Handwerker-Auktionen Test

Flur renovieren, Auto lackieren, Fernseher reparieren: Wer einen Auftrag zu vergeben hat, kann im Internet ganz einfach Hilfe finden.

„Handwerker-Auktionen sind eine tolle Erfindung“, sagt Mike Mroz aus Berlin. „Man muss aber höllisch auf der Hut sein.“ Er spricht aus Erfahrung, denn er hat schon einige Aufträge über das Internet versteigert: Gartentor anstreichen, Anhängerkupplung anbrin­gen, elektrischen Antrieb fürs Garagentor installieren, Ikea-Schrank aufbauen, PC reparieren, Garten aufräumen.

Die Auftragnehmer für solche Arbeiten sind über Internetportale wie my-hammer.de, jobdoo.de oder blauarbeit.de zu finden. Meist funktionieren sie als Rückwärtsauktion: Wer einen Auftrag zu vergeben hat, beschreibt die zu erledigenden Arbeiten und gibt einen Preis an, den er maximal bereit ist, dafür zu zahlen. Handwerker und Dienstleister unterbieten sich daraufhin, um den Auftrag zu erhalten. Mike Mroz hat so schon viel Geld gespart – für die Anhängerkupplung zum Beispiel 500 Euro. Auf der anderen Seite funktionierten die elek­trischen Anschlüsse bei dieser Anhängerkupplung nicht, bei einem anderen Auftrag kam der Handwerker immer nur für zwei Stunden nach Feierabend und der nächste erledigte nur einen Teil der verabredeten Aufgaben.

Auf die Qualifikation achten

Mike Mroz achtet deshalb in­zwi­schen bei der Auswahl nicht mehr nur auf den günstigsten Preis, sondern vor allem auf die fachliche Qualifikation und die Bewertungen, die ein Auftragnehmer be­kom­men hat. Ist die Arbeit erledigt, geben Auftraggeber und Auftragnehmer nämlich im Netz ihr Urteil ab, wie der Auftrag abgelaufen ist: Je mehr positive Bewertungen jemand hat, desto besser ist sein „Ruf“ und desto eher wird er auch mit anderen Nutzern ins Geschäft kommen.

„Am Anfang haben wir deshalb auch schon mal so niedrige Gebote abgegeben, dass wir an einem Auftrag eigentlich nichts mehr verdient haben“, sagt Denni Meichau, der in Wustermark eine kleine Umzugsfirma betreibt. „Aber ich wollte erst einmal ein paar positive Bewertungen haben. Jetzt bekomme ich immer häufiger den Zuschlag, obwohl ich nicht der Günstigste bin.“ Insgesamt 40 Aufträge hat er so seit Anfang des Jahres über das Internet ergattert. „Das ist ein großer Teil meiner gesamten Aufträge.“

Offenbar haben inzwischen viele Nutzer erkannt, dass der billigste Anbieter nicht unbedingt der beste ist: „Insgesamt 30 Prozent aller Aufträge werden nicht an den günstigsten Bieter vergeben“, sagt Alexandra Nowak von my-hammer.de.

Doch bei der Suche nach einem guten Handwerker sind die Bewertungen nur teilweise hilfreich. Denn die Auftraggeber beurteilen häufig nur, ob jemand freundlich oder pünktlich war. Die Qualität der Arbeit können viele Laien nicht beurteilen. Deshalb können die Auftragnehmer bei den meisten Portalen ihr Profil hinterlegen: Dort steht, welche Qualifikation sie haben, zum Beispiel, ob es sich um einen Meister- oder einen Gesellenbetrieb handelt. Bei einigen Portalen können die Bieter auch ihre Referenzen hochladen und so ihr Können zeigen. Ihren Gewerbe­schein müssen die Auftragnehmer bei den meisten Portalen ohnehin vorlegen.

Streitigkeiten nehmen zu

Trotzdem: Die Handwerkskammern beobachten die wachsende Zahl der Handwerker-Auktionen skeptisch. „Eine Handwerkerleistung ist keine industrielle Leistung und lässt sich nicht verkaufen wie ein Päckchen Gummibärchen“, kritisiert zum Beispiel Alexander Konrad, Pressesprecher der Handwerkskammer Düsseldorf. Immer häufiger gebe es Streitigkeiten zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber und immer öfter müssten Sachverständige eingeschaltet werden. Oft sei die Situation vor Ort nämlich ganz anders, als der Auftraggeber sie im Internet beschrieben hat. „Keine seriöse Firma kann eine realistische Preiskalkula­tion abgeben, ohne die Anforderung vor Ort begutachtet zu haben“, sagt Konrad. „Und dann geht der Ärger los. Denn eine über das Internet vergebene Auktion gilt als geschlossener Vertrag, Nachforderungen sind nicht möglich.“ Auftragnehmer Denni Meichau ist in solchen Fällen konsequent: „Ich habe auch schon mal Kisten oder Schränke stehen lassen, wenn sie nicht in der Auftragsliste aufgeführt waren und der Auftraggeber nicht bereit war, das nachzuzahlen.“

Jedes Portal funktioniert anders

Allen Schwierigkeiten zum Trotz suchen sich immer mehr Menschen ihre Handwerker oder Dienstleister über das Internet. Das 2005 gegründete Portal my-hammer.de bringt es heute auf 290 000 Mitglieder. Aber auch die Zahl der Portale wächst und damit die Konkurrenz. Jede Internetplattform versucht mit ihrem eigenen Versteigerungs­ablauf Nutzer auf die eigene Seite zu ziehen. So erhält bei der einen Plattform automatisch der günstigste Anbieter den Auftrag, bei der anderen kann sich der Auftraggeber einen Dienstleister frei aussuchen.

Bei einigen Portalen muss der Auftraggeber den Auftrag vergeben, bei anderen kann er ihn auch zurückziehen, bei dritten lässt sich der Auftraggeber nur unverbindlich Kostenvoranschläge machen. Es gibt Portale, wo nur Gewerbetreibende Aufträge ersteigern können, bei anderen können auch Privatperso­nen ihre Dienste anbieten.

Auch bei den Vermittlungsprovisionen gibt es feine Unterschiede. Bei den meisten Handwerkerportalen muss der Auftragnehmer für einen vermittelten Auftrag zahlen, bei jobdoo.de dagegen der Auftraggeber. blauarbeit.de wiederum verlangt vom Auftragnehmer dafür Geld, dass er im Portal sein Profil mit seinen Qualifikationen hinterlegen darf. quotatis.de hat sich vom Prinzip einer Auktion ganz verabschiedet. Das Portal tritt nur noch als Vermittler zwischen Kunden und Profis auf. Die bezahlen im Monat mindestens 72 Euro an quotatis.

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