Haartrockner Test

Föhnen kann gefährlich sein, zeigt das Gerät von Elta. Probleme gabs auch bei Modellen von Panasonic und Udo Walz. Die meisten frisieren aber „gut“.

Frühmorgens im Bad: Da stehen Sie mit nassem Kopf, schalten nichtsahnend den neuen schicken Haartrockner ein. Plötzlich, nach Sekunden, ein lauter Knall am Ohr: Ein Kurzschluss, aus dem Gerät dringt eine 20 Zentimeter lange Stichflamme. Um Verbrennungen zu vermeiden, weichen Sie aus und stellen fest: Im ganzen Bad ist der Strom ausgefallen, es riecht nach verbranntem Haar und nach Kunststoff.

Das ist kein erdachtes Szenario, sondern wahrhaftig einer Testperson passiert, die den Elta Germany HT 352 ausprobierte. Gerade mal drei Sekunden lief das Gerät, bevor es durchschmorte. Auch im Dauertest brannte es nach 72 Stunden Laufzeit lichterloh: Vom silbernen Gehäuse blieb nichts übrig. Bei so hoher Verletzungsgefahr lautet das Urteil „mangelhaft“.

Achtmal „gut“, dreimal „mangelhaft“

Haartrockner Test

Vom billigsten Haartrockner, dem Elta Germany HT 352, blieb im Test nur ein verkohlter Haufen übrig. Das Gehäuse war vollkommen verschmort. Grund: In der Dauerprüfung blockierte der Lüftermotor. Das 10-Euro-Gerät zeigte noch weitere Schwächen: So kam es im Test beispielsweise auch zum Kabelbruch.

Um den Test zu bestehen, hätte der Elta 400 Stunden mit Pausen ohne Probleme laufen müssen. Die anderen 15 Haartrockner schafften das. Die meisten sind größere sogenannte Pistolen-Haartrockner, haben bis zu 2 300 Watt Leistung, mindestens zwei Temperatur- und Gebläsestufen und kommen in modischen Formen und Farben daher. Englische Namen wie „pro ionic“ und „comfort ion“ signalisieren, dass sie mit der Ionentechnologie arbeiten, die schnelle­res Trocknen und weniger aufgeladene Haare verspricht (siehe „Ionentechnologie“). Inwiefern das stimmt, dazu später mehr.

Riesige Unterschiede fanden wir in der Gesamtleistung und im Preis: Während der 10-Euro-Haartrockner von Elta vom Markt genommen gehört, verdient der 60 Euro teure Braun satinpro das beste „Gut“. Auch „gut“ sind Bosch, Clatronic, Quelle / Privileg, Rowenta, Llongueras, Philips HP 4997 und Remington D4444 für 20 bis 53 Euro.

Aber nicht immer heißt teuer besser. Die Prüfung von Technik und Sicherheit führte auch bei den kostspieligen Geräten von Udo Walz und Panasonic zum „Mangelhaft“.

Bellissima vom Starfriseur fällt durch

Haartrockner Test

Beim Bellissima von Udo Walz brach im Falltest das Gehäuse auf.

So entpuppte sich der Bellissima von Starfriseur Udo Walz im Falltest aus 70 Zentimeter Höhe als Sensibelchen. Bei dem 50-Euro-Haartrockner platzte das Gehäuse auf oder es brachen Rotorblätter des Lüfters ab. In beiden Fällen war er kaputt. Zudem war er am schlechtesten zu bedienen und erinnerte an einen Profi-Haartrockner. Die sind oft schwerer und werden vom Friseur anders gehalten.

Tipp: Testen Sie vor dem Kauf im Laden aus: Wie liegt der Haartrockner in der Hand, wie einfach ist er zu bedienen?

Verfangene Haare bei vier Geräten

Haartrockner Test

Beim Panasonic, Solis, Elta und Remington D3168 verfingen sich Haare im Ventilator.

Auch der Panasonic Ion Hair Dryer für 39 Euro ist beim Föhnen nicht sicher: Da das innere Schutzgitter an der Rückseite aus weichem Kunststoff besteht, verformt es sich leicht, und Finger können so in den rotierenden Ventilator gelangen. Damit aber nicht genug. Langhaarige Testerinnen monierten, dass sich Haare im Ventilator verfangen. Das passiert, wenn frau kopfüber föhnt, der Haartrockner kein Sieb hat oder dieses ungenügend schützt. Dasselbe Problem trat auch bei Elta, Solis und Remington D3168 auf. Die zwei Letzten sind so nur „ausreichend“.

Tipp: Nehmen Sie regelmäßig das Schutzgitter an der Rückseite des Haartrockners ab und entfernen Sie die angesaugten Haare.

Durchgebrannt trotz CE-Zeichen

Haartrockner: Föhnen kann gefährlich sein

Die Brand- und Verletzungsgefahr des Elta erstaunt sehr. Trägt er doch wie alle anderen 15 Haartrockner im Test das CE-Zeichen und zusätzlich das GS-Zeichen (siehe „Sicherheitsprüfung“). Das GS-Zeichen garantiert, dass seine Sicherheit überprüft wurde, und es ist aussagekräftiger als das CE-Zeichen.

Weshalb darauf kein Verlass ist, wissen wir nicht. Fakt ist, dass viele der 2,5 Millionen Haartrockner, die pro Jahr über deutsche Ladentische gehen, in China oder Thailand produziert und oft auch dort für den europäischen Markt zertifiziert werden.

Nur der Braun trocknet „sehr gut“

Haartrockner Test

Um die Temperatur eines Haartrockners zu bestimmen, wird er im Labor auf eine glasfaserverstärkte Kunststoffplatte mit 53 Thermoelementen gerichtet.

Dabei interessiert frau etwas ganz anderes. Wie schnell trocknet das Gerät? Und schont es die Haare? Genau das haben wir im ­Labor gemessen und im Prüfpunkt Funktion bewertet. Unser Fazit: Die Mehrzahl der Geräte schneidet hier „gut“ ab. Lediglich Solis, Elta und Udo Walz trocknen im Vergleich etwas langsamer. Auf „sehr gut“ schafft es allein Testsieger Braun. Er hat den Dreh raus: Das Wechselspiel zwischen Motor und Gebläse stimmt. Er trocknet schnell, ohne zu heiß zu werden und das Haar zu schädigen. Eine Schädigung der Haare tritt ab 100 Grad Celsius ein, bei einem geringen Abstand zum Gerät kann das allerdings schon bei niedrigerer Temperatur geschehen.

Tipp: 2 300 Watt müssen nicht sein, das Gebläse zählt. Achten sie beim Kauf eher darauf: Gibt es eine Kaltlufttaste fürs Fixieren von Frisuren, einen Diffusor fürs Volumen?

Schöneres Haar durch Ionen?

Haartrockner Test

Die Ionentechnik kann wirken, wie der Vergleich beim Braun satinpro zeigt: Die linke Kopfhälfte wurde ohne Ionenfunktion geföhnt, die rechte mit. Rechts sind die Haare weniger geladen und liegen so glatter an.

Apropos Frisieren: Frauen wollen mit dem Haartrockner auch klasse Frisuren zaubern können. Welches Gerät da hilft, haben Profi-Friseure bei 24 unterschiedlichen Haarty­pen getestet. Dabei wurde jede Kopfhälfte mit einem anderen Haartrockner frisiert.

Beim Vergleich der Kopfseiten fielen den Profis besonders Unterschiede beim Volumen auf. Nur Braun, Quelle/Privileg, Philips HP 4997 und Remington D4444 sorgen „gut“ für Volumen – alles Modelle, die die Ionentechnologie ausloben. Dazu machen sie das Haar weich und laden es nicht statisch auf. Doch nicht die Ionen allein sorgen für schöneres Haar. Die Gesamtkonstruktion der Geräte scheint hier gelungen zu sein.

Dass Ionenhaartrockner grundsätzlich besser frisieren, lässt sich nämlich nicht sagen. Der Grundig und der Carrera, die auch mit Ionen arbeiten, schneiden beim Frisieren genauso durchschnittlich ab wie die drei Geräte ohne Ionenfunktion: Elta, Philips HP 4980 und Remington D3168.

Unterschiede je nach Haartyp

Auch die zehn Frauen, die die Handhabung der Geräte beurteilten, kommentierten den Effekt der Ionen. Den meisten gefiel es richtig gut, besonders denen mit langem, kräftigem und sprödem Haar. Den Testerinnen zufolge wurde die statische Aufladung reduziert, das Haar spürbar weicher. Frauen mit glatten, feinen Haaren aber waren enttäuscht. Ihre Haare hatten Glanz, lagen aber nach dem Föhnen platt am Kopf an.

Tipp: Praktisch ist ein Gerät mit abschaltbarer Ionenfunktion, da sie nicht für alle Haartypen gleichermaßen geeignet ist.

Von Haartrocknern und Föhnen

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Übrigens: Das Wort „Fön“ ist eine geschützte Markenbezeichnung für Geräte von AEG (heute Electrolux). Erfunden wurde das Wort Fön vor gut 100 Jahren von der Firma Sanitas, die sich vom warmen Alpenwind inspirieren ließ und 1957 von AEG gekauft wurde. Andere Hersteller dürfen nur von Haartrocknern reden. Der Duden änderte zuletzt die Schreibweise: Aus Fön wurde nach der Rechtschreibreform Föhn.

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