Sicherheit: Überforderte Hallenbetreiber

Fast alle Hallen haben Sicherheitsmängel. Die Genehmigung und Kontrolle der Anlagen muss dringend verbessert werden.

Tödliche Fallen

Nach mehreren tragischen Unfällen von Kleinkindern, die sich beim Spielen auf Rutschen erdrosselt haben, weil ihre Ano­rak­kordel hängengeblieben war, wird seit Jahren vor dieser Art Kleidung gewarnt. Auch Spielgeräte müssen so kons­truiert sein, dass Kordeln an ihnen nicht hängenbleiben können. Doch das scheint sich bis heute noch nicht herumgesprochen zu haben. Bei unserem Test fanden wir in vier Hallen (Bim & Boom, Bullermeck, Indoo, Springolino) Rutschen, die immer noch so konstruiert sind, dass sie zur tödlichen Falle werden können. Selbst wenn keine Kordelkleidung mehr getragen wird, können auch Schlüsselbänder und Halsketten an den Fang­stellen hängenbleiben und zur Katastrophe führen.

Lebensgefährlich war auch das 1,60 Meter hohe Landepodest einer Seilbahn in der Berliner Halle Jacks Fun World, das völlig ungeschützt war.

Befremdliches aus Amtsstuben

Wir haben nicht nur die Hallen, sondern auch die zustän­digen Behörden über die Sicherheitsmängel informiert. Während die Hallenbetreiber sofort reagierten, indem sie die unsicheren Spielgeräte sperrten oder reparieren ließen, hörten wir aus den deutschen Amtsstu­ben Befremdliches. So schrieb uns die Bauaufsicht des Landkreises Osnabrück, zuständig für die Halle Bullermeck, dass für die Sicherheit der Geräte allein der Betreiber verantwortlich sei. Behörden in anderen Bundesländern reagierten ähnlich.

Ein unhaltbarer Zustand! In einem Land, in dem beispielsweise für die Anbringung eines Firmenschilds diverse bürokratische Hürden genommen werden müssen, fühlt sich niemand für die Kontrolle von Spielgeräten zuständig, auf denen sich täglich Hunderte von Kindern in Gefahr begeben können. Auch wenn Hallenspielplätze ein vergleichsweise neues Angebot darstellen, kann es nicht sein, dass das Wohlergehen der Kinder allein von den Unternehmern abhängig sein soll. Unser Test zeigt, dass die oft überfordert sind.

Erkennbare Mängel

Häufig fehlt es sowohl an Sicherheitskenntnissen als auch am nötigen Bewusstsein. So fanden unsere Prüfer in den meisten Hallen Mängel, die auch für Laien erkennbar sind und niemals toleriert werden dürften: beispielsweise herausstehende Schrauben, zerschlissene Fangnetze, harte Böden ohne Fallschutz, falsch angebrachte und stark abgenutzte Halteseile an Bungee-Trampolinen, ungeschützte Metallgebläse neben Hüpfburgen und immer wieder Finger-Quetschstellen. Zweimal wurden Spielgeräte nach Hinweisen unserer Prüfer sofort auf den Müll geworfen: ein Mini-Trampolin, an dem Schnüre zu schwersten Verletzungen führen konnten (Pippolino, Duisburg) und ein Holzhaus mit herausstehenden Schrauben und scharfen Kanten (Yupidu, Bocholt).

Alarmierend

Kein Hallenbe­treiber konnte eine vollständige Dokumentation seiner Spielgeräte vorweisen. So fehlten meist die unbedingt notwendigen Standsicherheitsnachweise für Bungee-Sprunganlagen, Trampoline und Klettergärten. Fast immer Fehlanzeige auch bei sogenannten Konformitätsbe­schei­nigungen der Hersteller, die bele­gen, dass die Spielgeräte normgerecht aufgebaut wurden. Dafür werden häufig Spielgeräte eingesetzt, die weder ein GS- (Geprüfte Sicherheit) noch andere Sicherheitszeichen tragen. Beliebt sind beispielsweise Boote mit Handkurbelan­trieb, in den die Finger gefährlich eingeklemmt werden können.

Jährliche Tüv-Prüfung

Der vor zwei Jahren gegründete Verband deutscher Hallenspielplätze, dem etwa 30 Betreiber angehören, will das Image der Branche verbessern und setzt sich für mehr Sicherheit ein. So wurde im letzten Jahr ein Rahmenvertrag mit dem Tüv Nord abgeschlossen. Alle Mitglieder sollen danach jährlich überprüft werden und das Tüv-Zertifikat für Eltern deutlich sichtbar in der Halle anbringen. Ein richtiger Schritt – in den von uns geprüften Hallen haben wir aber noch keine Plakette gesehen.

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