DDR-Kultmixer RG28: Held der Arbeit

„Die Sachen sollten damals lange halten, im Osten wie im Westen.“ Catrin Knaak (rechts im Bild), Produktionerin bei test, mit ihrer Familie.

Als wir den Test vorbereiteten, kam bei manchen in der DDR aufgewachsenen Team­mitgliedern Nostalgie auf: Könnt ihr euch noch an den knatsch-orangefarbenen RG28 erinnern? Den gab es doch in fast jeder Küche: laut, schwer, roch immer leicht ange­schmort − und war unver­wüstlich. Schnell war klar: Wir testen den Mixer mit – außer Konkurrenz natürlich, denn neu ist er nicht mehr zu bekommen, das Kombinat VEB Elektrogeräte­werk Suhl ist längst abge­wickelt.

Preziose

Bei Ebay kostet der „Kultmixer“ mehr als manches Neugerät: Für die drei Exemplare mit Baujahr 1979 und 1980, die wir ins Rennen schickten, blätterten wir zwischen 55 und 70 Euro hin. Aber woher kommt der Kult um einen Hand­rührer, dessen nüchterner Name RG nichts weiter bedeutet als „Rühr­gerät“?

Vier Generationen

„Zuver­lässig­keit“ ist das erste, was Alex Schroeter zu dem Gerät in den Sinn kommt. Er ist der Sohn unserer Kollegin Catrin Knaak und nahm ihren RG28 mit, als er Mitte der 2000er auszog. Da hatte der Mixer schon gut zwei Jahr­zehnte auf dem Buckel und Dutzende Käsekuchen gerührt. Catrin Knaak hatte ihn Anfang der Acht­ziger gekauft, sie kannte den RG28 wiederum von ihrer Mutter Gisela. Die Auswahl fiel leicht: „Es gab nur den.“ Alex benutzt das 41 Jahre alte Gerät bis heute und repariert es auch. Kürzlich ging ein Rühr­haken kaputt − Alex ließ die gelöste Strebe wieder anschweißen. Auch sein vierjäh­riger Sohn Theo rührt und knetet mit dem RG28 schon Waffel- und Pizza­teig. Und Uroma Gisela benutzt zwar mitt­lerweile ein neues Gerät, aber die Marke fällt ihr nicht ein. „Der geht auch schon kaputt“, erzählt sie. „So lange wie der RG28 hat er längst nicht gehalten.“

Test­ergeb­nisse

Der RG28 knetet, rührt und püriert ordentlich, lärmt noch erträglich, spritzt nicht zu arg und bietet in der Gebrauchs­anleitung sogar Rezepte, etwa für Pfirsichmilch oder Schnee­witt­chenkuchen. Im Belastungs­test erweist er sich als Held der Arbeit: Nach 150 Runden Rühr­teig und 300 Runden Hefeteig läuft er immer noch – im Gegen­satz zu zwei aktuellen Geräten.

RG28 und Krups

Catrin Knaak erklärt sich die Ausdauer des RG28 mit dem Zeit­geist: „Die Sachen sollten lange halten, im Osten wie im Westen.“ Dort schwört mancher auf den alten Krups-Mixer. Diese Marke gibt es noch, im aktuellen Test belegen Krups-Geräte vordere Plätze. Wer weiß − vielleicht wäre ein modernisierter RG28 ähnlich weit vorn gelandet.

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