Hund, Katze oder Pferd ­ verursacht ein Tier Schäden, muss der Halter zahlen. Haftpflichtversicherungen fangen das Risiko auf.

Nicht nur Hunde können zubeißen. Diese schmerzhafte Erfahrung machte eine elfjährige Reitschülerin, als sie zu Beginn der Reitstunde das ihr zugeteilte Pferd satteln wollte. Der Hengst schnappte so unglücklich zu, dass er dem Mädchen ein Stück aus der Wange riss. Zwar konnte der Hautlappen wieder angenäht werden. Seitdem wird das Opfer durch die großen Narben aber täglich beim Blick in den Spiegel an den Unfall erinnert. Der Fall ging bis zum Bundesgerichtshof (BGH). Dieser verurteilte den Reitverein schließlich als Halter des Pferdes, dem Mädchen 17.000 Mark Schmerzensgeld zu zahlen und ihm alle Schäden zu ersetzen, die in Zukunft noch auftreten können (Az: VI ZR 209/80).

So zahm sie oft jahrelang erscheinen, Tiere sind leider nie völlig berechenbar. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber festgelegt, dass jeder die Schäden ersetzen muss, die sein Tier verursacht.

Risiko Haustier

Dass Hunde beißen und Pferde ihren Reiter abwerfen, sind typische Tierrisiken ­ der Besitzer muss deshalb für alle dadurch entstehenden Schäden aufkommen, selbst wenn diese Unfälle nicht zu verhindern waren. Besonders teuer kann es dann werden, wenn Tiere Verkehrsunfälle verursachen. So etwa, wenn eine Milchkuh den Weidezaun überwindet, vor ein Auto läuft und so einen Unfall herbeiführt (Oberlandesgericht [OLG] Köln, Az: 13 U 114/92).

Aber auch eine Beißerei unter Hunden kann teuer werden. Selbst wenn der süße Mischling in der Anschaffung fast umsonst war, sind Tierarztkosten auch in Höhe von fast fünftausend Mark zu ersetzen, urteilte das Amtsgericht IdarOberstein (Az: 3 C 618/98). Ein Recht auf eine umfassende Heilbehandlung gibt es ebenso für eine von einem Hund gebissene Katze. Für die Heilung können bis zu 3.000 Mark Schadenersatz gefordert werden, urteilte das Landgericht Bielefeld (Az: 22 S 13/97). Dass die Katze keinen Marktwert hat, sei völlig unerheblich.

Ausnahme bei Nutztieren

Zahlen muss selbst der sorgfältige Tiernarr, der nachweisen kann, dass er seinen Liebling immer aufmerksam beaufsichtigt oder weggeschlossen hat. Er kann sich nur dann vor hohen Geldforderungen schützen, wenn es sich um ein so genanntes Nutztier handelt. Das sind vor allem die Tiere, die im Stall oder auf der Weide stehen, also Mastgans, Milchkuh oder Schwein.

Daneben aber auch solche Pferde und Hunde, die zwingend beruflich genutzt werden oder sonst für Herrchen völlig unverzichtbar sind. Zu dieser letzten Gruppe gehören beispielsweise auch Blindenhunde, da ihre Halter ohne sie hilflos wären. Wer auf einen Blinden-, Hüte- oder Polizeihund aufpasst, ist also besser dran als jemand, dessen Hund nur den eigenen Hof bewacht. Denn der Hofhund gilt nicht als Nutztier, sondern als so genanntes Luxustier (OLG Köln, Az: 1 U 51/98). Sollte er zuschnappen, muss sein Herrchen haften, selbst wenn es noch so gut auf den Hund aufgepasst hat.

Fremde Tiere hüten

Wer eine Tierpension unterhält oder sich sonst vertraglich verpflichtet hat, auf ein fremdes Tier aufzupassen, kann ebenfalls für entstandene Schäden haftbar gemacht werden. Voraussetzung ist hier aber, dass der Unfall durch Unachtsamkeit verursacht wurde. Hat der Betreiber der Pension aber angemessen auf seine Schützlinge Acht gegeben, sehen die Gerichte solche Unglücke als unvermeidbar an. Der Pensionsbetreiber muss nicht haften.

Noch ruhiger leben die netten Menschen, die nur kurzfristig aus Gefälligkeit auf fremde Tiere aufpassen. Fahren die Müllers zwei Wochen in den Urlaub und überlassen ihre Katze derweil der Obhut von Nachbarin Meier, muss diese nicht zahlen, wenn die Mieze den Kanarienvogel von Schmidts auffrisst. Denn für angerichtete Schäden ist nur der Halter verantwortlich. Und das ist derjenige, der das Tier hauptsächlich "nutzt" und für die Kosten seiner Haltung aufkommt (BGH, Az: VI ZR 188/87), in der Regel der Eigentümer.

Reiten auf eigene Gefahr

Wer als Halter für sein Tier einstehen muss, kann sich nur selten aus dieser Haftung befreien. So kann sich ein Pferdeverleiher zum Beispiel nicht einfach auf ein angebrachtes Hinweisschild "Reiten auf eigene Gefahr" berufen. Es gibt aber andere Situationen, in denen die Gerichte eine Ersatzpflicht des Tierhalters ablehnen.

Der Verletzte soll seine Schäden dann selbst tragen, wenn er den Vierbeiner vor allem im eigenen Interesse übernommen hat, beispielsweise der Jockey, der sich ein Übungspferd ausleiht. Auch wer mit dem Tier bewusst besondere Risiken eingeht, soll den Halter nicht verklagen dürfen, wenn dann ein Unfall passiert. Das gilt bei erkennbar bösartigen Tieren wie auch bei Spring- oder Dressurreitern im Training (BGH, Az: VI ZR 234/75). Das Berliner Kammergericht hat bereits den selbstständigen Ausritt ins offene Gelände für so gefährlich gehalten, dass es Schadenersatzforderungen nach einem dabei erlittenen Reitunfall ablehnte (Az: 9 U 6388/84).

Versicherung abschließen

Wer wegen seines Tieres zahlen muss, hat dafür im Falle eines Falles sein gesamtes Vermögen einzusetzen. Tierhalter sollten sich deshalb unbedingt vor diesen Risiken schützen. Privat Haftpflichtversicherte sind bereits gegen einige Schäden versichert. Das betrifft vor allem solche Malheure, die zahme Haustiere wie Katze, Kaninchen oder auch das (nicht zum Schlachten bestimmte) Hausschwein Babe angerichtet haben. Wer Pferde, Hunde oder Rinder hält, kann dagegen nur eine gesonderte Tierhalterhaftpflichtversicherung abschließen, um sich abzusichern.

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