Handy- und Tabletversicherung - Schutz mit Lücken

Display zersplittert: Oft ein Ärgernis beim Smartphone.

Häufig bekommen Kunden beim Handy- oder Tabletkauf eine ­Versicherung angeboten. Sie lohnt längst nicht immer. Im Schadens­fall müssen Kunden oft einen Eigen­anteil leisten. Diebstahl­schutz greift selten, weil Versicherer an den Nach­weis hohe Anforderungen stellen. Manchmal ist ein neues Smartphone sogar güns­tiger als eine Displayre­paratur.

Selbst verursachte Schäden versichern

Handy und Tablet sind treue Begleiter. Aber sie sind empfindlich. Besonders Display und Akku geben schon mal den Geist auf. Dringt Flüssig­keit ein, kann das Gerät funk­tions­untüchtig sein. Ein Diebstahl ist besonders ärgerlich. Kein Wunder, dass viele das Gerät versichern möchten. Denn für selbst verursachte Schäden kommen Käufer selbst auf. Fällt das Smartphone herunter, ist ein Schaden nicht von der Gewährleistung oder Herstel­lergarantie gedeckt.

Versicherung direkt beim Kauf

Ein zusätzlicher Geräte­schutz scheint da zunächst einmal sinn­voll. So eine Versicherung für Handy oder Tablet bekommen Kunden häufig direkt beim Kauf angeboten. Kunden können sie auch separat – zum Beispiel über Verkaufs­portale im Internet – abschließen.

Große Tarif­vielfalt bei Handy­versicherungen

Für den Versicherungs­schutz gibt es unterschiedliche Bezeichnungen: „Geräte­schutz“, „Handy­schutz““, „Elektronik­versicherung“ oder „Rundum-Sorglos-Paket“. Kunden können häufig zwischen Basis-, Komplett- oder Premi­umschutz wählen. Diebstahl­schutz gibt es manchmal optional.

Preis oft abhängig vom Gerät

Je nach Preisklasse und Geräte­typ variieren die Preise für eine Handy­versicherung ohne Diebstahl­schutz etwa zwischen 2,20 Euro bis rund 11 Euro pro Monat. Das heißt: Kunden zahlen jähr­lich etwa zwischen 26,40 Euro bis 132 Euro für die Versicherung.

Teurer Diebstahl­schutz

Entscheiden sich Kunden für zusätzlichen Diebstahl­schutz, wird es in der Regel teurer.

Tipp: Die Lauf­zeit beträgt oft 24 Monate. Ideal ist, wenn der Schutz auto­matisch endet. Das ist aber nicht immer der Fall. Auch bei unbe­grenztem Versicherungs­schutz müssen Kunden die Kündigungs­frist im Auge behalten. Manche Tarife sind monatlich künd­bar – manchmal aber erst nach dem ersten Versicherungs­jahr.

Weniger Schutz als Kunden erwarten

Der Versicherungs­schutz bietet oft weniger, als manche Kunden erwarten. Im Klein­gedruckten sind die Leistungs­fälle und Ausschlüsse des Schutzes zwar genau beschrieben – doch wer liest schon vor Versicherungs­abschluss mehrere Seiten Versicherungs­bedingungen durch?

Darauf sollten Kunden beim Abschluss achten

  • Selbst­behalt/Eigen­anteil. Im Schadens­fall müssen Kunden sich in vielen Tarifen finanziell beteiligen. Oft gibt es Unterschiede zwischen einer Selbst­beteiligung im Reparaturfall und einer Selbst­beteiligung im Diebstahlfall. Die Selbst­beteiligung bei eine Displayre­paratur kann zum Beispiel 30 Euro, 50 Euro oder 10 Prozent des Kauf­preises betragen. Es gibt auch Tarife, in denen die Selbst­beteiligung gestaffelt ist, je nach Deckungs­summe. Bei einem Diebstahl kann die Eigenbe­teiligung zum Beispiel bei 20 Prozent des Kauf­preises liegen. Das sind 100 Euro bei einem 500-Euro-Smartphone.
  • Display. Versichert sind in der Regel Sturz-, Fall- und Bruch­schäden. Der Versicherer erstattet die Kosten der erforderlichen Reparatur des beschädigten Geräts – wobei sich Versicherer häufig vorbehalten, ein eigenes Reparatur­dienst­leistungs­unternehmen zu beauftragen.
    Achtung: Über­schreiten die Reparatur­kosten die maximale Entschädigungs­grenze des Geräts bei Eintritt des Schadens, handelt es sich um einen Totalschaden. Der Versicherte erhält dann ein gebrauchtes Ersatz­gerät oder Geld­ersatz. Für den Zeit­wert eines Smartphones haben Versicherer in der Regel maximale Entschädigungs­werte fest­gelegt. Ist das Handy 12 bis 24 Monate alt, gibt es beispiels­weise 60 Prozent des Neupreises – abzüglich eines Selbst­behalts.
    Tipp: Rechnen Sie nach, ob sich eine Versicherung für den Fall eines Displayschadens beim Smartphone für Sie lohnt. Die Stiftung Warentest hat heraus­gefunden, dass in manchen Fällen eine Reparatur sogar teurer ist als ein neues Handy desselben Modells (Smartphone-Reparaturdienste).
  • Nicht versichert: Akku, Zubehör, Hard- und Software. In der Regel schließen Versicherer den Schutz für Zubehör­teile aus – wie Akku, Batterien, Stecker und andere Verschleiß­teile, Netz­teil, Tastaturen, Hard- und Software. Probleme mit dem Akku gehören jedoch zu den Fehler­quellen, über die sich Handy- und Tabletnutzer häufig beschweren. In einer Umfrage auf test.de zur Halt­barkeit und Reparier­barkeit von Smartphones und Tablets wurden Probleme mit Akku und Display am häufigsten genannt.
  • Diebstahl. Eine Handy­versicherung springt bei Diebstahl oft nicht ein. Verletzt jemand seine Sorgfalts­pflichten und passt nicht gut genug auf das Telefon auf, muss die Versicherung nicht leisten. Laut Versicherungs­bedingungen gibt es in der Regel nach Diebstahl des Gerätes nur Geld, wenn es vorher „in persönlichem Gewahr­sam sicher mitgeführt“ wurde. Das heißt nach gängiger Recht­sprechung: Das Handy muss ständig am Körper getragen werden, oder der Besitzer darf es zumindest keinen Moment aus den Augen lassen.

Versicherung legt bei Diebstahl strenge Maßstäbe an

Sobald ein Dieb die Möglich­keit hat, ein Handy unbe­merkt mitzunehmen, verweigert der Versicherer normaler­weise die Leistung. Zwei Beispiele:

Fall 1: Eine junge Frau probierte in einem Geschäft Kleider an. Während sie sich im Spiegel betrachtete, wurde ihre in der Umkleidekabine aufgehängte Jacke samt dem in der Jackentasche aufbewahrten Smartphone geklaut. Obwohl Diebstahl in ihrer Police mitversichert war, musste der Versicherer nicht für das gestohlene Handy aufkommen, entschied das Land­gericht Bremen (Az. 6 S 14/14).

Fall 2: Ein Schüler hatte sein Handy während des Sport­unter­richts in seinem Ruck­sack gelassen. Die Umkleidekabine war allerdings nicht verschlossen. Das Handy wurde gestohlen und die Versicherung berief sich auf die Ausschluss­klausel im Versicherungs­vertrag. Der Schüler klagte und verlor vor dem Amts­gericht Wiesbaden („Plus Garantie“ von Media Markt nützte nichts).

Beispielfall: Tabletversicherung für teures Gerät

Extra­schutz. Um sich gegen Displayschäden abzu­sichern, schließt ein Student beim Kauf eines iPad Pro 12.9 (plus Zubehör) im Wert von rund 1 500 Euro eine Tabletversicherung ab.

Lauf­zeit. Der CP Apple Extra­schutz kostet für drei Jahre Lauf­zeit einmalig 124,90 Euro. Vertrags­partner ist Extra­police24, dahinter steht der Versicherer Axa. Laut Versicherungs­bedingungen sind Stoß-, Sturz- und Fall­schäden versichert. Auf eine zusätzliche Diebstahl­versicherung, die für 60 Euro mehr angeboten wurde, verzichtete der Käufer.

Displayre­paratur. Die Gebühr für eine Reparatur- oder Austausch­leistung bei unabsicht­licher Display­beschädigung beträgt bei dem iPad 692,98 Euro – sofern es sich nicht um einen Garantie­fall handelt und das iPad in einem Apple-Reparaturzentrum repariert wird.

Eigen­anteil. Die Versicherung würde für den Schaden teil­weise aufkommen. Der Versicherer über­nimmt die Reparatur­kosten abzüglich eines Eigen­anteils von 10 Prozent des Kauf­preises – das sind in diesem Fall 150 Euro.

Zeit­wert. Über­schreiten die Reparatur­kosten den Zeit­wert des Tablets, erhält der Kunde ein Ersatz­gerät – gegebenenfalls gebraucht – oder Geld­ersatz. Im ersten Jahr erstattet der Versicherer 100 Prozent des Kauf­preises, im zweiten Jahr 80 Prozent und im dritten Jahr 60 Prozent – das sind 900 Euro, minus 150 Euro Eigen­anteil, also 750 Euro.

Angebote großer Märkte und Shops

2015 hat die Stiftung Warentest Angebote für Handy­versicherungen von großen Märkten und Shops unter die Lupe genommen (Zusatzgarantien für Elektrogeräte). Fazit: Viele sind teuer und einige bergen im Klein­gedruckten böse Über­raschungen.

Unser Rat: Handy­versicherung ist verzicht­bar

Die Leistungen einer Handy- oder Tabletversicherung im Schadens­fall sind über­schaubar. Über­legen Sie gut, ob Sie so eine Versicherung wirk­lich benötigen. Der Verlust des Handys bedroht die finanzielle Existenz des Besitzers in aller Regel nicht. Eine Handy­versicherung gehört deshalb nicht zu den wichtigen Versicherungen – wie eine Privathaftpflichtversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Kfz-Police, die für alle Auto­besitzer Pflicht ist.

Tipp: Prüfen Sie Ihren Versicherungs­bestand. Versicherungs­kunden in Deutsch­land geben viel Geld für falsche und zu teure Versicherungen aus. Dabei sind viele Versicherungen gar nicht nötig, um sich optimal abzu­sichern. Mehr zum Thema in unserem Testbe­richt So versichern Sie sich richtig - und sparen.

Hand­yschutz über andere Versicherungen

Handy­besitzer mit einer Hausratversicherung sind zumindest teil­weise geschützt: Wird bei ihnen zu Hause einge­brochen und das Handy gestohlen, muss die Versicherung den Neuwert des Geräts zahlen. Das gilt auch, wenn sie Opfer eines Raubs werden, ihnen das Gerät also mit Gewalt entwendet wird.

Achtung: Wer sein eigenes Smartphone oder Tablet herunter­fallen lässt, ist nicht über die eigene Privathaftpflichtversicherung abge­sichert. Denn diese zahlt nur die Schäden, die der Versicherte bei anderen anrichtet. Ist aber eine andere haft­pflicht­versicherte Person schuld an dem Schaden, muss dessen Versicherung zahlen. Der Haft­pflicht­versicherer ersetzt allerdings nicht den Neuwert des Geräts, sondern nur Wert des Handys zum Zeit­punkt der Beschädigung.

Smartphones im Test

Im großen Handy-Vergleich der Stiftung Warentest finden Sie Test­ergeb­nisse für fast alle aktuell erhältlichen Handys – vom güns­tigen Einsteiger­handy für etwa 100 Euro bis zum Smartphone für über 1000 Euro, dazu Kauf­beratung, alle Ausstattungs­infos, Fotos und täglich aktuelle Preis­vergleiche.

Nutzer­kommentare, die vor dem 19. Januar 2021 gepostet wurden, beziehen sich auf einen Schnell­test von Handy­versicherungen, den wir an gleicher Stelle veröffent­licht haben.

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