Kostenfalle Internet

Mobile Internet­verbindungen im Ausland sind teuer. Die neue EU-Verordnung deckelt zwar die Kosten, macht das Surfen aber nicht billiger. Wer im Ausland surfen will, sollte folgendes wissen.

Horrende Preise

Surfen, Fotos hoch­laden oder E-Mails verschi­cken: Mobiles Internet ist heute en vogue. In Deutsch­land gibt es güns­tige Flatrates dafür. Der Hype um Multimedia-Handys wie iPhone oder Google G1 hat das mobile Surfen beflügelt. Das iPad bringt neuen Schub. Doch Vorsicht: Die Daten­flatrates gelten nur in Deutsch­land. Wer im Ausland über seine deutsche SIM-Karte surft, zahlt oft horrende Preise.

11,80 Euro pro Megabyte

Der neue EU-Tarif deckelt zwar die Kosten, macht das Surfen aber nicht billiger. Die EU schreibt für Daten keine Preise vor. Die Mobil­funkanbieter haben freie Hand. Base (E-Plus) berechnet in EU-Ländern beispiels­weise 59 Cent für 50 Kilobyte. Das sind 11,80 Euro für ein Megabyte. Es geht sogar noch teurer. Der Preis für ein Megabyte kann auch bei 20 Euro liegen (Base in Tunesien).

Kosten­limit 60 Euro

Kein Wunder, dass es in der Vergangenheit schon Horrorrechnungen über mehrere tausend Euro gab. Damit ist jetzt Schluss. Der neue EU-Tarif deckelt die Kosten. Die EU gibt ein monatliches Limit vor: 50 Euro plus Mehr­wert­steuer - rund 60 Euro. Ist der Betrag erreicht, muss der Anbieter die Daten­leitung trennen. Das schützt vor Horrorrechnungen, macht das Surfen aber nicht billiger. Unter Umständen reicht eine einzige Mail um das Kosten­limit zu sprengen.

Fotos brauchen viel Speicher

Nehmen wir an, Sie sitzen am Gold­strand in Bulgarien und wollen bei den Freunden in Deutsch­land prahlen. Also setzen Sie eine E-Mail auf, mit ein paar Fotos von den Ladys nebenan, einem Handy-Video aus der Disco und Bildern aus Ihrem Hotel. Ihre Digitalkamera macht gute Fotos: Jede Aufnahme hat ein bis zwei Megabyte. Die E-Mail kommt schließ­lich auf 10 MB. Vielleicht ein bischen viel, denken Sie und teilen die Mail in zwei: Das Handy-Video und die Hotelfotos gehen extra. Die Ladys bringen die ersten fünf Megabyte: Sie loggen sich mit Ihrem Notebook über das bulgarische Funk­netz in Ihren Webmail­dienst ein und senden die Mail.

Eine Mail sprengt das Limit

Weiter kommen Sie nicht. Ihr Anbieter Base meldet sich per Mail: Sie haben Ihr monatliches Daten­limit erreicht. Ihr Konto steht bei 59 Euro. Die Leitung wird gekappt. Der Spaß hat ein Ende. Nach einer einzigen Mail! Fazit: Mobile Daten­verbindungen im Ausland sind teuer. Extrem teuer und nicht für große Daten­mengen gemacht. Die Sperre gilt übrigens bis zum Ende des laufenden Kalender­monats oder bis zum Ende des Abrechnungs­monats (je nach Anbieter).

Limit aufheben oder erweitern

Wer endlos protzen möchte, kann das Limit auch aufheben. Dafür sollten Sie dann ein prall gefülltes Bank­konto haben. Und Sie müssen sich vor dem Urlaub entscheiden: Die Limit-Änderung funk­tioniert nur, solange Ihr Handy oder Ihr Notebook im heimischen Funk­netz einge­bucht sind. Bei Base heben Sie das Limit über folgende Tasten­kombination auf: "* 142 #" und Senden (grüne Hörertaste oder Enter). Anschließend können Sie unbe­grenzt surfen. Wer etwas vorsichtiger rangehen möchte, kann das Limit auf 100 oder 150 Euro erweitern. Die Tasten­folge dafür: "* 141 * 100 #" (für 100 Euro), beziehungs­weise "* 141 * 150 #" (für 150 Euro). Das Stan­dard­limit (rund 60 Euro) schalten Sie mit folgender Tasten­kombination wieder ein: "* 141 #". Die anderen deutschen Netz­betreiber: T-Mobile, Vodafone und o2 bieten ähnliche Funk­tionen.

Mit Tages­flatrate sparen

Wer mit dem Handy im Ausland surft, kann mit einer Tages- oder Wochenflatrate sparen. Direkt vom deutschen Anbieter. Beispiel: E-Plus Base EU Internet-Paket 50. Das Base Paket bietet freies Surfen in allen EU-Ländern. Bis zu einem Daten­volumen von 50 Megabyte. Das Paket kostet 4,99 Euro. Der Tarif gilt für 7 Tage und endet danach auto­matisch. Jedes weitere Megabyte kostet 49 Cent. Das Daten­paket lässt sich auch vom Urlaubs­ort aus buchen. Das EU Internet-Paket 50 gibt es für Kunden von E-Plus Base, blau.de, Nettokom, norma-online, myMTVmobile Prepaid, Pluskom, simvoice und simyo. Auch T-Mobile hat eine Daten­flatrate für Globetrotter im Programm: Travel & Surf gilt für eine Woche. In allen EU-Ländern. Preis: 14,95 Euro. 100 Megabyte sind inklusive. Ist das Volumen erreicht, drosselt T-Mobile die Über­tragungs­geschwindig­keit.

Infos und Alternativen

Vodafone und o2 bieten ähnliche Flatrates an. Infos dazu gibt es auf den Webseiten der Anbieter (siehe Weblinks im Kasten rechts). Tages- und Wochenflatrates fürs Urlaubs­land sind eine Alternative, wenn Sie regel­mäßig mobil Surfen möchten. Gewiefte Surfer verzichten aber auf das mobile Netz im Ausland. Sie nutzen statt­dessen öffent­liche W-LANs und Internetcafes.
Alternativen: Billiger Surfen und Telefonieren

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