Hand­rührer Test

Ein Billiggerät, das Klassiker schlägt, Hand­rührer, die im Hefeteig verenden, und Milch­schaum wie im Café. Dieser Test über­rascht selbst die Tester.

Am Anfang steht das Ende: Der Hand­rührer von bodum bleibt einfach stehen. Kaum, dass der Test mit Hefeteig begonnen hat. Wir gönnen der Maschine eine Pause. Immerhin ist Hefeteig die härteste Prüfung. 150 Rühr­teige hat die Maschine vorher geschafft. Jetzt erholt sie sich nicht mehr. Motorschaden, diagnostizieren die Techniker. Die Isolierung ist geschmolzen. Ohne Feuer, ohne Qualm, unspektakulär, aber endgültig: Der Hand­rührer ist hin. Wir kaufen ein zweites Exemplar. Dasselbe Problem. Diesmal fällt der bodum sogar noch früher aus. Für den harten Küchen­alltag zu schwach. Test­urteil: mangelhaft.

Wir sind im letzten Teil unserer Küchentrilogie: Nach Küchen­maschinen und Stabmixern stehen jetzt Hand­rührer in der Testküche, 24 an der Zahl. Eine hübsche Auswahl von billig bis teuer. Aldi, Lidl, real und Superior bieten Hand­rührer bis 20 Euro, der Testsieger von Krups kostet rund 70, der Design-Rührer von Dualit stolze 139 Euro. Auf Rang und Namen achten wir nicht, unsere Tester bewerten die Geräte anonym, über Kode­nummern.

Dauer­test mit Kunst­teig

Zurück zum bodum und zum Teig. Unser Belastungs­test im Labor simuliert den Küchen­alltag über mehrere Jahre. Hart, aber fair: Wir ermitteln zunächst, wie viel Teig der Hand­rührer schafft und welche Belastung er dabei im Schnitt erreicht. Nun folgt der Stress­test bei eben dieser Belastung. In die Rühr­schüssel kommt ein Gemisch aus Bariumsulfat und Glykol. Die zähe Masse steht für Rühr­teig oder Hefeteig, je nach Mischung. Vorteil: Der Kunst­teig bleibt lange stabil. Er lässt sich schnell anpassen. Unsere Techniker halten die Belastung für die Maschinen konstant, egal wie lange sie drehen. Einige drehen nicht lange. Bodum ist kein Einzel­fall. Auch der bullige Hand­rührer von Dualit gibt schnell auf.

Schwach­punkt ist die Schüssel

Besonders heftig ist der Verschleiß bei den Rühr­geräten mit selbst­drehender Schüssel. Fünf solche Modelle sind mit im Test, vom Klassiker bis zum Billiggerät. Mit Rühr­ständer und Drehschüssel könnte der Hand­rührer eine Küchen­maschine ersetzen. Könnte, denn leider funk­tioniert das nicht. Die meisten Geräte steigen aus. Früher oder später. Schwach­punkt ist oft die Kraft­über­tragung vom Hand­rührer zur Schüssel. Zahnräder aus Kunststoff verschleißen, irgend­wann greift der Antrieb nicht mehr. Der Bosch MFQ 3560 geht schließ­lich ganz kaputt. Nach der Rühr­schüssel fällt auch der Motor aus. Auch beim efbe-Schott geht der Motor kaputt. Test­urteil: mangelhaft.

Spektakulär verabschiedet sich die Rührer-Schüssel-Kombinaton von Severin: Erst rutschen die Rühr­quirle aus ihrer Verankerung und blockieren den Motor, dann fiept die Maschine verzweifelt und beginnt zu qualmen. Die Techniker haben Erbarmen, schalten ab. Ein Wunder, dass dieser Hand­rührer nach dem Abkühlen wieder funk­tioniert. Test­urteil deshalb noch: ausreichend.

Nur ein Gerät mit Rühr­ständer über­steht den Belastungs­test mit drehender Schüssel: Lidl Silvercrest SHMS 300. Test­urteil: gut. Das Gerät vom Discounter stellt zwei Küchenklassiker in den Schatten: Bosch ist aus dem Rennen und der Philips HR 1565 rettet sich nur knapp. Seine Drehschüssel bleibt stehen, der schwere Hefeteig hebelt den Antrieb aus. Immerhin über­lebt der Hand­rührer. Test­urteil: befriedigend.

Nicht über drei Minuten

Wer jetzt denkt: „Der Alltag in meiner Küche wird nicht so hart“, der sei gewarnt. Mitunter reicht ein einziger Hefeteig, um den Hand­rührer zu zerstören. So geschehen im Praxis­test beim efbe-Schott. 500 Gramm Mehl waren für diese Maschine mit Rühr­ständer schon zu viel. Das Gerät zieht den Teig in den Antrieb, der Motor müht sich, dann bleibt er stehen. Für immer. Wer vorbeugen möchte, wählt einen Hand­rührer mit guter oder sehr guter Belast­barkeit. Ansonsten hilft Sanft­mut: Die Anbieter nennen maximale Betriebs­zeiten von ein bis zehn Minuten – je nach Leistungs­stufe, Belastung und Gerät. Faust­regel: Nicht länger als 3 Minuten Teig rühren.
Tipp: Schalten Sie den Hand­rührer ab, wenn er heiß läuft und sich müht. Eine Abkühl­pause kann das Gerät retten.

Live in der Testküche

Hand­rührer Test

Schlechter Schalter. Beim Clatronic ist der Hebel zu kurz, das Umschalten erfordert deshalb Kraft.

Aus dem Labor jetzt endlich in die Küche. Was wäre ein Hand­rührertest ohne den Duft von Schlagsahne und frisch geba­ckenem Kuchen? In der Testküche schlägt die Stunde der Wahr­heit. Hier müssen die Hand­rührer beweisen, dass sie nicht nur stark sind, sondern auch gut. Auf dem Programm stehen Rühr­kuchen und Hefeteig, Eischnee, Schlagsahne und Milch­schaum. Funk­tion heißt das in unserer Tabelle etwas trocken, in der Testküche ist Leben. Hier spritzt Schlagsahne und hier schlagen die Tester Eier auf. In ganzen Chargen gekauft und sorgfältig gewogen: Die Testbedingungen müssen für alle Maschinen gleich sein. Bei Eiern und Sahne ist das besonders wichtig. Hier entscheidet auch das Lebens­mittel über das Ergebnis.
Tipp: Verwenden Sie mal eine fettere Sahne oder ein gut gekühltes Bio-Ei, wenn Ihr Hand­rührer nicht genügend Volumen bringt. Oft hilft das.

Bosch über­rascht

In der Funk­tion liegen die Hand­rührer im Test nah beieinander. Über­raschungen gibt es trotzdem. Die besten Ergeb­nisse liefert ein mangelhaftes Gerät, der Bosch MFQ 3560 mit Rühr­ständer und Schüssel. Im Belastungs­test eben gescheitert, in der Küche jetzt in Hoch­form. Teig, Eischnee, Sahne, Milch­schaum: Der Bosch punktet in allen Disziplinen. Beste Note in der Kategorie Funk­tion: gut (2,0). Das Brot aus seinem Hefeteig kommt besonders locker aus dem Ofen. Für Hefeteig wäre der Bosch eine Bank, wäre da nicht der schwache Antrieb der Schüssel.
Tipp: Bosch hat mehrere Schwestergeräte ohne Schüssel im Programm, Serie MFQ 35.

Milch­schaum wie im Café

Nächste Über­raschung: Viele Hand­rührer liefern herr­lichen Milch­schaum, wie im Café. In den Gebrauchs­anleitungen kein Wort davon. Unsere Testköche schlugen heiße Milch mit den Rühr­quirlen auf. Ein bis vier Minuten, erst auf nied­riger, dann auf hoher Stufe. Das Ergebnis über­zeugt.

Ärgerlich ist dagegen die Hand­habung vieler Geräte. Beispiel: AEG und Alaska. Die Auswurftaste geht hier so schwer, dass sich die Werk­zeuge kaum lösen lassen.
Tipp: Ziehen Sie die Knethaken einfach von Hand heraus, ohne die Auswurftaste. Das funk­tioniert bei allen Geräten. Wichtig: Trennen Sie das Gerät vorher vom Netz.

Testsieger Krups

Rechnen wir alle Disziplinen zusammen, heißt der Testsieger Krups 3 Mix 7000, ein Hand­rührer im klassischen Kastendesign. Ist zwar schwer (rund 1,2 Kilo), liegt aber gut in der Hand. Die Knethaken sind eindeutig gekenn­zeichnet: kein langes Rätseln, welcher nach rechts und welcher nach links gehört. Der Krups über­zeugt mit guter Funk­tion, vielseitig ist er auch. Schnee­besen und Mixstab gibt es als Sonder­zubehör.

Zwei Schwächen hat der Testsieger doch: Sein Netz­kabel ist kurz, der Aktions­radius eng: gerade ein Meter. Nachteil zwei: Der Antrieb für den Mixstab dreht immer mit. Versteckt hinter einer Klappe zwar, aber die lässt sich aufschieben, ohne dass der Antrieb stoppt. Sicherheit deshalb nur befriedigend. Das gilt für viele Hand­rührer mit Mixstab. Besser ist die Konstruktion beim efbe-Schott: Hier bleibt der Mixantrieb verriegelt, solange die Rühr­quirle einge­steckt sind. Das Gerät ist sicher, aber nicht gut. Wir erinnern uns: Der efbe-Schott ging schon bei einem Hefeteig zu Schrott. Womit wir wieder am Anfang wären, beim Ende. Merke: Form, Funk­tion und Belast­barkeit müssen stimmen.

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