Handy-Ortung Meldung

Handynutzer sind nicht nur immer erreichbar, sondern auch jederzeit auffindbar. Inzwischen kann jeder im Internet ein Handy orten lassen.

Die Polizei nutzt die Methode schon lange. Sie darf auf Anordnung eines Richters eine gesuchte Person über deren Handy orten. Doch auch jeder andere kann heutzutage Handys leicht aufspüren, zum Beispiel bei Ortungsdiensten im Internet wie trackyourkid.de, elternortung.de oder ehebruch24.de.

Vor dem Detektivspiel muss sich der Nutzer nur anmelden und sicherstellen, dass das angepeilte Handy für die Ortung freigeschaltet ist.

„Mehrere zehntausend Eltern“ nutzen bereits diesen Dienst, meldet Bitkom, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien. Kommt der Nachwuchs nicht nachhause, können Eltern das Telefon ihrer Kinder orten lassen und wissen gut 30 Sekunden später den ungefähren Standort.

Handyortung wird aber nicht nur von besorgten Eltern genutzt. „Den meisten unserer Nutzern geht es um das Wiederfinden eines gestohlenen oder verlorengegangen Handys“, sagt Matthias Stauch von der Intervista AG. Sie ist nach eigenen Angaben der Marktführer in Deutschland mit etwa 200 000 Nutzern.

„Wir sehen uns als Präventionsdienst, nicht als Schnüffler“, sagt Stauch.

Fehlt jemandem auf einmal sein Handy, kann er es anpeilen lassen, wenn er es vorher beim Ortungsdienst angemeldet hat. Die Ortung klappt allerdings nur, wenn das Handy auch eingeschaltet ist.

Die Polizei ortet geklaute Mobiltelefone normalerweise nicht. „Wenn ein Handybesitzer aber den Standort seines gestohlenen Handys bei der Polizei angibt, geht sie dem Hinweis durchaus nach“, sagt Stauch.

Anmelden, SMS schreiben – fertig

Als Erstes registriert sich der Nutzer online beim Ortungsdienst mit Name, Passwort, Adresse und Handynummer. Er muss dann noch regeln, dass sein Handy geortet werden darf. Dazu schreibt er zwei SMS. Mit der ersten schaltet er das Telefon bei seinem Netzbetreiber frei, mit der zweiten stimmt er der Ortung durch den Anbieter zu.

Die Ortung des eigenen Telefons ist rechtlich kein Problem. Die meisten Anbieter bezeichnen sich deswegen als „Eigenortungsdienste“. Bei ihnen reicht die Zustimmung mit einer einfachen SMS.

Wenn jemand fremde Handys anpeilen möchte, braucht der Ortungsdienst eine „gesonderte schriftliche“ Erklärung des Überwachten. So schreibt es das Telekommunikationsgesetz vor. Bei der Avetana GmbH gibt es dafür einen Vordruck, den der Überwachte unterschrieben an die Firma mailen oder faxen kann.

Ist das Gerät erst einmal angemeldet, reicht ein Besuch auf der Webseite des Dienstleisters und man erfährt mit einem Klick den Aufenthaltsort. Dem Nutzer wird online eine Karte mit dem Standort des Handys angezeigt.

Eine Ortung kostet je nach Anbieter zwischen 49 und 99 Cent, manchmal kommt eine Einrichtungsgebühr dazu siehe Tabelle. Andere Dienste bieten ausschließlich Ortungsabonnements an. Für 8,99 Euro pro Monat gibt es beispielsweise bei www.handy-ortung.org einen unbegrenzten Zugang. Das Abo läuft mindestens ein Jahr.

Ungenaue Ortung auf dem Land

Die Technik funktioniert ganz einfach. Jeder ist anpeilbar, der ein eingeschaltetes Handy bei sich trägt – ganz gleich, bei welchem Netzbetreiber er ist und ob er ein Gerät mit Guthabenkarte oder ein Vertragstelefon hat.

Für die Ortung gibt es zwei Verfahren: Das Funkzellenverfahren funktioniert bei allen Handys. Hier werden die GSM-Signale, mit denen sich jedes Mobiltelefon permanent über die nächstgelegenen Sendemasten in das Funknetz einwählt, genutzt.

Der Netzbetreiber ermittelt, in welcher Funkzelle sich das Telefon befindet, und gibt die Information an den Ortungsdienst weiter. Wie genau die Ortsangabe ist, hängt von der Größe der Zellen ab.

Ballungsräume haben ein feinmaschiges Mobilfunkzellennetz. Hier liegt die Abweichung vom Handystandort zwischen 40 und 800 Metern. In ländlichen Bereichen ist die Treffsicherheit nicht so gut. Die Abweichung kann hier einige Kilometer betragen.

Das zweite Verfahren läuft über eine Satellitenverbindung, das Global Positioning System (GPS), und ist genauer. Damit können aber nur Handys mit eingebautem GPS-Empfänger aufgespürt werden.

Illegale Ortung ist strafbar

Menschen ohne ihr Wissen zu überwachen, ist verboten. Es ist allerdings relativ einfach: Man meldet ein fremdes Handy an, sendet von dort aus in einem unbeobachteten Moment die SMS-Bestätigungen und schon ist das Telefon registriert. Wer jedoch ein solches Täuschungsmanöver durchführt, macht sich strafbar.

„Als Straftatbestand kommt hier die Fälschung beweiserheblicher Daten infrage. Das kann im Höchstfall mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden“, sagt Rechtsanwalt Christian Solmecke aus Köln, der auf IT- und Telekommunikationsrecht spezialisiert ist.

Um der illegalen Ortung einen Riegel vorzuschieben, hat der Gesetzgeber eine Hürde eingebaut. Nach jeder fünften Ortung soll der Angepeilte mit einer SMS informiert werden. Ansonsten erfährt er nämlich nicht, wie oft er überwacht wurde.

In der Praxis klappt das aber nicht. Wir haben bei den drei Anbietern aus der Tabelle getestet, ob wir die gesetzlich vorgeschriebene SMS erhalten. Das Ergebnis: Wir haben keine einzige Info-SMS bekommen.

Falk Lüke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wundert das nicht: „Das Telekommunikationsgesetz ist an dieser Stelle schlecht formuliert“. Es gibt zwar die Pflicht zum Verschicken dieser SMS. Der Gesetzgeber hat aber nicht den Ortungsdienst als Verantwortlichen hierfür benannt.

Das soll sich künftig ändern. Im Entwurf zur Novellierung des Gesetzes ist vorgesehen, dass die Ortungsdienste ab Mai kommenden Jahres dafür zuständig sind.

Handyortung unter Freunden

Handyortung gibt es nicht nur für Eltern oder Menschen, deren Telefon weg ist. Es ist längst auch eine Funktion in sozialen Netzwerken im Internet wie etwa bei Facebook. Mitglieder können ihren Freunden im Netzwerk durch Handyortung ihren aktuellen Standort mitteilen.

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