Handy als Festnetz Meldung

Die Mobilfunkanbieter greifen die Telekom und andere Festnetzbetreiber an. T-Mobile, Vodafone, o2 und E-Plus bieten Verträge an, die aus dem Handy auch ein Festnetztelefon machen. Die Mobilfunker setzen mit dem Angebot einer Flatrate sogar noch eins drauf: Gespräche ins Festnetz und ins eigene Netz sind dann rund um die Uhr kostenlos. E-Plus hatte mit „Base“ den Anfang gemacht. o2 zog mit der Genion Flatrate nach. Nun hat Vodafone den Kampf eröffnet. Stiftung Warentest sagt, für wen sich der Umstieg lohnt.

Genion war zuerst da

o2 hatte mit Genion als erster Mobilfunkanbieter die Idee: Ein Mobilfunktelefon, das Kunden unterwegs wie ein gewöhnliches Handy mit einer Mobilfunknummer und üblichen Handy-Gebühren benutzen. Doch sobald sie mit ihrem Handy zu Hause sind, stellt die Software das Handy auf eine so genannte Homezone um - zu sehen an einem kleinen Häuschen auf dem Display. o2-Kunden bezahlen dann für Telefonate Festnetzpreise und können auch unter einer Festnetznummer angerufen werden. Die Homezone hat bei o2 ungefähr einen Radius von 2 Kilometern. Auch das Café um die Ecke zählt dazu, der Supermarkt gegenüber oder eventuell sogar der Arbeitsplatz.

Vorteile:

  • Die Homezone ist mit einem Radius von etwa 2 Kilometern im Vergleich zu den Angeboten von T-Mobile und Vodafone ungefähr doppelt so groß. In vielen Städten ist die Homezone von o2 sogar so eingerichtet, dass die Nutzer im ganzen Stadtgebiet zu Hause sind.
  • o2 Genion hat mit 9,99 Euro die geringste Grundgebühr im Vergleich zu ähnlichen Angeboten der Mobilfunker.

Nachteile:

  • o2 unterscheidet zwischen Orts- und Ferngesprächen. Die Ortsgespräche sind zwar ein Cent günstiger als bei T-Mobile und Vodafone. Dafür sind die Ferngespräche jedoch 3 Cent teurer.

Vodafone und T-Mobile ziehen nach

Vodafone und T-Mobile haben nun auch ihr Genion. Die beiden Marktführer nennen es „Vodafone ZuHause“ und „T-Mobile@home“. Die Angebote sind - wie so oft - nahezu identisch. Die Homezone hat einen Radius von zirka einem Kilometer. Gespräche ins Festnetz kosten zu Hause 4 Cent pro Minute. Bei Vodafone bezahlen Kunden einen Aufschlag von 5 Euro und bei T-Mobile 4,95 Euro. Bei beiden Angeboten bekommen Kunden eine Festnetznummer. Wer komplett auf ein Zuhause-Angebot umsteigt, kann seine bisherige Telekom-Festnetznummer mitnehmen. Das gilt für alle Mobilfunkbetreiber. Voraussetzung für die so genannte Portierung der Rufnummer ist natürlich die Kündigung des bestehenden Vertrags mit der Telekom oder anderen Festnetzbetreibern.

Vorteile:

  • Wer bereits einen Mobilfunkvertrag bei einem Anbieter hat, kann relativ unkompliziert seinen Vertrag erweitern und so sein Handy auch als Festnetztelefon benutzen. Da Kunden eine Festnetznummer bekommen, haben sie neben ihrem normalen Telefon von der Telekom quasi ein weiteres Festnetztelefon von Vodafone oder T-Mobile. Anrufer bezahlen die üblichen Festnetzpreise.

Nachteile:

  • Mit 4 Cent für Ferngespräche liegen die Preise deutlich über dem Minutenpreis für Ferngespräche mit Call-by-Call-Vorwahlen. Die kosten je nach Tageszeit zwischen 0,7 und 2,5 Cent. Kunden können die zusätzlichen 5 Euro also nicht mehr „reintelefonieren“, weil Call-by-Call-Gespräche über das normale Festnetztelefon immer günstiger sind.

Base: Flatrate überall

Die Flatrate fürs Handy hat E-Plus eingeführt. Base funktioniert etwas anders als Genion, Vodafone ZuHause und T-Mobile@home. Für monatlich 25 Euro telefonieren Kunden kostenlos ins deutsche Festnetz und ins Handynetz von E-Plus, Base und Simyo. Anrufe in andere deutsche Mobilfunknetze kosten 25 Cent pro Minute. Base hat - anders als der Name suggeriert - kein Zuhause. Das heißt: Egal, wo sich der Kunde gerade aufhält, er telefoniert auf jeden Fall kostenlos ins Festnetz. Dafür können Base-Kunden nur als Mobilfunker angerufen werden. Der Anrufer bezahlt also immer Mobilfunk-Gebühren.

Vorteile:

  • Base ist ortsunabhängig. Die Flatrate gilt überall in Deutschland. Base ist also interessant für Leute, die viel unterwegs sind und viel ins Festnetz telefonieren.

Nachteile:

  • Base-Teilnehmer haben nur eine Mobilfunknummer. Anrufer bezahlen somit immer Mobilfunkgebühren ins E-Plus-Netz. Wer ausschließlich ein Base-Handy benutzt, verursacht bei den Anrufern bei längeren Gesprächen erhebliche Kosten. Es sei denn, der Angerufene ruft gleich zurück.

Vodafone und o2: Flatrate zu Hause

Vodafone und o2 locken nun mit einem besonderen Angebot. Für weitere 15 Euro (Vodafone) beziehungsweise 9,99 Euro (o2) können Kunden zu Hause umsonst ins Festnetz und ins Handynetz von Vodafone beziehungsweise o2 telefonieren. Vodafoner zahlen also - je nach Grundtarif - beispielsweise 30,50 Euro monatlich (Vodafone 50 + Vodafone ZuHause + Flatrate) und Genion-Teilnehmer 22,98 Euro im Monat (Genion-Grundpreis + Flatrate). Nochmals zur Verdeutlichung: Bei Base gilt die Flatrate in ganz Deutschland, bei Vodafone und o2 ist die Flatrate immer an eine Heimadresse gebunden. Diese Heimadresse ist frei wählbar. Das heißt, sie muss nicht mit der Wohnadresse übereinstimmen. Kunden können die Adresse einmal im Monat für 4,95 Euro ändern. o2 verlangt dafür 7,50 Euro.

Vorteile:

  • Das Angebot kann eine Alternative zum Festnetzanschluss der Telekom sein. Wer schon einen Handy-Vertrag hat, bezahlt bei Vodafone 20 Euro und bei Genion 9,99 Euro mehr. Im Vergleich: Die Telekom bietet mit dem Tarif XXL Fulltime für 35,90 eine Festnetzflatrate an.

Nachteile:

  • Wer sich den Festnetzanschluss bei der Telekom spart und nur noch Vodafone ZuHause oder o2 Genion benutzt, hat keine Möglichkeit, mit seinem Rechner in einer zumutbaren Geschwindigkeit zu surfen. Denn Voraussetzung für einen schnellen DSL-Anschluss ist nämlich entweder ein Telefonanschluss bei der Telekom. Oder ein Kabelanschluss: In verschiedenen Regionen Deutschlands wird von Kabelnetzbetreibern ein Internetzugang via Kabel angeboten.

Fazit

Es gibt also zwei Konzepte: E-Plus bietet mit Base eine Handy-Flatrate an, die ortsunabhängig ist. Bei T-Mobile, Vodafone und o2 können Kunden ihren Mobilfunkvertrag zunächst so aufstocken, dass sie eine Homezone haben. Dann wird aus dem Handy ein Festnetztelefon. Je nach Telefonierverhalten kann auch die Flatrate als Option bei Vodafone und o2 attraktiv sein. Es gibt einige Nachteile, die unabhängig von einzelnen Angebote sind.

Prinzipielle Nachteile:

  • Internet. Lösungen wie Genion & Co. haben den Nachteil, dass Nutzer nur über eine sehr langsame GSM-Verbindung surfen können. Schneller wirds mit UMTS. Doch dann müssen sie wieder ein UMTS-Grundpreis und zusätzliche Surfkosten zahlen. So bietet etwa o2 surf@home an. Gesurft wird mit dem PC über einen UMTS-Router, der im Angebot kostenlos enthalten ist. Grundkosten: 9,99 Euro. Dazu kommt beispielsweise ein 2 Gigabyte Volumentarif für 21,99. Macht zusammen 31,98 Euro. Im Vergleich: Ein DSL-Anschluss kostet monatlich mindestens 16,99 Euro. Ein 2 Gigabyte-Volumentarif etwa bei freenet ist für 2,90 Euro zu haben. Macht zusammen: 19,89 Euro.
  • Akku. Wer ausschließlich mit seinen Handy telefoniert, braucht einen sehr guten Akku. Ansonsten könnte das ständige Aufladen nerven. Im aktuellen Test Handys 1/2006 halten die besten Handys zwischen sieben und acht Stunden, wenn gesprochen wird.

Im Vergleich: Home-/Flatrate-Angebote von T-Mobile, Vodafone, o2, E-Plus

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