Wer zahlt den Schaden? Manchmal lohnt es sich, die eigene Hausratversicherung zur Kasse zu bitten statt die Haftpflichtversicherung des Verursachers.

Eigentlich klappt es bei Silke ganz gut mit dem Nachbarn von oben. Nur neulich war sie wütend auf ihn. Wie immer spät dran, rannte er zur Vorlesung, obwohl seine Waschmaschine noch lief. Der Wasserschlauch, den er zum Ablaufen in die Badewanne gehängt hatte, löste sich und ein Stockwerk tiefer lief bei Silke das Wasser die Wand runter und ruinierte ihren Teppichboden.

In diesem Fall kommt die Privathaftpflichtversicherung des jungen Mannes für den Schaden auf. Silke aber hatte eine bessere Lösung. Sie meldete den Schaden ihrer eigenen Hausratversicherung. Diese bezahlt alle nötigen Reparaturarbeiten und einen neuen Teppich. Die Haftpflichtversicherung dagegen hätte nicht den Neuwert, sondern nur den Zeitwert bezahlt, also das, was der alte Teppich noch wert war. Auch die Renovierung hätte sie nur zum Teil übernommen, da Silke laut Mietvertrag ohnehin bald hätte renovieren müssen.

Welche Versicherung zahlt was?

Die Hausratversicherung steht für Schäden am eigenen Hab und Gut ein, wenn es durch Brand, Blitzschlag, Explosion, Einbruchdiebstahl, Raub, Sturm, Hagel oder Leitungswasser kaputtgeht oder abhanden kommt. Wäre dem Nachbarn das Aquarium ausgelaufen, hätte Silke ihre Hausratversicherung dafür nicht in Anspruch nehmen können, weil gewöhnliche Aquarien nicht an die Leitungswasserversorgung angeschlossen sind. Die Waschmaschine ist es aber und verursachte somit einen Leitungswasserschaden, den die Hausratversicherung abdeckt.

Silke war dadurch in der komfortablen Lage, zwischen zwei Versicherungen zu wählen. Für andere ist die Hausratversicherung aber die einzige Möglichkeit, schnell an ihr Geld zu kommen. Denn viele Nachbarn haben gar keine Haftpflichtversicherung und müssten dann den Schaden aus eigener Tasche bezahlen.

Wichtig bei Hausratversicherungen

Die Hausratversicherung ersetzt den zerstörten oder gestohlenen Hausrat zum Neuwert. Die Versicherungssumme sollte deshalb ausreichen, die Wohnung komplett neu einzurichten. Unterversicherung lässt sich auch vermeiden, indem man die von der Versicherungsgesellschaft empfohlene Summe pro Quadratmeter der Wohnung wählt. Bei vielen Anbietern sind dies 1.200 Mark. Für eine Wohnung mit einer Fläche von 83 Quadratmetern beispielsweise 100.000 Mark. Je nach Wohnort, Versicherer und Vertrag sind dafür zwischen 200 und 500 Mark Beitrag im Jahr fällig.

Auf die empfohlene Versicherungssumme sollte man sich aber nicht verlassen. Wer die Weite einer kargen Fabriketage genießt, versichert sich zu hoch und zahlt zu viel Prämie. Umgekehrt kann eine kleine, aber mit Kunstgegenständen und wertvollen Möbeln eingerichtete Wohnung dadurch für einen Totalschaden zu niedrig versichert sein.

Besonders wichtig, wenn Wertvolles im Haus ist: Die Entschädigung für alle Wertsachen ist auf insgesamt 20 Prozent der Gesamtversicherungssumme begrenzt. Als Wertsachen gelten zum Beispiel Bargeld, Urkunden, Schmuck, Briefmarken, Münzen, Kunstgegenstände oder der handgeknüpfte Teppich. Genügen die 20 Prozent nicht, kann eine Erhöhung der Entschädigungsgrenze gegen Prämienaufschlag vereinbart werden. Allerdings greift auch das noch zu kurz, wenn Schätze, die nicht in einem Safe aufbewahrt wurden, gestohlen werden. Ohne Tresor wird Bargeld bis maximal 2.000 Mark, Urkunden und Wertpapiere bis 5.000 Mark und Schmuck und andere Edelmetalle, Münzen, Briefmarken bis höchstens 40.000 Mark ersetzt.

Wichtig in der Privathaftpflicht

Die private Haftpflichtversicherung übernimmt Ansprüche, wenn der Versicherte einem anderen schuldhaft einen Schaden zufügt, wie zum Beispiel Silkes Nachbar, dessen Waschmaschine ausgelaufen ist. Niemand ist davor sicher, deshalb sollte es in jedem Haushalt eine Haftpflichtversicherung geben. Sie ist noch viel wichtiger als die Hausratversicherung. Laut Gesetz haftet man schließlich mit seinem gesamten Vermögen. Den Schutz gegen Schadenersatzansprüche gibt es schon für weniger als 100 Mark im Jahr. Abschließen kann man Verträge für Alleinstehende oder die ganze Familie.

Einige Unternehmen bieten mehr als den Standardschutz, den alle Gesellschaften bieten. Deshalb sollte jeder überlegen, welche Risiken in seinem Leben vorkommen und sich gegebenenfalls für ein Angebot entscheiden, in dem der benötigte Zusatzschutz enthalten ist. Einige Unternehmen versichern zum Beispiel ohne Aufschlag Schäden, die beim Gebrauch von Surfbrettern angerichtet werden.

Unangebracht ist übertriebene Sparsamkeit bei der Festsetzung der Deckungssumme, weil die Preisunterschiede zwischen Deckungssummen von zwei, drei oder fünf Millionen Mark nicht erheblich sind. Finanztest rät deshalb zu möglichst hohen Deckungssummen. Das reicht auch noch bei größeren Schäden, zum Beispiel durch Feuer, oder bei Rentenansprüchen eines Geschädigten.

Die richtige Wahl

Die Preisunterschiede zwischen den Versicherungsgesellschaften sind gewaltig, wie die Untersuchungen der Hausratversicherungen und der Privathaftpflicht gezeigt haben.

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