Hamburger Sparkasse Meldung

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat gegen die Hamburger Sparkasse ein Strafgeld von 200 000 Euro verhängt. Das Institut hatte freien Beratern den Zugriff auf Konto-Daten von Sparkassen-Kunden ermöglicht. Von der Weitergabe ihrer Daten wussten sie nichts.

Seit 2005 griffen Berater Kontodaten ab

Die Hamburger Sparkasse (Haspa) hat ohne Einwilligung der Kunden seit Ende des Jahres 2005 bis August 2010 die Zahlungsein- und -ausgänge auf Girokonten ihrer Kunden an externe Berater weitergeben. Das ist unzulässig. Die Praxis der Datenweitergabe war innerhalb der Sparkasse bekannt, da Haspa-Mitarbeiter seit 2007 regelmäßig Stichproben der Zugriffe machten, sagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Die Haspa hatte am 30. August den Kontenzugriff für die externen Berater gestoppt und auf ein datenschutzgerechtes Verfahren umgestellt.

Kundenprofile sollten Verkauf ankurbeln

Ebenso ohne das Wissen ihrer Kunden hat die Sparkasse Charakterprofile von ihnen angelegt und sich dabei Erkenntnissen der modernen Hirnforschung bedient. Datenbasis für die Profile waren interne Kundendaten wie Salden von Girokonten und die Zahl von Buchungen, so der Hamburger Datenschutzbeauftragte. Die Haspa hatte Kunden nach ihrem Konsumverhalten und ihrem Lebensstil in Kategorien wie „Abenteurer“, „Bewahrer“ oder „Genießer“ eingeteilt. So sollten den Sparern in Beratungsgesprächen gezieltere Angebote gemacht werden. Auch diese Profile verstoßen gegen Datenschutzrecht.

Haspa hat unzulässige Profile gelöscht

Die Einordnung einzelner Kunden in Kategorien war auch in den Kundenakten vermerkt. Die Haspa hat ihren externen Beratern diese Profile seit 2007 zugänglich gemacht und sie im Umgang damit geschult. So hat das Institut den Beratern Schlüsselwörter an die Hand gegeben, die diese im Kontakt mit Kunden verwenden sollten. Nach einem Bericht des Nachrichtensenders NDR Info hat die Haspa am 4. November alle Kunden-Profile gelöscht. Derartige psychologischen Profile folgen einem neuen wissenschaftlichen Ansatz in der Marktforschung – dem sogenannten Neuromarketing. Methoden der Hirnforschung werden genutzt, um zu untersuchen, wie Verbraucher in ihrem Kaufverhalten auf bestimmte Reize aus der Umwelt reagieren. Auch unterbewusste Reize werden analysiert.

Postbank kassierte auch Bußgeldbescheid

Bereits Anfang Mai verhängte der Datenschutzbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Ulrich Lepper, gegen die Postbank AG ein Bußgeld von 120 000 Euro. Finanztest hatte im Herbst 2009 aufgedeckt, dass die Postbank freien Mitarbeitern eines Schwesterunternehmens unzulässigerweise den Zugriff auf die Kontobewegungsdaten der Postbankkunden ermöglicht hatte. Mit der Weitergabe von Daten an die Vertriebsorganisation sei die Postbank „eindeutig zu weit gegangen“, begründete NRW-Datenschutzbeauftragte Lepper das Bußgeld gegen die Postbank AG. „Ich frage mich, was das Bankgeheimnis noch wert sein soll, wenn rund 4 000 freiberufliche Außendienstmitarbeiter weit über eine Million Kontodatensätze von Kundinnen und Kunden abrufen können“, so Lepper.

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