Hähn­chen­brust­filets Unter­nehmens­ver­antwortung Test

Frisches Hähn­chen­fleisch ist billig wie nie. Den Preis zahlen die Tiere: 99 Prozent leben in Massen­tier­haltung. Zehn­tausende Mast­hähn­chen in einem Stall, ohne Tages­licht, nach 28 Tagen reif für die Schlacht­bank. Nur Anbieter, die nach Ökokriterien produzieren, engagieren sich für das Wohl der Tiere. test hat 17 Anbieter untersucht.

Frische Hähnchenbrustfilets CSR 10/2010

  • Bauernglück Hauptbild Aldi (Nord) Bauernglück
  • geka Hauptbild Aldi (Süd) geka
  • naturelle Hauptbild Astenhof naturelle
  • Chiemgauer Naturfleisch Bio Hauptbild Chiemgauer Naturfleisch Chiemgauer Naturfleisch Bio
  • Friki Hauptbild Friki Friki
  • Heidegold Hauptbild Heidegold Heidegold
  • Naturkind Bio Hauptbild Kaiser's Tengelmann Naturkind Bio
  • Excellent Feine Kost Hauptbild Karstadt Feinkost Excellent Feine Kost
  • Landjunker Hauptbild Lidl Landjunker
  • Maître CoQ Le Volailler Maishähnchen
  • Gut Ponholz Hauptbild Netto Marken-Discount Gut Ponholz
  • Premium-Frischgeflügel Hauptbild Netto Premium-Frischgeflügel
  • Gut Langenhof Hauptbild Norma Gut Langenhof
  • Juwel Hauptbild Penny Juwel
  • biofam Bio Hauptbild Rewe biofam Bio
  • Wilhelm Brandenburg Hauptbild Rewe Wilhelm Brandenburg
  • Schröder's Bioland Bio Hauptbild Schröder's Bioland Schröder's Bioland Bio
  • Original Wiesenhof Hauptbild Wiesenhof Original Wiesenhof
  • Original Wiesenhof Bio Hauptbild Wiesenhof Original Wiesenhof Bio
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Degradiert zum reinen Fleisch­lieferanten

Wer wissen will, wo sein Hähn­chen­brust­filet herkommt, braucht starke Nerven. Viele Mast-, Schlacht- und Verarbeitungs­betriebe sind Teil einer Industrie, die den Blick für die Würde des Tiers verloren hat. Degradiert zum reinen Fleisch­lieferanten, leiden viele Hühner. Sie zahlen den Preis für maximale Rendite und Billigkonsum: Nur rund 1 Euro kostet eine 200-Gramm-Portion Hähn­chen­brust beim Discounter. Die Stiftung Warentest hat – zusätzlich zum Test Frische Hähnchenbrustfilets – untersucht, wie die Anbieter ihre Verantwortung für Tier­schutz, Umwelt­schutz und die sozialen Belange ihrer Mitarbeiter wahr­nehmen.

Maître CoQ verweigerte die Auskunft

17 Unternehmen, die für den deutschen Markt Hähn­chen­brust erzeugen, beant­worteten den ausführ­lichen Fragebogen der Tester. Nur Maître CoQ verweigerte die Auskunft. Außerdem gewährte der französische Anbieter weder Einlass in die Firmenzentrale noch in Mast­betrieb oder Schlacht­hof. Diese Besuche verweigerte auch Karstadt. In zwei weiteren Fällen war ebenfalls keine Über­prüfung möglich: Die Anbieter arbeiten inzwischen mit anderen Mast­betrieben zusammen. Das betrifft die Biohähn­chen­brust von Wiesenhof und das Filet von Netto Marken-Discount/Gut Ponholz. Alle anderen Anbieter öffneten die Türen zu ihren Produktions­stätten, die vor allem in Nieder­sachsen und Meck­lenburg-Vorpommern liegen.

Schlachten nach 28 Tagen Turbomast

Hähnchenbrustfilets: Nur Bioanbieter überzeugen mit Qualität und Tierschutz

Artgerechte Zucht, Küken­produktion und Mast – für konventionelle Anbieter spielt das kaum eine Rolle. Im Gegen­teil: Sie reizen Gesetze oft bis ans Limit aus. In Ställen mit 20 000 bis 40 000 Tieren und ohne Tages­licht können die Hühner natürliche Verhaltens­weisen nicht ausleben. Vieles spricht dafür, dass sie in der Massenhaltung permanenten Stress erleben: Etwa 5 Prozent der Hühner sterben in der Mast, meist an Herz­kreis­lauf­versagen. In 28 bis 40 Tagen reifen die gezüchtete Hoch­leistungs­tiere vom Küken zum Schlacht­vieh – „froh­wüchsig“ nennt das der Fachmann. Dabei erreichen sie etwa das 40-Fache ihres Anfangs­gewichts und wiegen am Ende bis zu 2,5 Kilogramm. Die Entwick­lung von Skelett, inneren Organen und Herz­kreis­lauf­system kann mit dem intensiven Muskel­wachs­tum jedoch nicht Schritt halten. Die Folge: Beinschäden – gegen Ende der Mast fällt es den Tieren schwer, über­haupt zu stehen.
Bild­strecke: Vom Küken zum Filet

Biobetriebe zeigen mehr Engagement

Anders sieht es in Mast­betrieben aus, die nach Ökokriterien produzieren – etwa nach EG-Öko-Verordnung oder den strengeren Natur­land- oder Bioland-Regeln. Vier Bio-Anbieter zeigen hier starkes Engagement: Chiemgauer Natur­fleisch, Schröder’s Bioland, Kaiser’s Tengelmann mit seiner Biomarke Naturkind und Rewe mit seiner Biomarke Biofam. In der Bio-Produktion werden zwar auch Mast­hybride einge­setzt, aber lang­samer wachsende. Bei ihnen treten wachs­tums­bedingte Erkrankungen daher wesentlich seltener auf. Die Ställe haben Tages­licht, die Hühner mehr Platz und Auslauf ins Freie. Auf die Experten der Stiftung Warentest wirkten die Tiere zufriedener und entspannter als in den konventionellen Betrieben.

Ohne Töten kein Fleisch

Am Ende werden aber auch Biohähn­chen geschlachtet, zum Teil in denselben Schlacht­höfen wie die konventionell erzeugten Tiere. Sie werden genauso lebendig kopf­über an einen Haken gehängt und zur Elektrobetäubung befördert. Dabei können ihnen die Beine brechen, bevor ihnen der Hals durch­geschnitten wird. Auch Biohähn­chen bleiben an dieser Stelle Ängste und Schmerzen nicht erspart. Wer das ausschließen will, muss auf Fleisch verzichten.

Mehr zahlen für weniger Leid

Wer weiter Hähn­chen­brust essen, aber Massentierhaltung nicht unterstützen möchte, kann nur zu Biofilets greifen. Sie kosten allerdings drei- bis fünf­mal mehr als Discounter-Hähn­chen­brust. Die Biomast ist für den Land­wirt aufwendiger und kost­spieliger: Biohähn­chen leben länger, fressen mehr und teureres Biofutter. Letzt­lich muss jeder selbst entscheiden, ob er bereit ist, mehr zu zahlen, damit Tiere weniger leiden.

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