Hand­geschirr­spül­mittel Test

Mehr oder weniger. Konzentrate von Pril und Fairy säubern mit 5 Liter Spül­wasser deutlich mehr als 40 Teller mit Fett­resten. Das Palmolive-Konzentrat macht im Test nach rund 15 Tellern schlapp.

Die besten Spül­mittel im Test reinigen kraft­voll, schonen die Haut und sind hoch­ergiebig. Andere spülen deutlich schlechter. Palmolive und Ecover gehen baden, sie sind mangelhaft.

Spül­mittel ist gleich Spül­mittel? Stimmt nicht. „Ein halber Liter des ergiebigsten Mittels reinigt rund 7 000 Teller, das schlechteste schafft mit der gleichen Menge nur etwa die Hälfte“, sagt Projektleiter Dr. Konrad Giers­dorf.

Um die Reinigungs­kraft der Produkte zu prüfen, verbringen unsere Tester viele Tage an Spülschüsseln und leisten Präzisions­arbeit. Im Labor bereiten sie Speisereste zu, mischen sie streng nach Rezept – unter anderem aus Fetten, Ölen, Mehl und Milch­pulver – und tragen sie auf Teller auf. Sie wiegen jedes Spül­mittel ab, geben es nach Anbieter­empfehlung dosiert in eine saubere Kunst­stoff­schüssel und lösen es mit 5 Liter heißem Wasser auf.

Steht das Spül­wasser bereit, heißt es schnell sein. Die Prüfer bürsten die verschmutzten Teller nach festen Regeln sauber – einen nach dem anderen, bis das Spül­wasser erschöpft ist. Am Ende des Tests haben sie rund 8 000 Teller beschmutzt, mit Hand und Bürste abge­waschen.

Ergiebig­keit: Hohe Reinigungs­kraft schafft viele Teller

Hand­geschirr­spül­mittel Test

Beschmutzen. Ein Druck auf die Pumpe und die frisch gemixten Speisereste aus Fetten, Ölen, Milch­pulver und Mehl ergießen sich milligramm­genau aufs Porzellan.
Spülen. Ein Prüfer bürstet die Teller kreisförmig ab − 20 Mal die Vorder-, 6 Mal die Rück­seite. Farb­stoff macht Schmutzreste fürs Prüfer­auge sicht­bar.
Zählen. Reißt die Schaum­decke dauer­haft auf, ist Schluss. Das Spül­wasser gilt als erschöpft. Wie viele Teller hat das Mittel bis dahin geschafft?

Konzentrate sind Spülmeister

28 Spül­mittel waren im Test vertreten, darunter Konzentrate, klassische und sensitive Produkte. Konzentrate enthalten weniger Wasser, damit im Verhältnis mehr fett­lösende Tenside als klassische Spül­mittel. Sensitive sollen sich beim Abwasch durch eine besondere Haut­verträglich­keit auszeichnen. Sie schonen die Haut aber nicht unbe­dingt besser als andere Spül­mittel.

Konzentrate wie der Testsieger Pril Kraft-Gel Ultra, aber auch Fairy Ultra Plus und Norma Saubermax Mega Power entfernen Speisereste am besten. Elf Spül­mittel im Test sind gut, darunter auch klassische, etliche sind befriedigend und ausreichend, drei mangelhaft.

Griff­bereit im Haushalt

In den meisten Haushalten sorgt zwar eine Spül­maschine für sauberes Geschirr, gute Gründe für ein Hand­geschirr­spül­mittel gibt es dennoch: der kleine Abwasch zwischen­durch, empfindliche Gläser oder die Berge von Platten und Schüsseln, die nach einer Party die Küche blockieren.

Frische Speisereste entfernen 17 der 28 Produkte problemlos, allen voran die sehr guten Konzentrate von Pril, Fairy sowie Norma Saubermax. Mit einer korrekt dosierten „Spülflotte“ – so nennen Fachleute Abwasch­wasser – können sie mehr als 40 fettige Teller reinigen.

Ecover und Palmolive gehen baden

Ecover und die beiden Palmolive-Produkte machen dagegen früh­zeitig schlapp. Mit 5 Liter Abwasch­wasser säubern sie je nach Art der Speisereste gerade mal 13 bis 17 Teller − ein Ergebnis, das eher Produkten entspricht, die noch vor rund 15 Jahren in den Regalen der Händler standen.

Testleiter Dr. Giers­dorf kennt mögliche Gründe für die großen Qualitäts­unterschiede zwischen den Produkten: „Einige Hersteller setzen auf neue Tensid­kombinationen mit besseren fett­lösenden Eigenschaften, andere auf konzentriertere Rezepturen. Zusätzlich kommen oft Amylasen als neue Inhalts­stoffe hinzu.“

Enzyme jetzt auch in der Spülschüssel

Rund die Hälfte der geprüften Produkte enthält derartige Enzyme wie Amylasen. Sie „knacken“ speziell Stärkehaltiges – etwa hartnä­ckige Reis- und Nudelreste, die nach dem Kochen in Topf und Pfanne zurück­bleiben. Da Enzyme für ihre Arbeit etwas Zeit brauchen, wirken sie vor allem beim Einweichen.

Dem Schmutz auf der Spur

Angebackenes Fett in der Pfanne, angetrock­nete Nudelreste im Topf – in der Küche sammeln sich immer wieder solch unschöne Verschmut­zungen. Wie gut kommen die 28 Spül­mittel gegen sie an? Das haben wir zum ersten Mal getestet.

Im Labor tragen die Prüfer Ölmischungen und stärkehaltige Pastamasse auf Edelstahl­platten auf und trocknen sie bei hohen Temperaturen. Jede Platte weichen sie später einzeln im warmen Spül­wasser 10 Minuten ein und fixieren sie anschließend auf einem Wischgerät. Dort fahren vier mit Spül­mittel beträufelte Schwämme mehr­mals über die einge­spannte Platte. „Mit der Maschine ist die Wisch­kraft immer identisch, sodass wir die Unterschiede exakt ermitteln können“, sagt Konrad Giers­dorf. Nach dem Stopp bewerten die Prüfer mit Fingerspitzengefühl und scharfem Blick, wie gut ein Mittel die Anschmut­zungen entfernt hat.

Angetrock­netes: Das schaffen nur die Besten

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Vorbereiten. Ein Prüfer verteilt das verdünnte Spül­mittel auf den feuchten Schwämmen des Mehr­spurwischgeräts.
Wischen. Mehr­mals fahren die Schwämme über die Stahl­platte. Wie gut löst das Mittel getrock­netes Fett?
Vergleichen. Fairy Ultra Plus (links) reinigt deutlich besser als das mangelhafte Palmolive-Konzentrat.

„Kleines Wunder gegen Fett“

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Härtetest. Mit Einweichen und Schwamm lassen sich auch solche Problemfälle lösen.

300 gewischte Platten später steht fest: Die größte Mühe bereiten stärkehaltige Nudeln. Allein Netto Marken-Discount Priva Power Plus, konzentriertes Edeka Gut & Günstig sowie Pril Kraft-Gel lösen sie gut mithilfe ihrer kraft­vollen Enzyme.

Als „kleines Wunder gegen Fett“ erweist sich der Werbung entsprechend Fairy Ultra Plus. Sechs weitere Mittel entfernen hartnä­ckiges Fett immerhin gut.

Ecover Hand-Spül­mittel sowie die beiden Palmolive-Produkte lassen auf den Platten dagegen so deutlich sicht­bare Fett- und Stärkereste zurück, dass sie in dieser Disziplin mangelhaft abschneiden.

Mit einem Teelöffel voll Konzentrat

Bei der Dosierung haben wir uns streng an die Angaben der Anbieter gehalten. 2 bis 3 Milliliter Konzentrat für fünf Liter Spül­wasser genügen. Das entspricht etwa einem Teelöffel voll. Klassik- und Sensitiv­produkte brauchen meist mehr: 3 bis 5 Milliliter. Ärgerlich: Bei Palmolive zeigt die Schrift des Etiketts nach innen. Wer nach Dosierungs­hinweisen sucht, muss durch die Flaschen und das grüne Spül­mittel hindurch­blicken. Außerdem lassen sie sich nicht gut dosieren. Es kommt deutlich zu viel heraus. Eine Schwäche, die sie sich mit Pril Sensitive und der Frosch Hand­spül-Lotion teilen. Die meisten Produkte lassen sich dagegen problemlos dosieren.

Nicht nur Sensitive schonen die Haut

Gern werben Hersteller damit, wie schonend ihre Produkte seien: „Pflegt die Hände schon beim Spülen“, verspricht Palmolive, „Für samt­weiche Haut“ heißt es beim Balsam von Fit. Um die Haut­verträglich­keit der Spül­mittel bewerten zu können, haben wir einen für Kosmetika üblichen Pflastertest mit Probanden durch­geführt.

Während des Hauttests dürfen sie nicht eitel sein. Über einen Zeitraum von drei Wochen kleben mit verdünntem Spül­mittel befeuchtete Test­pflaster auf ihrem Rücken. Beim Pflaster­wechsel, der täglich außer an den Wochen­enden statt­findet, untersucht und bewertet ein Dermatologe die Haut. Wie stark wird sie durch die Spül­mittel irritiert? Sind Balsamprodukte sanfter als Konzentrate und klassische Produkte?

Ergebnis: Die meisten Mittel schonen die Haut sehr gut bis gut. Auch drei der fünf Sensitiven erzielen Bestnoten, sind aber nicht immer sanfter als Klassik­produkte wie zum Beispiel Pril Original und Fit Original. Sie punkten mit guten Leistungen und ausgezeichneter Haut­verträglich­keit.

Das Konzentrat Domol Power von Ross­mann bekommt in diesem Prüf­punkt ein gutes Befriedigend. Es hat bei 2 Probanden eine etwas deutlichere Rötung hervorgerufen, bei den anderen 23 jedoch nicht.

„Gesichts­schutz tragen“

Können Sensitiv­produkte gefähr­lich sein? Schockiert berichtete uns eine Leserin im vergangenen Jahr über ihre Entdeckung. Auf dem Etikett des Lidl W5 Sensitive steht der Hinweis „Augen­schutz/Gesichts­schutz tragen“. Daneben prangt ein neues Warn­symbol: ein schwarzes Ausrufezeichen mit roter Umrandung. Wirken Hand­geschirr­spül­mittel neuerdings aggressiver? Der Hauttest beweist: Nein. Nur die Rechts­lage hat sich geändert.

Neue Kenn­zeichnung verunsichert

Warn­symbol und Hinweis sind Teil eines neuen interna­tionalen Kenn­zeichnungs­systems, das in Europa im Rahmen einer Verordnung umge­setzt wird. Ziel ist es, Verbraucher welt­weit mit einheitlichen Piktogrammen zu warnen (Haushaltsreiniger: Das bedeuten die neuen Warnschilder). Abhängig von Art und Menge der verwendeten Inhalts­stoffe, müssen Hersteller auf Hand­spül­mitteln ab spätestens 1. Juni 2015 oft das Ausrufezeichen, das Wort Achtung sowie Gefahren- und Sicher­heits­sätze abdrucken.

Der promovierte Chemiker Konrad Giers­dorf kritisiert die verschärfte Kenn­zeichnungs­pflicht für diese Produkt­gruppe. „Die Mittel enthalten oft sehr hautfreundliche Tenside, sogenannte Betaine. Sie werden sogar in Haarshampoos einge­setzt. Die Verschärfung der Kenn­zeichnung kann Verbraucher verunsichern oder soweit desensibilisieren, dass sie Warnungen zu gesund­heits- und umwelt­gefähr­denden Produkten nicht mehr ernst genug nehmen.“

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