Ein Foto aus den USA verschi­cken kostet bis zu 25,80 Euro pro Megabyte.

In vielen Urlaubs­ländern müssen Smartphone-Nutzer sich vor Kostenfallen in Acht nehmen. Stan­dard­tarife bieten nur in EU-Ländern Schutz.

Immer wenn Isabell Pohlmann in die Schweiz einreist, kommt sie mit ihrem Smartphone nicht mehr ins Internet. Sie hat für das Ausland den Zugriff gesperrt. Meldet sich das Schweizer Mobil­funk­netz, ist nun auto­matisch der Daten­netzmodus ihres Handys ausgeschaltet.

So geht die 34-Jährige sicher, dass sie nicht 3,40 Euro für jedes Megabyte Daten zahlen muss. Diesen Preis verlangt T-Mobile im Tarif Smart Traveller, der bei Telekom-Kunden mit Lauf­zeit­vertrag fürs Ausland voreinge­stellt ist (siehe Tabelle).

Ein Megabyte ist schnell verbraucht, es reicht zum Beispiel gerade mal für eine E-Mail mit Foto. Pohlmann bremst sich nicht nur selbst, damit sie nicht versehentlich ins Internet geht. Sie verhindert auch, dass sich Apps, kleine Programme auf dem Handy, auto­matisch aktualisieren. Das verbraucht oft viele Megabytes, ohne dass der Kunde es bemerkt.

Tipp: Sie können das Daten-Roaming auch auf Ihrem Smartphone leicht abstellen. Das ist bei den meisten aktuellen Geräten möglich. Schritt für Schritt erklärt ist das Ausschalten unter www.test.de/handy-sichern.

Telekom-Netz in Grenz­nähe verfügbar

Isabell Pohlmann hat im April 2012 einen Zwei­jahres­vertrag bei T-Mobile abge­schlossen. Er nennt sich Special Call & Surf Mobil, hat 100 freie Gesprächs­minuten im Monat, eine Daten­flatrate mit Drosselung der Geschwindig­keit ab 200 Megabyte und kostet 19,95 Euro monatlich.

Die Kundin, die in Deutsch­land nahe der Schweizer Grenze lebt, hat den Tarif gewählt, weil ihre Handy-Kommunikation im D1-Netz der Deutschen Telekom statt­finden soll. Ihr ist aufgefallen, dass dieses Netz auch in der Grenz­region gut verfügbar ist.

Tipp: Informieren Sie sich über die Netz­stärke, wenn Sie sich in Grenz­regionen aufhalten. Die Netz­verfügbarkeit für Sprach­verbindungen ist bei der Telekom am besten (test 06/2017, Mobilfunknetze). Deutlich unterscheiden sich die Netze auch in der Schnel­ligkeit von Daten­verbindungen: Telekom und Vodafone lagen vorn, E-Plus war mit großem Abstand das Schluss­licht.

Extrem: 25,80 Euro pro Megabyte

Der Tarif Smart Traveller, der zu Pohl­manns Lauf­zeit­vertrag fürs Ausland einge­stellt ist, gilt auch für die Guthaben­tarife (Prepaid) von T-Mobile. Auch diese Kunden zahlen in der Schweiz 3,40 Euro für jedes Megabyte.

Noch härter trifft es aber all jene, die statt Smart Traveller die Auslands­option „Welt­weit“ gebucht haben. Außer­halb der EU ist der Preis fürs Surfen im Internet vor allem im Guthaben­tarif unfass­bar hoch: Ein Megabyte Daten kostet in der Schweiz 25,80 Euro. Kunden können nur abschalten.

Der Tarif Welt­weit ist nur in der Europäischen Union zum Surfen im Internet günstig. Ab 1. Juli sind in Lauf­zeit- und Guthaben­verträgen nur 83 Cent pro Megabyte fällig.

Kosten von 25,80 Euro für ein Megabyte sind der Extremfall, den wir in unserer aktuellen Unter­suchung gefunden haben. Wir haben untersucht, was Telefonieren, SMS und mobiles Surfen mit Smartphones in der Schweiz, der Türkei und den USA kosten.

Ergebnis: Mobil­funk­firmen schröpfen ihre Kunden in Reiseländern, die nicht zur Europäischen Union gehören.

Güns­tigster Anbieter in unserem Vergleich von Daten­preisen für alle drei Länder ist simyo im E-Plus-Netz. Ein Megabyte kostet 2,40 Euro – in der Schweiz genauso wie in der Türkei und den USA. Der Preis für Telefonate ist mit 1,49 Euro pro Minute allerdings nicht besonders günstig.

Tipp: Tarife, die in der EU günstig sind, können jenseits der Grenzen extrem teuer sein. Fragen Sie vorher beim Anbieter nach.

Sie können Ihren Daten­tarif vorüber­gehend abschalten lassen und extra ein Daten­paket dazu­buchen, wenn Sie zum Beispiel in der Schweiz ins Internet wollen. Bei T-Mobile kosten 50 Megabyte pro Tag in der Tarif­option DayPass M 6,95 Euro.

Tages-Daten­flatrates bieten auch Vodafone und O2. Sie eignen sich für Urlauber, die nur an wenigen Tagen mobil surfen.

Neue Regeln für EU-Tarife

Auch inner­halb der Europäischen Union kassieren manche Mobil­funk­unternehmen bis zu 5 Euro pro Megabyte. Doch ab 1. Juli muss jede Telefonfirma eine güns­tige Alternative im Programm haben. Dann muss sie einen Tarif anbieten, in dem sie höchs­tens 83 Cent für ein Megabyte Daten verlangt. Das ist wenigs­tens ein Anfang.

Die Preise für Telefonieren und SMS hat die Europäische Union zum 1. Juli erneut herunter­geschraubt. Für ein Telefonat bis zu einer Minute zahlt der Kunde bis 30. Juni dieses Jahres 41 Cent und danach nur noch 34 Cent (siehe Tabelle „Neue Maximalpreise“). Nur in den Nach­kommastellen dürfen sich die Anbieter noch unterscheiden – je nachdem, ob sie die Preise mit Steuern abrunden oder nicht.

Auch für Gespräche, die der Handy­kunde im Ausland empfängt, sinkt die Preis­ober­grenze – auf 9 Cent in der Minute. Bisher zahlen Besitzer mit deutscher Sim-Karte noch bis zu 13 Cent.

Ganz preis­wert lässt sich per SMS im Urlaubs­land oder nach Deutsch­land kommunizieren. Text­nach­richten dürfen ab 1. Juli inner­halb der EU nicht mehr als 10 Cent kosten, ihr Empfang ist kostenlos.

Tipp: Fragen Sie bei Ihrer Mobil­funk­firma nach, ob der EU-Tarif mit den neuen Höchst­preisen ab 1. Juli bei Ihnen einge­stellt ist oder nicht. Denken Sie daran, dass der Tarif in Ländern außer­halb der Europäischen Union teuer sein kann.

Kostenwarnung ab 59,50 Euro

Sehr teuer ist das mobile Surfen mit dem Handy im Ausland. Reisende können das Daten-Roaming am Smartphone aber ausschalten und dann immer noch den drahtlosen Internet­zugang WLan nutzen.

Surfen Handy­kunden in Ländern außer­halb der EU, bekommen sie ab 1. Juli 2012 wenigs­tens eine Warnung. Spätestens wenn sie inner­halb von 30 Tagen einen Betrag von 59,50 Euro erreicht haben, muss ihre Mobil­funk­firma die Kunden informieren.

Die Warnung ist Pflicht, egal wo sich der Kunde auf dem Globus aufhält. Voraus­gesetzt die ausländischen Netze erfüllen die tech­nischen Anforderungen.

Inner­halb der EU unterbricht die Mobil­funk­firma bei 59,50 Euro die Daten­über­tragung, falls der Kunde den EU-Stan­dard­tarif nutzt und zuvor keine andere Grenze fest­gelegt hat.

Tipp: Eine preis­werte Alternative zum Daten-Roaming sind WLan-Netze. Viele Hotels und Restaurants im Ausland bieten den drahtlosen Zugang an. Reisende sollten darüber aber keine Pass­wörter eingeben, sondern nur Unver­fäng­liches erledigen, etwa Kartenmaterial zum Navigieren herunter­laden. WLan funk­tioniert bei Smartphones auch bei gesperrtem Daten-Roaming.

Große Anbieter verwirren Kunden

Bei den Billigmarken wie blau.de, Fonic, otelo und simyo haben es die Kunden leicht. Es gibt nur einen Auslands­tarif und dieser muss die EU-Vorgaben erfüllen.

Sehr verwirrend sind dagegen die vielen Auslands­angebote der Netz­betreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2. Vielen Kunden wird es schwerfallen, vor dem Urlaub zu entscheiden, welcher Tarif der richtige für ihre Zwecke ist.

In ihrer Auslands­option Smart Traveller verlangt zum Beispiel die Deutsche Telekom nicht nur den Preis für die Gesprächs­minuten, sondern auch noch einen Zuschlag von 75 Cent für jedes Telefonat, ob nach Deutsch­land, in ein anderes EU-Land oder in die Schweiz. So macht es auch Vodafone in der Option Reise­versprechen.

So ein Tarif mit Zuschlag lohnt sich nur für Nutzer, die länger telefonieren. Reisende in der EU, die kurz und oft anrufen, kämen mit der Telekom-Option „Welt­weit“, dem EU-Stan­dard-Tarif, viel güns­tiger weg.

Sim-Karte im Urlaubs­land kaufen

Urlauber können viel Geld sparen, wenn sie sich eine Sim-Karte im EU-Reise­land kaufen. Oft telefonieren, surfen und simsen sie damit viel güns­tiger. Darüber müssen sich Reisende aber genau informieren. Ankommende Gespräche sind für den Urlauber sogar kostenlos. Der Gesprächs­partner im Heimatland muss dafür unter Umständen mehr zahlen.

Kunden erhalten dann jedoch eine neue Rufnummer mit der Vorwahl des Reise­landes und sie brauchen außerdem ein Smartphone, das nicht für fremde Sim-Karten gesperrt ist.

Wer sich bei der Sperre nicht sicher ist, probiert sie vor der Reise aus. Er tauscht die Sim-Karte zum Beispiel mit einem Kollegen, der ein anderes Mobil­funk­netz nutzt. Funk­tioniert das Handy dann immer noch, wird es wahr­scheinlich mit fremden Karten und in fremden Netzen keine Probleme geben.

Tipp: Sie können spezielle Touristen-Sim-Karten für das Urlaubs­land vorab schon online in Deutsch­land kaufen. Dann müssen Sie im Ausland nicht auf die Akti­vierung warten, die Tage dauern kann. Solche Sim-Karten verkaufen etwa Online-Discounter wie TravelSim, TouristMobile und solomo.

Urlauber in Spanien finden zum Beispiel ein Angebot bei hits­mobile. Inner­halb Spaniens kostet die Gesprächs­minute mit der hits­mobile-Karte 5 Cent plus 15 Cent Verbindungs­gebühr und Umsatz­steuer. Nach Deutsch­land zahlt der Anrufer ins Fest­netz 5 Cent und ins Mobil­funk­netz 16 Cent pro Minute plus 35 Cent Gebühr und Steuer.

Für die ersten 10 Megabyte berechnet hits­mobile 3 Euro. Danach kostet jedes Megabyte inner­halb von 30 Tagen noch 5 Cent. Umsatz­steuer kommt jeweils dazu.

Tipp: Die neue Rufnummer, die Sie zu Ihrer ausländischen Sim-Karte erhalten, teilen Sie am besten nur per SMS oder E-Mail Ihren Freunden mit. Sie sollten die Nummer nicht auf Ihrer Mailbox hinterlassen. Mancher erfährt dann, dass zuhause die Wohnung leer steht. Gelegenheit macht Diebe.

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