Wo früher Tennis- oder Squashspieler ihre Bälle schlugen, toben heute oft Kinder. Wir haben 19 Kinderspielhallen untersucht und viele unsichere Kandidaten gefunden.

Hollywood in Kreuzberg und in Lichterfelde. Gleich zweimal weilte das amerikanische Traumpaar Angelina Jolie und Brad Pitt Anfang des Jahres in Berlin. Und jedes Mal besuchte es mit seinen Kindern Maddox und Zahara einen Hallenspielplatz. Das erste Mal ging es nach Kreuzberg in eine Halle mit dem etwas anrüchigen Namen Pups, beim zweiten Besuch im März vergnügten sich die Weltstars im Bambooland im Berliner Süden. Ganze 20 Minuten, so berichteten die Angestellten laut „Berliner Morgenpost“, sei Brad Pitt mit dem Baby auf dem Arm Trampolin gesprungen; mit dem vierjährigen Maddox sei er durch den Pandadschungel gerobbt, über wacklige Hänge­brücken balanciert und durch ein kunterbuntes Labyrinth getigert.

Spielspaß bei jedem Wetter

Trotz des hohen Besuchs haben es die beiden Hallen nicht in unsere Testauswahl geschafft. Da wir nicht jeden der rund 250 Hallenspielplätze, die es in Deutschland gibt, untersuchen konnten, haben wir für den Test die 19 größten ausgewählt, und zwar unter Berücksichtigung der Anzahl der vorhandenen Hallen in den Bundesländern. Unter den 14 Anlagen, die in Berlin zur Auswahl standen, waren mindestens zwei deutlich größer als die, die sich die Stars ausgesucht hatten: „Jacks Fun World“ in Reinickendorf und das Kinderspielland „Bim & Boom“ in Marzahn.

Bundesweit ist die Spielhallendichte ansonsten sehr unterschiedlich. Während man im Nordwesten die große Auswahl hat – allein in Nordrhein-Westfalen gibt es 80 Hallen–, sind wetterfeste Spielanlagen in Ost-, Mittel- und Süddeutschland noch nicht so verbreitet. Die Lage der getesteten Hallen zeigt die Karte in „Adressen und Lage“.

Vor acht Jahren stellten findige Unternehmer, häufig aus der Schaustellerbranche, erstmals Spielgeräte in leerstehende Tennis-, Squash- oder Lagerhallen, richteten einen Gastronomiebereich und Räume für Kindergeburtstage ein – fertig war ein Hallenspielplatz, in dem Kinder toben können, wenn es draußen zu nass oder zu kalt ist. Hauptzielgruppe sind Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren.

Viele Sicherheitsmängel

Wir haben die neuen Angebote für Kinder jetzt erstmals unter die Lupe genommen. Mit einem alarmierenden Ergebnis: In 11 von 19 Hallen fanden wir gefährliche Sicherheitsmängel, sodass das test-Qualitätsurteil nur „mangelhaft“ lauten konnte. Fünf weitere Hallen sind „ausreichend“. Auch sie haben Sicherheitsmängel, wenn auch nicht ganz so gravierende.

Keine Kontrolle

Zur Panik besteht dennoch kein Anlass. So schwerwiegend die Mängel im Einzelnen auch sind, sie lassen sich beheben. Denn es sind immer nur einzelne Geräte betroffen, die entweder stillgelegt oder repariert werden können. Unbedingt notwendig ist allerdings, dass endlich eine Kontrolle durch die Behörden stattfindet – vor allem auch im Hinblick auf die vielen Hallen, die wir nicht untersucht haben. Denn es kann nicht sein, dass sich im überregulierten Deutschland niemand für die Kontrolle der Sicherheit von Indoor-Kinderspielplätzen zuständig fühlt. Ausgerechnet hier, wo es um die Gesundheit von Kindern geht, wird die Verantwortung ausschließlich dem Betreiber zugeschoben (siehe „Sicherheit“).

Attraktive Angebote kosten extra

Dabei sah es bei unserem Besuch in den Hallen zunächst ganz gut aus. Die meisten bieten attraktive Spielmöglichkeiten, auch die Atmosphäre und Angebotsvielfalt sind mindestens „befriedigend“.

Die Grundausstattung der Hallen mit Spielgeräten ähnelt sich. Besonders beliebt sind Trampolins, Autoscooter, Rutschen, Kletterlabyrinthe und -gerüste, Wabbelberge und Hüpfburgen. Daneben versu­chen viele Anbieter, sich mit ganz besonderen Spiel­at­trak­tionen zu profilieren.

Der Testsieger rabatzz in Hamburg lockt zum Beispiel mit einem Hochseilgarten, in dem Kinder bis auf 6,50 Meter Höhe, selbstverständlich angeseilt, Mut und Geschicklichkeit beweisen können. Noch beliebter bei den kleinen Gästen ist hier die 32 Meter lange Wellenrutsche.

Das Fun Center Bullermeck in Rieste, ein klar gegliederter und lichtdurchfluteter Neubau, besitzt ebenfalls einen Hochseilgarten und diverse Rutschen. Die attraktive Halle hätte im Test mit vorn landen können, wenn die große Wellenrutsche keine gefährliche Kleiderfangstelle aufgewiesen hätte (siehe „Sicherheit“). Der Betreiber hat die Gefahrenstellen inzwischen mit Schaumstoff und Kleber provisorisch entschärft und beim Hersteller der Rutsche eine passende Schutzvorrichtung bestellt.

Highlights im Erlebnispark in Gevelsberg sind die blaugestreifte Wellenrutsche und ein mehrstöckiger Kletterturm namens „Spinne“. In der Halle Molli Bär in Molbergen können die Besucher in regelmäßigen Abständen einen mit Licht- und Raucheffekten inszenierten Vulkanausbruch erleben. Im Trampoline am See in Heilbronn gibt es etwas Bauchkitzel auf einer Mini-Indoor-Achterbahn. Und das Trampolino in Andernach lockt mit Fahrgeschäften wie Loopster oder Skyglider, die in größerer Ausführung von vielen Volksfesten bekannt sind.

Den Spaß gibt es natürlich nicht umsonst. Er kann sogar ganz schön ins Geld gehen. Zunächst ist ein Eintritt fällig. Kinder ab zwei bis drei Jahren zahlen 3,00 bis 7,80 Euro, Erwachsene 2,50 bis 5,50. Doch das ist sozusagen nur eine Anzahlung, denn einige Spielgeräte, nicht selten die beliebtesten, kosten extra. Meist wird pro Fahrt, etwa mit Elektroautos, ein Euro verlangt. Mitunter kostet es aber auch zwei, so für das Bungee-Trampolin im Jelly-Beans in Salzbergen. Der Hochseilgarten im Hamburger rabatzz nimmt sogar vier Euro. Häufig extra kassiert wird auch im Klabauterland in Philippsburg. Auffällig in der etwas dunklen Halle war die große Anzahl von Münzgeräten. Kein Wunder: Der Betreiber ist auch Automatenaufsteller.

Essen und Trinken ist selbstverständlich auch extra zu bezahlen. Die Preise der Hallengastronomie sind sehr unterschiedlich. So können 0,3 Liter Cola 1 Euro kosten (Erlebnispark), aber auch 1,50 Euro (Indoo, Lollihop, rabatzz) oder 1,60 (Pippolino). Die preiswerteste Pizza gibts mal für 1,40 Euro (Erlebnispark), mal aber auch für 5 Euro (Klabauterland).

Elf Hallen verbieten in ihren Geschäftsbedingungen ausdrücklich das Mitbringen von Speisen und Getränken. Es ist fraglich, ob das rechtens ist. Bei Sportstudios wurden ähnliche Getränkeklauseln von mehreren Gerichten für unwirksam erklärt. Der Kunde könne nicht gezwungen werden, den erhöhten Flüssigkeitsbedarf während des Trainings über das teure Angebot der Studios zu decken. Das scheint auf die Hallenspielplätze übertragbar zu sein. Es gibt aber noch kein entsprechendes Urteil. Wir haben diese Klauseln zumindest als verbraucherunfreundlich eingestuft.

Die juristische Prüfung der allgemeinen Geschäftsbedingungen ergab ansonsten hauptsächlich Verstöße bezüglich der Haftung. Viele Betreiber verwenden Klauseln, die die Nutzung der Hallen „auf eigene Gefahr“ vorsieht. Doch die sind unwirksam, weil sie jede Haftung für ein Verschulden des Betreibers bei einem Personenschaden ausschließen, was nach dem Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) nicht erlaubt ist. Wenn den Kindern an Spielgeräten mit Sicherheitsmängeln, wie wir sie häufig gefunden haben, etwas passiert, dann kann sich der Betreiber nicht einfach auf diese Klauseln berufen. Aber schon der Versuch ist mehr als ärgerlich.

Defizite beim Service

Hallenspielplätze sind beliebte Orte für Kindergeburtstage. Für 5 bis 17 Euro pro Nase können die Kinder für ein paar Stunden unbeschwert hüpfen, klettern und toben. Und am Essen und Trinken mangelt es auch nicht. Zumindest die Kinder findens meist lecker.

Darüberhinaus gibt es eine Reihe von Sonderveranstaltungen. Im rabatzz findet zum Beispiel „Die lange Nacht für Kurze“ statt, alcino und Tumultus bieten Ähnliches. Kinderdisco, Karaoke, Zaubershows und Schminkkurse können das Angebot abrunden, sind aber längst kein Standard. Nicht jede Halle hat Veranstaltungsräume. Wenn sie vorhanden sind, fallen sie sehr unterschiedlich aus. Gut gelungen sind sie im Erlebnispark, im Indoo, im Lollihop und besonders im Tumultus. Dort macht auch die Gastronomie einen recht guten Eindruck. Noch besser ist dieser Bereich im Molli Bär, im Indoo und im Pippolino. Das Schlusslicht bildet hier Jelly-Beans in Salzbergen.

Defizite gibt es häufig beim Angebot für Erwachsene. Ob Cafés, Leseecken, Internetplätze oder Spielangebote – vieles ist hier noch ausbaufähig. Ebenso in den Außenbereichen, die häufig noch einen traurigen Eindruck machen.

Wenn die Sicherheit und das Angebot stimmen, dann werden die Gäste im kommenden Winter wieder zu den Hallenspielplätzen strömen, wenn auch nicht gerade aus Hollywood.

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