Haft­pflicht­versicherung von Airbnb Was ist eigentlich versichert?

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Haft­pflicht­versicherung von Airbnb - Was ist eigentlich versichert?

Schäden, die über Airbnb vermittelte Besucher in Wohnungen verursachen, sind schon seit längerem über eine sogenannte „Gast­geber-Garantie“ bis zu einer Höchst­summe von 800 000 Euro abge­sichert. Doch was ist, wenn der Besuch in meiner Wohnung über ein herum­liegendes Kabel stürzt und sich ernst­haft verletzt? Oder sogar Nach­barn zu Schaden kommen? Seit kurzem bietet Airbnb seinen Gast­gebern dafür zusätzlichen Schutz über eine Haft­pflicht­versicherung.

Wenn die Gäste etwas kaputt machen

Ob für ein paar Tage oder länger – immer mehr Reisende wollen ihren Urlaub in Privat-Unterkünften verbringen und buchen diese über Online-Portale wie 9flats.com, Wimdu oder Airbnb (Test Onlineportale für Ferienunterkünfte, test 9/2015). Entsprechend steigt auch die Zahl der angebotenen Quartiere. Ärger kann nicht nur bei den Besuchern entstehen, wenn die angeblich ruhig gelegene Wohnung plötzlich an einer viel befahrenen Haupt­verkehrs­traße liegt und so gar nicht mit den Fotos im Internet über­einstimmt (Meldung Womit Urlauber rechnen müssen und wie sie Ärger vermeiden). Auch auf die gast­gebenden Wohnungs­anbieter kann Ärger zukommen, wenn Gäste in der Wohnung etwas kaputt machen oder nach dem Aufenthalt weit mehr als eine Grund­reinigung nötig ist.

Zusätzliche Haft­pflicht­versicherung von Airbnb

Für diese Fälle bietet der Anbieter Airbnb seinen Gast­gebern seit kurzem zusätzlichen Schutz über eine entsprechende Haft­pflicht­versicherung. In den USA wurde die Airbnb-Haft­pflicht­versicherung nach Angaben des Unter­nehmens bereits im Januar 2015 ins Leben gerufen. Neben Deutsch­land gilt sie laut Airbnb nun auch in 15 anderen Ländern, darunter Frank­reich, Italien und Spanien. Die Deckungs­summe dieser „Versicherung zum Schutz von Gast­gebern“ beträgt maximal 1 Million US-Dollar (zur Zeit rund 900 000 Euro).

Für welche Fälle der Schutz gilt

Doch wozu diese zusätzliche Versicherung? Reicht nicht die „Gast­geber-Garantie“, die es schon bisher bei Airbnb gab? Ein Beispiel soll verdeutlichen, worin sich die beiden Absicherungen unterscheiden: Nehmen wir an, der Gast verursacht einen Wasser­schaden, bei dem nicht nur die Wohnung des Gast­gebers, sondern auch die des unter ihm wohnenden Nach­barn beschädigt wird. Der Schaden des Wohnungs­inhabers wäre durch die „Gast­geber-Garantie“ abge­deckt. Der Schaden des Nach­bars wäre hingegen durch die neue „Versicherung zum Schutz des Gast­gebers“ abge­sichert, da der Gast­geber hier für einen Schaden, den sein Gast verursacht hat, vom Nach­bar haft­bar gemacht werden kann (persönliche Haft­pflicht des Wohnungs­inhabers). Hat der Gast­geber eine private Haft­pflicht­versicherung – die jeder Mensch haben sollte – käme sie für diesen Schaden ohnehin auf.

Erspart nicht die private Haft­pflicht

So weit so gut, zumal der neue Schutz wie schon die „Gast­geber-Garantie“ gratis ist. Dennoch sollte jeder Vermieter unabhängig davon über den Schutz einer privaten Haftpflichtversicherung verfügen. Die Finanztest-Experten fordern beispiels­weise eine deutlich höhere Mindest­absicherung, nämlich 5 000 000 Euro pauschal für Personen- und Sach­schäden (Artikel zum Grundschutz). Denn so selten derartige Groß­schäden sind, sie können Betroffene finanziell in ihrer Existenz bedrohen.

Kein Rundum-Sorglos-Schutz

Unklar bleibt leider, wann genau der Versicherungs­schutz von Airbnb Absicherung bietet – und wann nicht. Ausgeschlossen sind zum Beispiel nicht nur wie üblich Schäden aus vorsätzlichen Hand­lungen, sondern auch Schäden durch Pilze oder Bakterien, durch über­trag­bare Krankheiten, Asbest oder Blei.

Keine Prüfung der Bedingungen möglich

Unsere Informationen über das neue Angebot basieren ausschließ­lich auf einer kurzen Zusammenfassung der Konditionen, die das Unternehmen seinen Nutzern zur Verfügung stellt. Die Versicherungs­bedingungen konnten die Experten der Stiftung Warentest leider nicht prüfen, denn erstaunlicher­weise liegen erstere auch eine Woche nach Start des neuen Versicherungs­schutzes in der deutschen Airbnb-Zentrale noch nicht vor. Laut Airbnb wird derzeit noch daran gearbeitet. Wir bleiben dran.

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Geraldvictorrautenberg am 02.08.2018 um 10:49 Uhr
Beschädigte Arbeitsplatte sei Abnutzung.

Ich hatte AirBnB Gäste in meiner Wohnung. Die Gäste haben einen etwa 2cm großen Chip aus meiner 100% neuwertigen Kunststein Küchenarbeitsplatte geschlagen.....
Eine neue Arbeitsplatte hätte vermutlich 3.000€ gekostet. Mein Gütevorschlag war 250€ Minderwert
Dies wurde nach erfolgloser Reklamation beim Gast, bei der AirBnB-Versicherung gemeldet.
Die AirBnB-Versicherung hat daraufhin "sorgfältig" geprüft....Ergebnis die rausgeschlagene Ecke sei übliche Abnützung und keine Beschädigung. Abnützung sei nicht versichert.
Habe mitgeteilt, dass in Deutschland die Rechtssprechung einen rausgeschlagenen Chip als Beschädigung bewertet. AirBnB teilt darauf mit es bleibt dabei, sie hätten sorgfältig geprüft. Selbstredend
ohne inhaltliche Begründung.
Das ist keine Versicherung.....das ist Verarschung....

Matthias14467 am 11.01.2016 um 12:50 Uhr
Verschimmeltes Haus gilt nicht als Mieterschaden

Hallo,
wir vermieten über Airbnb seit fast einem Jahr ein kleines Gartenhaus mit Ziegelmauerwerk, diffusionsoffener Dämmung und großen Fenstern.
Nachdem ein Pärchen aus dem Mittelmeerraum für 6 Wochen (November/Dezember) dort gewohntt hatte, mussten wir in 1m Höhe rundum den Putz neu machen, da alles verschimmelt war.
Es stellte sich heraus, dass viel gekocht (die Töpfe waren teilweise ruiniert) und Wäsche im Häuschen getrocknet worden war.
Eine übernahme oder Beteiligung an den Kosten die durch die Schadensbeseitigung entstanden hat Airbnb bereits vor Beginn der Maßnahmen abgelehnt.
Nach dieser Erfahrung können wir nur davor warnen, sich auf die werbewirksame "Versicherung" zu verlassen.
Geschätzter Schaden nach Angebot: € 2.350,-
Mietausfälle: € 1.200,-