Handbuch Rezeptfreie Medikamente Special

4,12 Milliarden Euro gaben Patienten im Jahr 2008 für rezeptfreie Medikamente in Apotheken aus. Doch fast ein Drittel dieser Mittel ist zur Behandlung der jeweiligen Beschwerden wenig geeignet. So lautet das Fazit des von der Stiftung Warentest neu aufgelegten Handbuchs Rezeptfreie Medikamente. Darin bewertet: mehr als 1 800 rezeptfreie Arzneimittel.

Rezeptfreie Medikamente vom Arzt

Handbuch Rezeptfreie Medikamente: Über 1800 Mittel für Sie bewertet

Patienten müssen rezeptfreie Arzneimittel seit 2004 in der Regel aus eigener Tasche zahlen. Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen legt fest, welche rezeptfreien Medikamente der Arzt für welche Erkrankungen zu Lasten der Krankenkassen verordnen darf. test.de hat sie in einer Ausnahmeliste zusammengefasst.

Profitabler Markt

Der Selbstmedikationsmarkt ist wirtschaftlich bedeutend. Nach Aussage von Professor Dr. Gerd Glaeske, Universität Bremen und Schlussgutachter des Handbuchs, machten Apotheken im Jahr 2008 immerhin knapp 15 Prozent ihres Gesamtumsatzes im Arzneimittelmarkt mit dem Verkauf von rezeptfreien Medikamenten. Dabei hat die Stiftung Warentest bei der erneuten Bewertung solcher Mittel für das Handbuch Rezeptfreie Medikamente festgestellt: Die Qualität des Selbstmedikationsmarktes hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig verbessert: Waren vor acht Jahren etwa 40 Prozent der Mittel negativ bewertet, sind es jetzt immer noch 33 Prozent. Eine uneingeschränkt positive Bewertung von rezeptfreien Mitteln gab es nur für 39 Prozent der Mittel. Das ist kaum mehr als 2002: Zu diesem Zeitpunkt lag die Quote bei 34 Prozent.

Gründe für negative Bewertung

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum die Stiftung Warentest ein Drittel der Mittel nicht zur Selbstmedikation empfiehlt:

  • die Wirksamkeit ist nicht ausreichend nachgewiesen,
  • es gibt besondere Risiken und Nebenwirkungen,
  • das Mittel enthält unnötig viele Wirkstoffe.

Ein Negativbeispiel etwa ist das Medikament Wick Medinait, das zur Behandlung von Erkältungskrankheiten angeboten wird. Es enthält die unnötige Kombination von vier Wirkstoffen und ist auf der Basis von 18-prozentigem Alkohol zusammengemixt. Auch Thomapyrin Classic enthält unnötigerweise zwei Schmerzwirkstoffe. Die Kombination aus Azetylsalizylsäure und Parazetamol bietet keinen zusätzlichen therapeutischen Vorteil. Hinzu kommt: Das Medikament enthält anregend wirkendes Koffein - oftmals Ursache von schädlichem Dauerkonsum.

Positiv mit Einschränkungen

Auch positiv bewertete Mittel können zu Problemen führen, etwa bei Dauerkonsum. Bekannte Beispiele dafür liefern etwa abschwellende Nasentropfen und -sprays. Erkrankte sollten sie nur kurzzeitig einsetzen, höchstens fünf bis sieben Tage am Stück. Grund: Die Mittel können zu einer Abhängigkeit der Nasenschleimhaut führen. Das bedeutet, die Nasenschleimhaut schwillt nicht mehr aufgrund eines Infekts, sondern medikamentenbedingt an. Ein Teufelskreis entsteht.

Neue Risiken und Nebenwirkungen

Regelmäßig fallen Arzneimittel aus der Rezeptpflicht. Dabei handelt es sich um Medikamente, die nach Meinung von Experten sicher wirken und die Erkrankte ohne Gefahr von gravierenden unerwünschten Wirkungen in der Selbstmedikation anwenden können. Die Stiftung Warentest sieht die Befreiungen von der Rezeptpflicht bei einigen Mitteln als problematisch an. Dazu gehören etwa bisher rezeptpflichtige Mittel zur Behandlung von Sodbrennen oder zur Behandlung von Migräne. Gerade in solchen Fällen müssen sich Betroffene ausführlich informieren, um die Mittel nicht falsch oder missbräuchlich einzusetzen. Hinzu kommt: Für rezeptfreie Mittel können die Hersteller in der Öffentlichkeit werben. Damit wächst die Gefahr, dass Medikamentenmissbräuche und damit Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zunehmen.

Handbuch Rezeptfreie Medikamente

Handbuch Rezeptfreie Medikamente Special

Neuerschienen: Die vollständig überarbeitete Auflage für 29,90 Euro. Das Handbuch enthält auf 720 Seiten Bewertungen von mehr als 1 800 Medikamenten mit Preisangaben. So finden Sie geeignete und günstige Medikamente für sich. Weitere Details bei test.de Handbuch Rezeptfreie Medikamente.

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