Hand­gepäck Die Regeln der Air­lines

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Hand­gepäck - Die Regeln der Air­lines
Reinge­quetscht. Weil einige Flug­gäste mehr Hand­gepäck als erlaubt an Bord schleppen, sind die Ablagen schnell voll. © picture alliance / dpa, Shutterstock (M)

Fliegen nur mit Hand­gepäck spart Zeit und Geld. Da die Fluggesell­schaften aber wenig kontrollieren, was Passagiere in die Maschine tragen, kommt es an Bord zu Problemen. Wir haben unsere Leser nach ihren Erfahrungen befragt und geben eine Über­sicht über die Hand­gepäck-Regeln von 15 Fluggesell­schaften.

Inhalt

Viele plädieren für schärfere Kontrollen

„Ich bin für wesentlich schärfere Kontrollen hinsicht­lich der Größe und des Gewichts der Hand­gepäcks­tücke“, schreibt Helmut W. auf test.de, „was manche Business-Kasper in die Staufächer wuchten, grenzt schon an Unver­schämtheit“. Der Berliner kommentierte unsere Umfrage im Juli, in der wir Leser baten, uns von ihren Erfahrungen bei Flügen nur mit Hand­gepäck zu berichten.

Tipp: Die Stiftung Warentest hat aktuell auch Hand­gepäck­koffer getestet. Zwölfmal konnten die Tester die Note gut vergeben. Zum Test von 20 Weich- und Hartschalekoffern.

Passagiere bringen zu viel Hand­gepäck an Bord

Mit seiner Kritik ist Helmut W. nicht allein. Etliche der 976 Leser, die sich an unserer Umfrage beteiligt haben, kritisieren, dass sich Passagiere häufig nicht an die Regeln für das Hand­gepäck halten. Viele würden viel zu viel Gepäck an Bord schleppen. Wer später in die Kabine komme, finde keinen freien Platz mehr in den Gepäck­fächern. „Ich hatte zwei Stunden meinen Koffer unter den Knien“, empört sich ein Teilnehmer.

Oft kommt es zu Verzögerungen

Wenn das Gepäck vorschrifts­mäßig unter dem Vordersitz verstaut wird, schränkt das den ohnehin meist bescheidenen Sitz­komfort weiter ein. Andere Leser monieren, dass sie ihr Hand­gepäck nur weit entfernt von ihrem Sitz­platz verstauen konnten oder dass es Verspätungen gab, weil sich die Unterbringung des Kabinenge­päcks lange hinzog.

Meist nur Stich­proben

Die Verursacher des Platz­problems bekommen offen­bar nur selten Ärger: Nur etwa ein Drittel der Befragten gab an, dass ihr Hand­gepäck bei Check-in kontrolliert wurde. Bei etwa jedem Vierten von ihnen wurde das Gepäck als zu groß oder schwer einge­stuft. Aber nur etwa jeder Dritte davon musste das Gepäck gegen Zusatz­kosten aufgeben.

Air­lines setzen auf leichtes Gepäck

Fliegen mit leichtem Gepäck setzt sich immer mehr durch. Es hat für Flug­linien wie Kunden Vorteile: Die Air­lines sparen Personal beim Check-in und müssen weniger Kerosin bezahlen, weil die Flugzeuge leichter sind. Die Passagiere wiederum sparen Warte­zeiten und fliegen billig – Städtetrips inner­halb von Europa gibt es schon für rund 20 Euro. Wer es einmal ausprobiert hat, ist meist erstaunt, wie wenig man für eine Kurz­reise braucht. Mitunter sogar für einen längeren Urlaub. „Wir sind für drei Wochen auf Teneriffa“, schreibt ein Paar, „nur mit Hand­gepäck. Es fehlt uns bisher nichts.“

Keine Stan­dard­maße

Einheitliche Bestimmungen für Größe und Gewicht des Hand­gepäcks gibt es nicht. Jede Fluggesell­schaft legt fest, was sie akzeptiert. Passagiere müssen sich selbst informieren. Wir haben eine Über­sicht über die verschiedenen Hand­gepäck­regeln zusammen­gestellt. Von den 15 Air­lines, denen wir einen Fragebogen schickten, hat nur rund die Hälfte geant­wortet. Von den anderen haben wir die Daten, soweit vorhanden, von der Website genommen (siehe Tabelle). Die maximal erlaubte Größe des Hand­gepäcks unterscheidet sich zwischen den Fluggesell­schaften nur wenig. Die häufig angebotene Koffergröße für die Kabine misst 55 mal 40 mal 20 Zenti­meter (Test Koffer: Packen die das?, test 10/2016). Sie passt oft, aber nicht immer. Mehrere Flug­linien erlauben nur 35 Zenti­meter Breite. Der ungarische Billigflieger Wizzair, der viele Ziele in Osteuropa bedient, hat so restriktive Bestimmungen für Höhe und Breite, dass jedes übliche Bord­case kosten­pflichtig ist.

Easyjet mit eigenwil­liger Ober­grenze

Das maximal erlaubte Gewicht für das Hand­gepäck liegt üblicher­weise zwischen 6 und 12 Kilogramm. Bei British Airways sind es 23 Kilogramm. Easyjet gibt gar keine Ober­grenze an: Der Passagier muss das Gepäck selbst ins Ablagefach heben können. Die meisten Fluggesell­schaften erlauben noch ein zweites kleineres Hand­gepäck­stück. Das kann eine Hand-, Umhänge-, Foto- oder Laptoptasche sein. Easyjet, Eurowings, Flybe und Wizzair gestatten ohne Zusatz­buchung nur ein Gepäck­stück.*

Aufgabegepäck oft teuer

Teuer wird es, wenn das Personal das Hand­gepäck doch einmal kontrolliert und es sich als zu groß oder zu schwer erweist. Es muss dann aufgegeben werden. Das kostet oft zwischen 30 und 50 Euro – mehr als so mancher Flug.

Luft­fahrt­verband scheitert an Vereinheitlichung

Der Welt­luft­fahrt­verband IATA, der rund 260 Fluggesell­schaften repräsentiert, hat im Juni 2015 eine Initiative zur Vereinheitlichung des Hand­gepäcks gestartet. Als einheitliche Größe schlug der Verband 55 mal 35 mal 20 Zenti­meter vor, rund 40 Prozent weniger als die bis dahin gültige IATA-Empfehlung. Nach massiver Kritik von Politikern, Air­lines und Verbraucher­verbänden zog der Verband seinen Vorschlag zurück.

Zu schweres Hand­gepäck kann zu ernst­haften Verletzungen führen

Viele Flug­begleiter dürften darüber nicht glück­lich sein. Die Gewerk­schaft Ufo, die ihre Interessen vertritt, hatte die vorgeschlagenen Einschränkungen beim Hand­gepäck begrüßt. Sie seien über­fällig und ein wichtiger Schritt hin zu mehr Sicherheit von Passagieren und Besat­zung. Zu großes und schweres Hand­gepäck verursache immer wieder „Sicher­heits­probleme und Gesund­heits­gefähr­dungen“, beklagte die Gewerk­schaft. Beim Öffnen der Gepäck­fächer oder bei Turbulenzen sei es bereits zu ernst­haften Verletzungen gekommen, nachdem einzelne Gepäck­stücke heraus­gefallen waren. Die Gewerk­schaft beklagte auch Verzögerungen beim Einsteigen.

Weniger Leser­beschwerden

In der Vergangenheit hatten Leser gegen­über der Stiftung Warentest gelegentlich den Verdacht geäußert, dass einige Fluggesell­schaften mit dem Gepäck Zusatz­einnahmen erzielen wollten: Sie würden am Flughafen penibel kontrollieren, ob das Hand­gepäck bezüglich Größe und Gewicht den Vorschriften entspricht. Schon bei geringsten Abweichungen, hieß es, musste der Flug­gast sein Gepäck aufgeben und wurde dafür ordentlich zur Kasse gebeten. Zuletzt sind solche Klagen kaum noch bei uns ange­kommen. Die Air­lines, so scheint es, sind deutlich groß­zügiger geworden und kontrollieren nur noch gelegentlich. Sie wollen wohl die für sie interes­santen Gäste, die ohne aufgegebene Koffer reisen, nicht verprellen. Das gilt selbst für Fluggesell­schaften, die uns mitteilten, sie würden Maße und Gewicht des Hand­gepäcks „fast immer“ über­prüfen. Bei unserer Umfrage kreuzten rund 70 Prozent der Teilnehmer an, diese Fluggesell­schaften hätten nicht kontrolliert, was sie in die Kabine getragen haben.

Passagiere wünschen Kontrollen

Viele Flug­gäste nehmen nicht nur zu viel mit an Bord, manche Hinterbänkler, die zuerst einsteigen, deponieren ihr Hand­gepäck auch noch im vorderen Bereich. Wer vorn sitzt, steht oft vor vollen Ablagefächern. Dann landet sein Koffer doch im Fracht­raum. Das ist zwar gratis, aber trotzdem ärgerlich. Um solche Vorfälle zu vermeiden, wünschen sich etliche Teilnehmer unserer Umfrage, dass die Fluggesell­schaften das Hand­gepäck immer kontrollieren.

Maximal 100 Milliliter

Strenger sind die Sicher­heits­kontrollen des Hand­gepäcks am Flughafen. Volle Müll­eimer zeigen, dass viele Passagiere die geltenden Regeln (Was ins Handgepäck darf und was nicht) nicht kennen oder beachten. Das gilt besonders für Flüssig­keiten, zu denen auch Zahnpastas, Cremes und Gels zählen. Seit November 2006 müssen sie im Hand­gepäck in einem trans­parenten Plastikbeutel verpackt sein, der höchs­tens einen Liter fassen darf. Die Behälter dürfen jeweils maximal 100 Milliliter fassen. Ausnahmen gibt es für Medikamente und Baby­nahrung. Teure Cremes im 150-Milliliter-Tiegel lässt man also zu Hause – oder man gibt sie beim Einchecken auf.

Niemals nur mit Hand­gepäck

Nicht nur wegen der verbotenen Flüssig­keiten sind etliche Urlauber nicht davon begeistert, ohne aufgegebenen Koffer zu reisen. „Ich würde nie nur mit Hand­gepäck fliegen“, schreibt einer, „da selbst bei einem Wochen­endtrip beim Rück­flug mehr Gepäck durch Souvenirs und Einkäufe anfällt.“

*) Korrigiert am 17.10.2016.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

MoniFi am 27.10.2017 um 15:16 Uhr
Wizz Air Zusatzkosten

Mit Wizz Air habe ich auch schon meine Erfahrungen gemacht... Man darf bei einer Billigairline generell nicht zu viel verlangen, allerdings sind die Extrakosten schon enorm, wenn ich das so vergleiche: *

*Link vom Moderator gelöscht

RSchaar am 31.10.2016 um 13:46 Uhr
Passagiere sind unverschämt

Das ist ein wirkliches Ärgernis. Viele haben riesige Gepäckstücke oder mehrere Taschen und schmeißen diese schmutzigen Teile dann auf die Kleidungsstücke in den Ablageflächen. Manche verschieben dann die Inhalte in den Fächern, damit sie das Gepäck noch unterbringen. Wenn man später einsteigt bekommt man keinen Platz mehr für sein Handgepäck.
Wann da endlich mal was geändert?

tocamialma am 27.10.2016 um 00:20 Uhr
Recherche nicht so ganz perfekt

Das Flugzeug wird nicht leichter durch weniger aufgegebene Koffer, die Fluggesellschaft nimmt dafür mehr Fracht mit, was Einnahmen mit sich bringt. Die Kontrolle des Handgepäcks ist sehr zeit- und personalintensiv und es ist schlicht nicht lohnend, durchgängig Größe und Gewicht zu prüfen, das Kassieren von Gebühren für zu große oder überzählige Handgepäckstücke würde zu sehr teuren Verspätungen und höherem Personalaufwand führen.

Thorsten.Maverick am 01.10.2016 um 14:27 Uhr
Versagen der EU

Genau hier könnte die EU einmal zeigen, daß sie den Menschen etwas bringt: Einheitliche Regeln für das Handgepäck. Es muß endlich einen Standard geben für Gepäck, daß auf jeden Fall bei jedem Flug erlaubt ist.Ansonsten wird doch auch alles möglich vorgeschrieben, aber wo es sinnvoll wäre, passiert nichts.