Handwerker und Haushaltshilfen Special

Für fast jeden ist ein Steuerbonus für Handwerker und Haushaltshilfen im Haushalt drin. Insgesamt erstattet das Finanzamt bis zu 5 710 Euro Steuern im Jahr. Neben Rechnungen von Handwerkern, Gärtnern und vielen anderen Dienstleistern zählen auch Löhne für Haushaltshilfen und Pflegekräfte in der Steuererklärung. Finanztest klärt auf.

Bis zu 5 710 Euro Steuererstattung im Jahr

Bis zu 5 710 Euro Steuern im Jahr erstattet das Finanzamt für Haushaltskosten. Neben Rechnungen von Handwerkern, Gärtnern und vielen anderen Dienstleistern zählen auch Löhne für Haushaltshilfen und Pflegekräfte in der Steuererklärung. Bedingung ist in jedem Fall, dass die Helfer nicht schwarzarbeiten. Dann sind die Ausgaben für fast alle Arbeiten im Haushalt, auf dem Grundstück, in der Zweitwohnung oder im Heim anerkannt. Selbst Steuerzahler, die gar keine Arbeiten in Auftrag gegeben haben, sparen Steuern. Als Mieter, Wohnungseigentümer oder als Heimbewohner können sie viele Posten aus ihrer Nebenkostenabrechnung angeben (siehe „Wohnungskosten“).

Hilfe aus Osteuropa ganz legal

Willkommener denn je sind in Deutschland Helferinnen aus Osteuropa. Seit Mai 2011 brauchen Menschen aus Polen, Estland, Litauen, Lettland, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Slowenien in Deutschland keine Arbeitserlaubnis mehr. Arbeitet die Hilfe als Minijobberin im Haushalt und wohnt in Deutschland, können private Arbeitgeber sie bequem über das Haushaltsscheckverfahren bei der Minijob-Zentrale in Essen anmelden (siehe Kasten „Haushaltshilfe“). Damit ist sie gesetzlich unfallversichert. Verletzt sie sich bei der Arbeit, springt der Versicherer finanziell ein. Die Auftraggeber der Helferinnen bekommen einen Steuerabzug in Höhe von 20 Prozent des Lohns inklusive Abgaben, maximal 510 Euro im Jahr. Der Betrag ist ausgeschöpft, wenn die Hilfe insgesamt 2 550 Euro im Jahr kostet.

Bis zu 4 000 Euro Steuerersparnis

Deutlich mehr erkennt das Finanzamt für Dienstleistungen von selbstständigen oder sozialversicherungspflichtigen Helfern an. Begünstigt sind alle üblichen Hausarbeiten – vom Putzen, Kochen, Bügeln bis zum Betreuen und Pflegen von Senioren – und zwar unabhängig von einer Pflegestufe und von Pflegegeldzahlungen. Das Finanzamt berücksichtigt bis zu 20 000 Euro Lohnkosten. Auch hier zählen 20 Prozent der Kosten, sodass 2011 maximal 4 000 Euro Steuerersparnis drin sind.

Wertvolle Handwerker

Zuschüsse gibt es auch für Rechnungen von Handwerkern. Immer wenn die Profis etwas reparieren oder austauschen, bringen die Ausgaben einen Steuerabzug. Begünstigt sind sogar Arbeiten in der Garage, im Garten und der Außenanlage. Nur außerhalb der Grundstücksgrenze ist Schluss. Von bis zu 6 000 Euro Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten – ohne Materialkosten – zählen 20 Prozent. Die Steuerschuld sinkt damit um bis zu 1 200 Euro.

Beispiel: Eine Familie hat dem Handwerker für die umfangreiche Reparatur der Heizung 2 900 Euro bezahlt, ohne Materialkosten. Dazu kommen 1 200 Euro Lohn für Malerarbeiten und Schönheitsreparaturen im Haus. Die Familie bekommt für 4 100 Euro Ausgaben vom Finanzamt 820 Euro zurück.

Neubaumaßnahmen zählen nicht

Kein Geld gibt es für Arbeiten beim Bau eines Hauses und fürs Anbauen oder Aufstocken, wenn neuer Wohnraum entsteht. Dann fallen auch andere Arbeiten durch, die sich auf den neuen Wohnraum beziehen. So reichte zum Beispiel ein Ehepaar aus Schleswig-Holstein vergeblich eine Rechnung für den Einbau der Küche ein. Das Paar argumentierte, es habe ohnehin die Küche in ihrer alten Wohnung austauschen wollen.

Doch weil die beiden die neue Küche im Rahmen ihres Hausbaus einbauen ließen, hatten sie keinen Erfolg. Nur funktionserhaltende, nicht funktionsverändernde Arbeiten seien begünstigt, begründete das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht (Az. 2 K 56/10). Offen ist noch die Frage, ob das Finanzamt erstmalige Arbeiten in einem fertigen Neubau generell ablehnen darf. Ein Ehepaar aus Rheinland-Pfalz hat zwei Jahre nach dem Einzug erstmalig die Einfahrt und den Garten anlegen lassen. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz erkannte wie das Finanzamt die Arbeiten nicht an (Az. 4 K 2708/07). Ob das rechtens ist, muss nun der Bundesfinanzhof entscheiden (Az. VI R 61/10).

Tipp: Wenn das Finanzamt Ihnen ähnliche Kosten streicht, legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein und beantragen Sie bis zur Entscheidung durch den Bundesfinanzhof das Ruhen des Verfahrens.

Alle Haushaltskosten bündeln

Wenig Streit gibt es dagegen, wenn Steuerzahler Nebenkosten ihrer Wohnung geltend machen wollen. Sie müssen nur die anerkannten Posten aus ihrer Betriebskostenabrechnung heraussuchen und addieren (siehe „Wohnungskosten“).

Das Finanzamt akzeptiert auch Rechnungen für mehrere Haushalte. Darunter darf sogar eine Ferien- oder Wochenendwohnung im EU-Ausland, in Norwegen, Island oder Liechtenstein sein. Eltern können außerdem die Kosten abrechnen, die sie für Arbeiten in der Wohnung ihres Kindes bezahlen. Wichtig ist nur, dass in der Wohnung ein Haushalt geführt wird.

Das Finanzgericht Hessen akzeptierte die Rechnungen für die Zweitwohnung eines Mannes nicht, weil dieser darin bisher nicht wohnte. Er suchte sie nur auf, um seinen Pflichten als Eigentümer nachzukommen. Wann er die Wohnung nutzen würde, war nicht abzusehen (Az. 12 K 2497/09).

Doch selbst wenn mehrere Haushalte anerkannt sind, bleibt der maximale Steuervorteil immer gleich. Die Höchstbeträge von 1 200 Euro für Handwerkerkosten, 510 Euro für Minijobber im Haushalt und 4 000 Euro für andere haushaltsnahe Dienste gibt es nur einmal im Jahr.

Eheleute bekommen die Maximalbeträge wie Alleinlebende nur einmal, selbst wenn sie zwei Wohnungen unterhalten (Bundesfinanzhof, Az. VI R 60/09). Auch Lebensgefährten, die zusammen wohnen, dürfen die Beträge nicht doppelt ausschöpfen, obwohl sie ansonsten steuerlich als alleinstehend gelten.

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