Handy-Diebstahl Versicherungs­schutz greift selten

Eine Handy­versicherung springt bei Diebstahl oft nicht ein. Denn verletzt jemand seine Sorgfalts­pflichten und passt nicht gut genug auf das Telefon auf, muss die Versicherung nicht leisten. So entschied das Amts­gericht Wiesbaden zum Beispiel: Ein Handy­versicherer muss nicht zahlen, wenn das Telefon aus einem Ruck­sack in einer unver­schlossenen Umkleidekabine geklaut wurde (Az. 93 C 193/11 (34)). Weil dann kein Schadens­fall vorliegt, kann ein verärgerter Kunde seinen Vertrag dann nicht einmal außer­ordentlich und vorzeitig kündigen.

Handy weg beim Kleider anpro­bieren

Auch eine junge Frau, der in ähnlicher Situation in einem Geschäft das Mobil­funk­gerät gestohlen wurde, hatte nichts von ihrem Handy-Schutz­brief. Sie probierte Kleider an. Während sie sich im Spiegel betrachtete, wurde ihre in der Umkleidekabine aufgehängte Jacke samt dem in der Jackentasche aufbewahrten Smartphone geklaut. Obwohl Diebstahl in ihrer Police mitversichert war, musste der Versicherer nicht für das gestohlene Handy aufkommen, entschied das Land­gericht Bremen (Az. 6 S 14/14).

Handy muss in ständigem persönlichen Gewahr­sam sein

Laut Versicherungs­bedingungen gibt es bei Hand­ypolicen in der Regel nach Diebstahl des Gerätes nur Geld, wenn ein Telefon vorher „in persönlichem Gewahr­sam sicher mitgeführt“ wurde. Das heißt nach gängiger Recht­sprechung: Es muss ständig am Körper getragen werden, oder der Besitzer darf es zumindest keinen Moment aus den Augen lassen. Sobald ein Dieb die Möglich­keit hat, ein Handy unbe­merkt zu klauen, verweigert der Versicherer normaler­weise die Leistung.

Handy beim Tanzen geklaut

Hatte der Besitzer dagegen gut auf sein Mobil­funk­gerät aufgepasst, als es trotzdem abhanden kam, muss ein Handy­versicherer üblicher­weise einstehen. Einem Mann wurde sein Smartphone auf der Tanz­fläche geklaut. Er hatte es in der vorderen ­Hosentasche und wurde beim Tanzen angerempelt. Den Verlust bemerkte er später und vermutete, dass es sich um einen Trick­diebstahl handelte.

Aufbewahrung in vorderer Hosentasche reicht

Der Versicherer argumentierte auch hier: Der Kunde habe das ­Gerät nicht sicher mit sich geführt. Im Klein­gedruckten stehe, dass insbesondere in Clubs und Diskotheken das Mitführen des Mobiltelefons in einer unver­schlossenen Jackenaußen-, Gesäß- oder Beintasche dazu führe, dass der Schutz ausgeschlossen ist. Doch die Richter am Amts­gericht Wiesbaden gaben dem Bestohlenen recht: Er habe das Gerät sicher mitgeführt. ­In der vorderen Hosentasche hatte er das Telefon in ausreichendem Maße im Blick (Az. 91 C 2911/18 (28). Der Versicherer musste seinem Kunden 1 057 Euro ­erstatten.

Tipp: Über­legen Sie sehr gut, ob Sie eine Handy­versicherung wirk­lich benötigen. Der Schutz ist nicht billig. Die Leistungen im Schadens­fall sind über­schaubar. Ein verlorenes Telefon ist ärgerlich, aber es geht nicht um so große Summen, dass eine Police unbe­dingt notwendig wäre.

Diese Meldung ist erst­mals am 26. Februar 2015 auf test.de erschienen. Sie wurde am 11. September 2019 aktualisiert.

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