So wehren Sie sich gegen Abzocke

Mobil­funkanbieter wimmeln häufig Kunden ab, wenn diese sich gegen Abofallen wehren. Wir zeigen hier typische Fälle, erklären die Rechts­lage und sagen wie Kunden gegen­über Mobil­funk­firmen am besten argumentieren.

Widerruf

Brief von Klarmobil an Kunde Heinz Spörke und andere Kunden
„Bitte beachten Sie, dass bei einigen virtuellen Gütern kein Widerrufs­recht besteht.“

Die Rechts­lage
Das Wider­spruchs­recht für Bestel­lungen per Telefon ist im Bürgerlichen Gesetz­buch geregelt (BGB §?355 und §?356)

Finanztest empfiehlt
Wenn Sie nichts gekauft haben, bestreiten Sie, dass ein Vertrag zustande gekommen ist.

Abofalle

Nach­richt von O2 im Kundenchat an Kunde Denis Astakhov
„Wenn du diese Abos nicht abge­schlossen hast, kündige diese bitte unbe­dingt sofort.“

Die Rechts­lage
Einen Abovertrag, den man gar nicht abge­schlossen hat, braucht man auch nicht zu kündigen.

Finanztest empfiehlt
Verlangen Sie das gesamte Geld zurück. Geben Sie sich nicht damit zufrieden, dass Mobil­funk­firma oder Dritt­anbieter eine Kündigung bestätigt – aber das bis dahin kassierte Geld nicht zurück­zahlen will.

Verträge mit Kunden

Brief von O2 an Kundin Katja Geßner
„Die Über­lassung (des Handys) an Dritte oder Minderjäh­rige obliegt Ihrer Sorgfalts- und Aufsichts­pflicht. Sie alleine verantworten somit alle Kosten, die mit Ihren Verträgen verursacht werden.“

Die Rechts­lage
Minderjäh­rige dürfen ohne Einwilligung oder Genehmigung der Eltern keine Verträge abschließen – auch nicht per Smartphone (BGB § 107 und § 108).

Finanztest empfiehlt
Teilen Sie Ihrem Mobil­funkanbieter schriftlich mit, dass Ihr Kind, das den Handy-Anschluss nutzt, von Ihnen keine Einwilligung oder Genehmigung für einen Kauf erhalten hat.

Reklamation

Brief von Mobilcom Debitel an Kunden
„Bei weiteren Fragen zu den berechneten Leistungen bitte ich Sie, sich mit dem Anbieter in Verbindung zu setzen.“

E-Mail von Klarmobil an Kundin Heike Gohlus
„Wir haben uns aus Kulanz mit dem Dritt­anbieter in Verbindung gesetzt.“

Stan­dard­brief der Telekom an Kunden
„Setzen Sie sich direkt mit dem Anbieter der Leistung in Verbindung … Alternativ können auch wir beim Anbieter für Sie nach­fragen.“

Stan­dard­mail von Klarmobil an ihre Kunden
„Wenden Sie sich daher direkt für weitere Fragen an den Fremdanbieter.“

Die Rechts­lage
Laut Urteil des Bundes­gerichts­hofs von 2006 muss sich ein Mobil­funk­unternehmen „die im Verhältnis des Kunden zu dem Dritt­anbieter bestehenden Einwendungen entgegen halten lassen“ (Az. III ZR58/06). Dies ist keine „Kulanz“.

Finanztest empfiehlt
Weisen Sie den Mobil­funkanbieter auf die Rechts­lage und die Vorgaben der Bundes­netz­agentur hin. Er muss sich um Ihre Reklamation kümmern und „Rück­erstattungen“ der an Dritt­anbieter geleisteten Zahlungen „unbürokratisch“ erledigen, so die Bundes­netz­agentur.

Nach­weis einer Bestellung

Stan­dard-E-Mail von Klarmobil an ihre Kunden
„Wir haben Ihnen bereits erklärt, dass wir die Dienste der Fremdanbieter über unsere Mobil­funk­rechnung abrechnen, wir jedoch keine Einsicht in diese Daten haben.“

Die Rechts­lage
Der Mobil­funkanbieter muss laut § 312 BGB nach­weisen, dass Kunden das bestellt haben, was auf der Rechnung steht.

Finanztest empfiehlt
Weisen Sie den Mobil­funkanbieter darauf hin, dass es für eine Bestellung, die Sie willentlich und wissentlich nicht ausgeführt haben, keinen Nach­weis gibt.

Anschluss­sperre

Brief von Blau an Kundin Christina Haßlinger
„Um zu vermeiden, dass wir Ihren Anschluss nach § 45k TKG auch für ausgehende Telefonie sperren müssen, zahlen Sie bitte …“

Brief von Vodafone an Kunden
„Wir behalten uns vor, die Geschwindig­keit Ihrer Daten­verbindung ab sofort … zu drosseln … Wenn Sie nicht zahlen, sperren wir Ihren Mobil­funk­anschluss.“

Die Rechts­lage
Eine Sperre muss die Mobil­funk­firma laut § 45 k des Tele­kommunikations­gesetzes 14 Tage vorher schriftlich ankündigen. Sie ist möglich, wenn der Kunde mit mindestens 75 Euro Telefon­kosten im Rück­stand ist. Kosten für Dritt­anbieter zählen nicht mit, wenn der Kunde diese Forderung bestreitet.

Finanztest empfiehlt
Weisen Sie den Mobil­funkanbieter auf die Rechts­lage hin.

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