Handy am Steuer Meldung

Wer sein Mobiltelefon während der Fahrt nutzt, riskiert eine Strafe. Doch was heißt das eigentlich – das Handy nutzen? Finanztest erklärt, was genau mit dem Telefon im Auto erlaubt ist – und wann Fahrer ein Bußgeld und Punkte in Flens­burg riskieren.

Richter sind skeptisch

Mit dem Handy zu telefonieren und gleich­zeitig Auto zu fahren, ist verboten – da helfen auch keine Ausreden. Das musste ein Auto­fahrer erleben, der vorgab, er habe kein Mobiltelefon am Ohr gehabt, sondern lediglich seinen Bart mit dem Akkurasierer gestutzt. Das Gericht glaubte ihm nicht und brummte dem Bart­träger ein Bußgeld von 40 Euro auf.

Bloß nicht zum Handy greifen

Im Straßenverkehr gilt die Faust­regel: Ein Fahrer darf sein Handy während der Fahrt nicht nutzen, wenn er es dafür in die Hand nehmen muss. Das gilt auch für Radler. Mit einer Frei­sprech­anlage ist Telefonieren also erlaubt. Wann jemand ein Handy nutzt, beur­teilen die Gerichte streng und eindeutig: Es ist voll­kommen gleichgültig, um welche der zahlreichen Handy­funk­tionen es geht – verboten ist alles. Nicht erlaubt ist zum Beispiel schon das bloße Wegdrücken eines Anrufers, wenn der Fahrer das Handy dazu in die Hand nimmt (Ober­landes­gericht Köln, Az. III-1 RBs 39/12). Das kostete einen Fahrer ein Bußgeld von 50 Euro. Auf die Argumentation, dass ein Wegdrücken des Anrufers gerade das Gegen­teil einer Benut­zung sei, ließ sich das Gericht nicht ein.

Auch der Blick auf die SMS ist verboten

Auch wer eine SMS liest oder die im Display ange­zeigte Telefon­nummer anschaut und das Handy dazu hoch­nimmt, handelt ordnungs­widrig. Dasselbe gilt für Auto­fahrer, die nach dem Handy greifen, um auf die Uhrzeit zu schauen (OLG Hamm, Az. 2 Ss OWi 177/05 und 2 Ss OWi 402/06). Lässt sich ein Auto­fahrer vom Handy zu seinem Reiseziel navigieren, ist das erlaubt, solange er das Gerät während der Fahrt nicht in die Hand nimmt (OLG Köln, Az. 81 Ss - OWi 49/08). Wer eine Halterung für das Handy nutzt, hat also nichts zu befürchten. Ebenso wie beim Navigations­gerät muss sich der Fahrer aber auf den Verkehr konzentrieren, wenn er etwas in das Gerät eingibt. Ansonsten handelt er fahr­lässig und muss bei einem Unfall haften. Dann hängt es vom Tarif ab, ob der eigene Kfz-Kasko­versicherer den Schaden ausgleicht. Viele Tarife zahlen zwar auch bei grober Fahr­lässig­keit, einige Angebote schränken diesen Schutz aber gerade für Fälle ein, in denen der Fahrer sein Handy während der Fahrt nutzt.

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40 Euro und ein Punkt in Flens­burg

Für Verstöße brummt der Staat dem Fahrer ein Bußgeld auf: 40 Euro sind für Auto­fahrer üblich. Ab diesem Betrag gibt es auch mindestens einen Punkt im Verkehrs­zentral­register beim Kraft­fahrt-Bundes­amt in Flens­burg. Radler müssen mit einem Bußgeld von 25 Euro rechnen. Wer das Auto und den Motor abstellt, darf im Fahr­zeug telefonieren. Das gilt auch, wenn der Fahrer an einer roten Ampel wartet, während der Rotphase den Motor abstellt, telefoniert und das Gespräch beendet, bevor er das Fahr­zeug wieder startet (OLG Hamm, Az. 2 Ss OWi 190/07). Auch in einem Stau dürfen Fahrer telefonieren, solange der Motor nicht läuft. Ebenfalls erlaubt ist es, das Handy inner­halb des Autos von einer Stelle an die andere zu legen (OLG Köln, Az. 83 Ss OWi 19/05). Auch aufheben darf man das Gerät (OLG Bamberg, Az. 3 Ss OWi 452/07). Verboten ist es übrigens theoretisch auch nicht, wenn sich ein Auto­fahrer mit dem Handy das Ohr wärmt, weil er Ohren­schmerzen hat – nur: Diese Geschichte muss einem der Richter dann glauben.

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