Handy im Urlaub Test

Die EU macht endlich ernst: Maximal 58 Cent statt 3 Euro soll die Minute aus dem europäischen Ausland bald kosten. So sparen Sie jetzt schon.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Handy im Urlaub

„Weg für neuen Eurotarif frei“ und „Handygespräche im Urlaub billiger“, jubelte jüngst die Presse. Denn erstmals werden Mobilfunkunter­neh­men per EU-Verordnung verpflichtet, sich an Preisobergrenzen zu halten. Sie müssen die Vorgaben, die Ende Juni in Kraft treten, innerhalb eines Monats in Tarife umsetzen. Mit Glück gibt es diese neuen „Eurotarife“ also schon im Juli. Anschließend hat der Kunde zwei Monate Zeit, sich dafür zu entscheiden. Wer nicht reagiert und auch keine spezielle Auslandsoption beantragt hat, für den gilt nach den zwei Monaten automatisch der neue Eurotarif seines Anbieters. Falls die Mobil­funkanbieter die Fristen ausreizen, kann dies erst ab Oktober der Fall sein.

Während die Anbieter nun noch mit heißer Nadel an neuen Auslandstarifen stricken, haben viele Kunden schon längst ihre Urlaubskoffer gepackt. test sagt, wie sie schon jetzt im Sommer billig telefonieren und was Reisende über den EU-Entscheid wissen sollten.

Was bringt die neue EU-Verordnung?

Sie macht Handytelefonate aus dem EU-Ausland billiger: Erlaubt sind nur noch höchstens 49 Cent pro Minute, hinzu kommen aber 19 Prozent Mehrwertsteuer – macht zusammen maximal 58,31 Cent je Minute bei Telefonaten in die Heimat.

Tipp 1: Nutzer einer Prepaidkarte profitieren so gut wie immer vom EU-Entscheid. Aktuell zahlen die meisten mindestens 99 Cent pro Minute, teilweise auch bis 3,07 Euro (siehe Tabelle „Anrufe und SMS nach Deutschland“). Der Eurotarif bringt ihnen 40 bis 80 Prozent Ersparnis.

Tipp 2­: Auch viele Vertragskunden können sich über die bald geltenden 58,31 Cent Höchstpreis freuen. Denn längst nicht alle haben schon Standard-Minutenpreise von 59 Cent, sondern zahlen noch stolze 92 Cent oder auch mal 2,04 Euro pro Minute aus europäischen Ländern. Sparoptionen mit 39 Cent und weniger, die es heute schon gibt, werden aber kaum von den neuen EU-Tarifen zu toppen sein.

Tipp 3: Vergleichen Sie die Preise, sobald Sie ein Eurotarif-Angebot bekommen. Bei Ihrem Anbieter und in der Tabelle „Anrufe und SMS nach Deutschland“ erfahren Sie, was Sie jetzt bezahlen. Kostet Sie die Gesprächsminute nach Hause derzeit mehr als 58 Cent? Dann sollten Sie noch vor dem Urlaub anrufen und sich umstellen lassen.

Wie spare ich jetzt schon im Ausland?

Flattert vor dem Urlaub kein Eurotarif mehr ins Haus, hilft unsere Tabelle ebenfalls weiter. Sie zeigt für deutsche Vertrags- wie Prepaidkunden, was Anrufe nach Hause kosten – je nach Land. In der Regel muss man sich nur noch einen einzigen Betrag merken, etwa 99 Cent aus Italien mit O2-Karte. Das traditionelle Modell mit bis zu acht Preisen je nach Tageszeit und Netz haben nur noch wenige Firmen wie callmobile oder simply. Problem: Diese nennen oft keine Endpreise.

Tipp 4: Für T-Mobile-Kunden, die noch das klassische Verfahren („International Roaming“) nutzen: Beantragen Sie den Einheitstarif „Weltweit“. Wer nicht akribisch auf Netz und Tageszeit achtet, bezahlt sonst bei Anrufen schnell mehr.

Tipp 5: Bulgarien und Rumänien zählen oft immer noch nicht zur billigeren EU-Preiszone. Fragen Sie explizit nach.

Tipp 6: Alle, die hier das D2- oder E-Plus-Netz nutzen, sollten im Reiseland gegebenenfalls das Partnernetz einstellen. So kostet die Minute bis zu 50 Cent weniger. Fragen Sie beim Anbieter, mit welcher Abkürzung das Netz im Display angezeigt wird.

Lohnen sich spezielle Optionen?

Ja, mit ihnen lässt sich oft sparen – zum Beispiel 10 bis 20 Cent pro Minute zum Standard-Auslandspreis. Meist gibt es sie nur für Vertrags-, bei Vodafone auch für Prepaidkunden, bei vielen Anbietern aber gar nicht. Zu haben sind „EU-Option“, „Reiseversprechen“ und „39 Cent EU Roaming“, ab Juli soll „Holiday Special“ dazukommen. Sie sind gratis zubuchbar, müssen aber beantragt werden. Ihre Preise gelten in ausgewählten Ländern, meist in Europa. Außerhalb gilt der Standardtarif.

Tipp 7: Auch Optionen mit Fixkosten helfen sparen (siehe „Tarifoptionen mit Fixkosten“). Voraussetzung: Sie nutzen ihre Vorteile optimal.

Soll ich mich besser anrufen lassen?

Nein. Der Angerufene zahlt auch – in Europa im Schnitt stolze 80 Cent pro Minute.

Tipp 8: Also auf die Eurotarife warten. Dann fallen nicht mehr als 28,56 Cent an.

Sind SMS eine gute Alternative?

Ja. Aus europäischen Ländern kosten sie ab 39 bis 52 Cent, auch aus Marokko oder den USA selten mehr als 60 Cent.

Tipp 9: Multimedia-Meldungen (MMS) sollten die Ausnahme bleiben. Sonst ist die Reisekasse schnell leer (siehe Meldung MMs aus dem Ausland).

Was ist mit ausländischen Karten?

Prepaidkarten ausländischer Netzbetreiber eignen sich für Urlauber wenig: Man bekommt eine neue Nummer. Und eingehende Anrufe kosten zwar nichts, dafür können ausgehende sogar teurer sein.

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