Im Winter sehen die Hände oft älter aus, als sie sind: Ihnen fehlen Fett und Feuchtigkeit. Nur drei der getesteten Handcremes gelingt es, das Defizit „sehr gut“ auszugleichen. Die Creme für 77 Euro ist aber nicht darunter.

Eine Tube Handcreme für 77 Euro – das muss doch etwas ganz Besonderes sein. Die muss einfach intensiver wirken als eine für 2 Euro. Es kann doch nicht nur die berühmte Marke und die aufwendige Verpackung sein, für die man so tief ins Portmonee greifen soll. Die Haut wird es merken, besonders geschmeidig und samtig erscheinen. Bestimmt lässt es sich an der edlen Parfümierung erschnuppern oder an der sahnigen Konsistenz erfühlen.

Fehlanzeige, wie sich in unserem Test von 14 Handcremes unterschiedlicher Preislagen herausstellte. Nur drei Cremes (Eubos, Eucerin, Shiseido) pflegen die Hände „sehr gut“. Sieben „gute“ Produkte folgen, darunter auch einige sehr preisgünstige. Mit einem „befriedigenden“ test-Urteil sind Rossmann/Isana, Müller/Isana und Weleda die Schlusslichter der Konkurrenz – zusammen mit der 77 Euro teuren Creme von Kanebo.

Weder im Labor noch im Praxistest hinterließen die teureren Cremes einen herausragenden Eindruck. Sie können durchaus gute Pflegeeigenschaften haben, sind aber im Schnitt nicht besser und nicht schlechter als deutlich preiswertere Mittel. Auch beim Duft und beim Hautgefühl fiel unseren Testern nichts außergewöhnlich Luxuriöses auf.

Spezielle Hautmessungen im Labor führten zu dem Testergebnis. Dazu ließen wir jede Creme von jeweils 30 Testerinnen zwei Wochen lang auf den besonders empfindlichen Innenseiten der Unterarme auftragen. Die Unterschiede, die sich vor und nach der Anwendung ergaben, wurden mit einem Feuchtigkeitsmesser, dem Corneometer, festgehalten.

Kein störender Fettfilm

Dieser Test der Feuchtigkeitsanreicherung war zentraler Prüfpunkt der Untersuchung. Nur die Kombination von Fett und Feuchtigkeit lässt gestresste Haut mehr Feuchtigkeit speichern, verhindert Austrocknen und Spannungsgefühle der Haut, macht die Hände wieder glatter und geschmeidiger. Das schafft eine gute Allzweckcreme zwar auch, aber sie wird oft als zu fettig empfunden. Hier liegt der Vorteil guter Handcremes: Sie enthalten Öle, die sich leicht auf der Haut verteilen und schnell einziehen, ohne lange einen Fettfilm zu hinterlassen.

Dünnhäutig und empfindsam

Ob nun Allzweck- oder Handcreme, Hauptsache, die Hände werden überhaupt gepflegt. Denn die Haut des Handrückens ist fast genauso dünn wie die Gesichtshaut. Sie hat kaum Talgdrüsen, wenig Unterhautfettgewebe, ist besonders empfindlich und altert schnell. Kein Wunder: Hände müssen mehr aushalten als manch andere Hautpartie. Schon die täglichen Beanspruchungen wie zum Beispiel Geschirrspülen oder Händewaschen entziehen ihnen Feuchtigkeit. Hinzu kommen Umwelteinflüsse wie Regen, Wind und Sonne, denen die Hände meist schutzlos ausgeliefert sind. Besonders bei Minusgraden brauchen sie ein Plus an Pflege. Wärme und Kälte, Heizungsluft und Schneegestöber – dieser ständige Wechsel macht ihnen sicht- und spürbar zu schaffen: Die Haut trocknet aus, wird schuppig, spannt und rötet sich.

Prüfung in der Praxis

Von einer guten Handcreme wird noch mehr erwartet als messbare Pflegeerfolge: Sie soll sich angenehm anfühlen, schnell einziehen, nicht zu klebrig oder fettig sein, möglichst lange ein geschmeidiges Hautgefühl hinterlassen und gut riechen. All das überprüften wir in einem praktischen Anwendungstest. Wieder mit 30 Testpersonen – darunter Hausfrauen, Reinigungskräfte und Küchenhilfen. Sie erprobten die Cremes zwei Wochen lang im Alltag. Ihre Erfahrungen kommentierten sie in detaillierten Fragebögen. Auch wenn sie vereinzelt Klebrigkeit oder zu langsames Einziehen der Cremes reklamierten, vergaben sie insgesamt doch durchweg gute Urteile für die Anwendung.

Umstrittener Duft

Beim Duft scheiden sich allerdings die Geister. Was dem einen „etwas billig und zu intensiv“ erschien, war für den nächsten „sehr angenehm“. Was für den einen „zu wenig“ duftete, empfand der andere als „genau richtig“. Diese subjektiven Empfindungen entziehen sich unseren Testkriterien. Hier müssen wir jeden Einzelnen seinem persönlichen Geschmack überlassen. Am besten ist es, schon beim Kauf an der Creme zu schnuppern. Nur so lassen sich Fehlkäufe vermeiden.

Beim Einkaufen sollte man sich auch nicht zu sehr von besonders hervorgehobenen Inhaltsstoffen beeindrucken lassen, zum Beispiel von Kamille, Q 10, Aloe Vera, Panthenol oder von „Wirkstoffen des Fernen Ostens“ wie grünem Tee oder Blättern des Kirschbaums. Die Basisformulierung einer Creme, also die Komposition aus Fetten und Feuchtigkeitskomponenten, ist allemal bedeutender für die pflegende Wirkung als die extra ausgelobten Substanzen.

Auch von angekündigten Wirkungen auf die Fingernägel sollte sich niemand zu viel versprechen – Cremes können sie nur oberflächlich pflegen.

Die Hautverträglichkeit der Handcremes war durchweg sehr gut. Doch wer erfahrungsgemäß empfindlich auf bestimmte Inhaltsstoffe in Cremes reagiert, findet in unserer Tabelle Angaben zu den enthaltenen Konservierungsstoffen, Licht­schutzfiltern und Duftstoffen. Das sind die Substanzen, die öfter als andere für Hautreaktionen verantwortlich gemacht werden.

UV-Schutz für die Hände ist sinnvoll, um sie vor vorzeitiger Alterung zu schützen. Nur vier Cremes im Test loben ihn aus, allerdings ohne den Lichtschutzfaktor anzugeben. Hier wäre mehr Information erforderlich. Wer seine Hände vor zu viel Sonne schützen möchte, ist mit einem eindeutig deklarierten Lichtschutzmittel auf der sichereren Seite.

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