Handy in der Schule Special

Fast jeder Jugend­liche hat ein Handy. In der Schule sorgt das SMS-Schreiben und Surfen oft für Ärger. Was der Lehrer verbieten darf und was nicht.

Und plötzlich ist das Handy weg

Die 13-jährige Louisa fühlt sich ungerecht behandelt. In der Deutsch­stunde klingelte ihr Handy, jetzt hat es ihr der Lehrer weggenommen. Ihre Mutter soll das Telefon im Sekretariat wieder abholen. Wütend fragt sie: „Darf der Lehrer das?“ „Ja“, sagt die auf Schulrecht spezialisierte Rechts­anwältin Simone Pietsch. „Die Wegnahme von Gegen­ständen ist eine erzieherische Maßnahme und zulässig, wenn sie zur Aufrecht­erhaltung des Schul­betriebs nötig ist.“ Das Handy darf aber nur einge­zogen werden, wenn es der Schüler im Unterreicht unerlaubt benutzt oder das Klingeln den Unter­richt stört. Nicht erlaubt ist es, das Telefon wegzunehmen, nur weil ein Schüler etwa seine Haus­aufgaben nicht gemacht hat oder zu spät kommt. Anwältin Pietsch erhält täglich mindestens zwei Anfragen zum Thema „Handys in der Schule“. Erstaunlich ist das nicht. Rund 92 Prozent der deutschen Jugend­lichen zwischen 10 und 18 Jahren besitzen ein eigenes Handy oder Smartphone, wie der Bundes­verband Informations­wirt­schaft, Tele­kommunikation und neue Medien (bitkom) ermittelte.

Was die Schul­ordnung regeln darf

Häufig regelt die Schul­ordnung die Nutzung von Handys. Einige Schulen erlauben das Telefonieren auf dem Schulhof oder in eigens dafür einge­richteten Zonen. Bayern hat die Hand­ynut­zung sogar im Schulgesetz geregelt – und zwar streng: Mobil­funk­telefone müssen in dem Bundes­land auf dem gesamten Schulgelände ausgeschaltet sein. „Schulen dürfen zwar das Ausschalten der Handys anordnen, nicht aber das Mitbringen generell verbieten“, sagt Anwalt Andreas Zoller. Die Schule hat nicht das Recht, die Kommunikation zwischen Eltern und Schülern vor und nach dem Schul­besuch einzuschränken.

Rück­gabe nach der Stunde

„Wenn das Handy nicht mehr stören kann – spätestens zum Ende des Unterrichts­tages –, muss es zurück­gegeben werden“, sagt Anwalt Zoller. Alles andere sei ein unver­hält­nismäßiger Eingriff in die Eigentums- und Besitzrechte. Ob das einge­zogene Handy an den Schüler oder seine Eltern ausgehändigt wird, ist eine pädagogische Frage. Das Einziehen ist ein erzieherisches Mittel, also sollte es vom Einzel­fall abhängen. Die Schul­ordnung darf keine bestimmten Aufbewahrungs­zeiten oder gar Bußgelder vorschreiben. Abschre­ckende Formalitäten, wie etwa „Hand­yheraus­gabe nur auf schriftlichen Antrag der Erziehungs­berechtigten“, darf die Schul­leitung auch nicht eigenmächtig fest­legen.

Spick­zettel und Täuschungs­versuch

Handys eignen sich bestens als Spick­zettel. Schüler, die Lösungen während einer Klausur googeln, begehen einen Täuschungs­versuch. Die Prüfung oder mindestens einen Teil davon bewertet der Lehrer dann mit der Note 6. „Die Schule ist aber immer in der Beweislast“, sagt Anwältin Simone Pietsch. Formulierungen in der Schul­ordnung wie „Auch das ausgeschaltete Handy in der Schultasche gilt als Täuschungs­versuch“ ändern daran nichts. Eines darf die Schule aber durch­aus verlangen: dass die Mobil­funk­telefone sämtlicher Schüler während einer Klassen­arbeit auf dem Lehrerpult liegen.

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