Handy im Ausland Special

Mobiles Telefonieren und Surfen in der Europäischen Union wird billiger. Doch Kunden müssen weiter mit Kostenfallen rechnen.

Handy im Ausland Special

Sophia Stumpf studiert in Wien und besucht in der vorlesungs­freien Zeit ihren Freund in Dresden. In jedem Land nutzt sie eine eigene Sim-Karte für ihr Handy.

Sophia Stumpf hat ein iPhone und zwei Sim-Karten. In Deutsch­land nutzt sie die Guthabenkarte von Vodafone fürs Telefonieren und für Kurz­nach­richten. Ins Internet geht sie hier mit ihrem Handy nicht.

Die Dresdnerin reist viel zwischen ihrem Studien­ort Wien und ihrer Heimatstadt hin und her. Sobald sie die Grenze nach Österreich passiert, tauscht sie die deutsche Karte gegen ihre österrei­chische. Dann nutzt sie die Konditionen und das Netz der alpenlän­dischen Mobil­funk­firma Orange. Der Tarif „Einer für Europa“ ist einfach und komfortabel. Die 21-Jährige zahlt 12 Euro im Monat und 19,90 Euro Grund­gebühr im Jahr.

Dafür kann Sophia Stumpf 1 000 Minuten in Österreich und 100 Minuten in andere Länder der Europäischen Union (EU) wie Deutsch­land telefonieren. Sie kann 100 SMS in Österreich und alle EU-Länder versenden und sie kann ein Daten­volumen von 1 Gigabyte (rund 1 000 Megabyte) mit schneller Über­tragungs­geschwindig­keit in Österreich nutzen. Das ist ein fettes Daten­polster, mit dem zurzeit die meisten Nutzer des Internets auskommen dürften.

Und noch einen Vorteil hat der Orange-Europa-Tarif. Die Studentin kann jeder­zeit aussteigen und ist flexibel.

Drei güns­tige Varianten für Urlauber

Stumpfs Tarif ist für deutsche Smartphone-Besitzer günstig, wenn sie viel in Österreich sind. Für einen Zwei-Wochen-Urlaub eignet sich das Angebot eher nicht. Denn neben der jähr­lichen Grund­gebühr wird eine einmalige Akti­vierungs­gebühr von 49,90 Euro fällig. Stumpf musste diese Gebühr nur deshalb nicht zahlen, weil der Anbieter in manchen Monaten diese Kosten erlässt.

Österreich-Urlauber, die ihr Smartphone auch in den Ferien ausgiebig nutzen wollen, haben drei Möglich­keiten.

  • Sie buchen ein Daten­paket in gewünschter Größe bei ihrer Mobil­funk­firma für einen, zwei oder mehr Tage hinzu.
  • Sie schauen sich nach einer güns­tigen Guthabenkarte in Österreich um, die genau ihren Nutzerwünschen entspricht (siehe ).
  • Oder sie nutzen den für alle Länder der Europäischen Union geltenden Stan­dard­tarif für Roaming. Roaming ist Eng­lisch und meint Telefonieren und Surfen im Internet in ausländischen Mobil­funk­netzen.

Sinkende Preise inner­halb Europas

Den EU-Stan­dard­tarif muss seit 2007 jedes Mobil­funk­unternehmen in den Mitglieds­ländern der Europäischen Union anbieten. Die Preise für Gespräche, SMS und mobiles Surfen sinken am 1. Juli 2013. Der Netz­anbieter E-Plus hat schon vor dem Stichtag für alle seine Mobil­funk­marken die neuen Konditionen des Stan­dard­tarifs über­nommen.

Ein Anruf im Urlaubs­land oder nach­hause kostet den Urlauber nun zum Beispiel pro Minute 28 Cent statt vorher 34 Cent. Fürs Internet zahlen die Kunden aber immer noch happige 53 Cent pro Megabyte Daten­nutzung (siehe ). Das sind 30 Cent weniger als zuvor, aber das Surfen ist damit noch kein preis­wertes Vergnügen.

Für ein verbrauchtes Daten­volumen von 20 Megabyte berechnen die Anbieter satte 10,60 Euro. Das erreichen Kunden bereits, wenn sie etwa 20 E-Mails mit Foto verschi­cken. Zum Vergleich: Sophia Stumpf kann mit ihrem Handy monatlich 1 000 Megabyte Daten in Österreich nutzen.

Güns­tiger EU-Tarif nicht auto­matisch

Den EU-Stan­dard­tarif muss zwar jede Mobil­funk­firma anbieten, doch sie muss ihn nicht bei jedem Kunden voreinstellen. Vor allem die Netz­betreiber T-Mobile, Vodafone, O2 und Base/E-Plus tun das oft nicht. Dann wird im Ausland ein anderer, voreinge­stellter Tarif akti­viert und es kann sein, dass die Kunden etwas mehr zahlen müssen.

Mit einem Blick in ihren Vertrag oder einem Anruf beim Anbieter können Kunden vor der Reise klären, ob sie den güns­tigsten Tarif für ihr Reise­land haben. Geld sparen können sie vor Ort leicht, wenn sie im Urlaub das kostenlose WLan-Netz nutzen, das viele Hotels anbieten.

Tipp: Über den Internet­dienst Skype können Sie auch kostenlos telefonieren. Dafür brauchen Sie Ihr Smartphone, ein Notebook oder den Tablet-PC und ein WLan-Netz. Verabreden Sie sich mit Ihren Freunden per SMS zum Skypen und loggen Sie sich zur gleichen Zeit ein. Unter www.test.de/gewusst-wie-skypen erklären wir, wie Sie den Dienst nutzen.

Guthabenkarte fürs Ausland kaufen

Für Vielnutzer lohnt es sich, eine Sim-Karte im Reise­land zu kaufen. Sie erhalten für die Guthabenkarte eine neue Rufnummer mit der Vorwahl des Reise­landes.

Tipp: Teilen Sie Ihre Rufnummer Freunden nur per SMS oder E-Mail mit. Hinterlassen Sie die Nummer nicht auf Ihrer Mailbox, sonst legen Sie Einbrechern eine Fährte.

Österreich-Urlauber sind zum Beispiel mit der Guthabenkarte 3Super-Sim-Comfort des Netz­betreibers 3 günstig versorgt: Sie zahlen eine Anmeldepauschale von 10 Euro und 7 Euro im Monat. Die Kunden können dann monatlich 1  000 Minuten inner­halb ihres Urlaubs­landes telefonieren, 100 SMS in Österreich verschi­cken und 100 Megabyte Daten nutzen. Eine Gesprächs­minute nach Deutsch­land kostet so viel wie im EU-Stan­dard­tarif, derzeit 34 Cent.

Tipp: Wollen Sie als Österreich-Reisender nur telefonieren und SMS verschi­cken, ist zum Beispiel der Guthaben­tarif Eety prepaid Sim empfehlens­wert. Gespräche in deutsche Hand­ynetze kosten 10 Cent je Minute plus 10 Cent Verbindungs­gebühr. Für ankommende Gespräche zahlen Urlauber jedoch nichts. Der SMS-Versand welt­weit kostet 9 Cent.

Daten­stopp bei 59,50 Euro

Viel teurer als in der Europäischen Union kann mobiles Surfen in anderen Ländern werden, zum Beispiel in Osteuropa und auf dem Balkan (siehe Grafik). Damit die Kosten nicht völlig außer Kontrolle geraten, müssen die Mobil­funk­firmen aus der EU ihre europäischen Kunden im Ausland warnen. Spätestens wenn sie in 30 Tagen einen Betrag von 59,50 Euro erreicht haben, muss die Mobil­funk­firma eine Sperre akti­vieren, egal ob der Kunde in der EU oder anderswo im Ausland unterwegs ist. Will der Kunde dann weitersurfen, muss er die Sperre von seinem Anbieter aufheben lassen.

Die Pflicht­sperre welt­weit gelingt T-Mobile und Vodafone weit­gehend problemlos. Auch E-Plus unterbricht jetzt bei Erreichen der Kosten­grenze die mobile Internet­verbindung in jedem Land der Erde.

O2-Kunden erhalten zum Beispiel bei Einreise nach Russ­land, in die Türkei und alle Länder außer­halb Europas eine SMS. Wollen sie per Handy ins Internet, senden sie die SMS zurück und bekommen für 12 Euro 6 Megabyte Daten für den Zeitraum von 24 Stunden. Was nicht verbraucht wird, verfällt.

Tipp: Ähnliche Daten­pakete für das Ausland können Sie bei allen Mobil­funk­firmen dazu­kaufen. Wenn Sie nicht unbe­dingt eine sichere Daten­verbindung brauchen, können Sie auch die ungeschützten WLan-Netze in Hotels und Restaurants nutzen.

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