige Modelle sind für Blinde und Sehbehinderte brauchbar.

Ein kleines Zeichen nur: Ein Punkt, winzig zwar, aber leicht erhaben, mitten auf der Taste mit der Nummer 5 platziert. Ein Überbleibsel von der Herstellung, spekulieren die einen, die Sehenden. Ein Wegweiser, wissen die anderen, die Blinden. Orientierung für die suchenden Finger auf dem Weg durch den Dschungel der Tasten, Funktionen und Menüs. Schon mit scharfen Augen nicht einfach. Für Blinde und stark Sehbehinderte ist es eine Tortur. Da spielt es sogar eine Rolle, ob der Punkt direkt auf der Taste angebracht ist (am einfachsten) oder unterhalb (weniger gut). Und wenn die Konstrukteure den Punkt ganz vergessen haben: Dann zeigt das nur ihre Blindheit, die eigene Kreation nie mit geschlossenen Augen benutzt zu haben.

Wir baten vier Testpersonen des Förderzentrums für Blinde und Sehbehinderte in Berlin, insgesamt sieben Handys aus dem aktuellen Test und aus dem Maiheft (2002) auf ihre Gebrauchstauglichkeit hin zu untersuchen. Ergebnis: Nur zwei Handys erwiesen sich für sie trotz Schwächen als geeignet.

Mit dem Display fängt der Ärger an für die, denen noch ein Rest Augenlicht geblieben ist. Farbdisplays und verbesserte Auflösung ließen hier Fortschritte erwarten, doch in der Praxis enttäuschen die Mini-Bildschirme: klein, schlechte Kontraste, zum Teil spiegelnd. Und hat dann ein Handy ein Display wie das Samsung SGH-T100, das unsere Prüfer als „brillant, sehr hell und kontrastreich“ empfanden, dann sorgen bewegte Bilder im Hintergrund dafür, dass es dennoch schwer abzulesen ist. Immerhin, einige Modelle haben eine Zoomfunktion, mit der sich die Schrift vergrößern lässt (so das Alcatel One Touch 512). Leider bedeutet ein großes Display nicht immer auch eine große Anzeigefläche.

Moderne Handys sind meist mini – das macht es für tastende Hände nicht einfacher. Trotzdem lassen sich die Tastaturen des Sony Ericsson CMD-Z7 und des Alcatel One Touch 512 gut bedienen. Bei Softtasten ohne klaren Druckpunkt wie beim Philips-Modell hat man allerdings nichts mehr im Griff. Und glatte, mit der Oberfläche bündige Tasten wie beim geprüften Samsung sind vielleicht schick, aber für Blinde unbrauchbar.

Einige Innovationen sind aber eine große Hilfe: Bei der Sprachwahl wiederholt das Sony Ericsson CMD-Z7 den erkannten Namen, bevor der Ruf abgeht. Noch besser wäre es, wenn auch das Menü mit einer Sprachausgabe reagierte – dann hätten auch Blinde und Sehbehinderte mehr von dem, was moderne Mobiltelefone können. Leider ist das bei keinem der geprüften Geräte der Fall.

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