Handyläden Test

Gute Tarifberatung ist selten. Die Verkäufer der Mobil­funk­anbieter sind zwar durchgehend freundlich. Doch meist verkaufen sie teure Tarife, die nicht zum Telefonier­verhalten des Kunden passen. Der Testkäufer hätte bis zu 540 Euro zu viel bezahlt, wäre er den Empfehlungen der Berater gefolgt.

540 Euro zu viel

Die „individuelle“ Tarifanalyse im freenet-Laden ging fix: Der Testkunde sagte nur, dass er überwiegend ins Festnetz telefoniere. Ohne weitere Nachfrage empfahl ihm der Berater den Free basic-Tarif mit Festnetz-Flatrate. Grundpreis: 24,95 Euro im Monat. Doch der Tarif passte überhaupt nicht zum Anrufverhalten des Kaumtelefonierers. Für seine monatlich neun Minuten ins Festnetz braucht er keine Flatrate. Im Schnitt würde er mit dem empfohlenen Tarif jeden Monat 22,50 Euro mehr zahlen als mit einer günstigen Guthabenkarte. Auf die Vertragslaufzeit von zwei Jahren gerechnet bedeutet das: Der Kunde hätte 540 Euro zu viel gezahlt.

Verkauf statt Beratung

Ähnliche Erfahrungen machte der Testkunde auch in anderen Handyläden. Die meisten Berater schlugen Verträge mit zwei Jahren Laufzeit vor. Mit monatlichen Fixkosten und zum Teil hohen Gesprächspreisen. Nicht einmal einer von fünf Beratern fand den günstigsten Tarif. Hauptgrund: Kaum ein Berater im Test machte sich die Mühe, das Telefonierverhalten des Kunden genauer zu erfragen. In einem E-Plus-Laden hatte der Verkäufer sogar ohne jegliche Nachfrage sofort „den richtigen Tarif“ parat. Doch solch einen für alle Telefoniergewohnheiten günstigen Tarif gibt es nicht. Lediglich die Mitarbeiter in O2-Läden empfahlen in fast allen Gesprächen passende Tarife.

Ungeliebte Prepaid-Karten

Gerade wenn Kunden selten mit dem Handy telefonieren, sind Guthabenkarten die günstigste Wahl. Sie bieten Minutenpreise ab 8 Cent und verlangen weder Grundgebühr noch Mindestumsatz. Doch kein einziger Berater im Test empfahl die so genannten Prepaid-Karten. Stattdessen verkaufen sie lieber Verträge. So zahlt der Kunde brav seine monatliche Grundgebühr und ist meist für zwei Jahre an ein Unternehmen gebunden.

Ratespiel statt Fachwissen

Viele Mobilfunkberater sind darauf geschult, Laufzeitverträge zu verkaufen. Doch an Fachwissen mangelt es ihnen. Kaum jeder zweite Mitarbeiter wusste, dass Fotos vom Handy auch an E-Mail-Postfächer geschickt werden können. Besonders abenteuerlich die Auskünfte zur Datenspeicherung: Einige sagten, Vertrags- und Verbindungsdaten würden sofort gelöscht. Andere gingen von ewiger Speicherung aus. Richtig ist: Verbindungsdaten müssen die Anbieter nach sechs bis sieben Monaten löschen, Vertragsdaten ein bis zwei Jahre nach Vertragsende.

Wenigstens freundlich

Nur in einem Punkt überzeugten alle Berater: Sie behandelten den Testkunden durchweg freundlich. Alle waren zumindest bemüht, den Kunden zufriedenzustellen. Für den Service gab es deshalb deutlich bessere Noten als für die Beratung.

Überblick: 24 Prepaid-Karten im Vergleich

Dieser Artikel ist hilfreich. 864 Nutzer finden das hilfreich.