Viele mögen ihren kahlen Schädel, manche leiden darunter. Doch verzweifeln müssen sie nicht: Wer noch ein paar Haare auf dem Kopf hat, dem kann geholfen werden.

Wenn die Haare trotz Pillen oder Wässerchen weiter fallen (siehe Mittel gegen Haarausfall), und kosmetische Korrekturen wie Haartoupets abgelehnt werden, müssen Leidtragende andere Methoden wählen. Wer nicht wie Bruce Willis auf das für Normalsterbliche unbezahlbare Klonen von Haaren setzen kann, landet bei der Eigenhaartransplantation. Allerdings: Nicht jedem Haarausfall ist damit beizukommen. Sind Krankheiten der Auslöser für den Haarschwund, muss die Ursache bekämpft werden. Beim anlagebedingten Haarausfall, der andro­ge­ne­tischen Alopezie, ist die Transplantation aber eine Alternative – nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen.

Operative Neuverteilung

Wunder kann der Haarchirurg nicht vollbringen: Die Eigenhaartransplantation schafft keine neuen Haare, sie verteilt die noch vorhandenen nur an andere Orte.

Auch eine sehr ausgeprägte androgenetische Alopezie entwickelt selten eine Vollglatze, häufig bleibt beim Mann zumindest am Hinterkopf ein breites Areal von Haaren stehen. Die Haarwurzeln sind in diesem Bereich genetisch auf Weiterwachsen programmiert. Und das ist die Voraussetzung für eine kosmetisch Erfolg versprechende Neuverteilung. Hier setzt der Haarchirurg an: Im Nackenbereich schneidet er aus dem Haarkranz ein Haut­areal heraus – je nach Methode kreis-, ellipsen- oder sichelförmig. Seit Neuem werden auch einzelne Wurzeln entnommen. Die Kopfhaut zieht er an der Schnittstelle wieder zusammen und vernäht sie fein oder klammert. Es bleibt eine feine Narbe, die unter den Hinterkopfhaaren verschwindet. Der entnommene Hautlappen wird dann in kleine Teile mit einer bis sechs Haarwurzeln zerteilt (Micrografts, Minigrafts, follikuläre Einheiten). Die pflanzt der Chirurg dann in die lokal betäubte Kopfhaut ein.

Schneiden, stanzen, bohren

Zuvor muss die kahle Platte zum Empfang bereitgemacht werden. Je nach Technik werden Schlitze in die Haut geschnitten oder kleine Löcher gestanzt oder gebohrt – mit speziellen Skalpellen, Rundmessern und Hohlstanzen oder mit einem Laser.

Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile: Schlitze können beim Zusammenwachsen die eingepflanzten Haare wieder hinausdrücken, bei Stanzlöchern ist dafür die Wundfläche größer. Beim Lasern kann durch die Hitze Gewebe geschädigt werden, wodurch das Anwachsen erschwert wird, es fließt jedoch weniger Blut als bei Skalpell- und Messermethoden.

Ausschließliches Verpflanzen von Einzelhaarteilen wird wegen der sehr zahlreichen Wundkanäle zum Teil kritisch betrachtet, neue Techniken sollen dieses Risiko verringern können. Prinzipiell kann jedes Haar verpflanzt werden, das irgendwo auf dem eigenen Körper wächst – einerlei ob Bart-, Brust- oder Schamhaar. Es wird an der Einpflanzstelle aber so weitersprießen, wie es ihm seine Erbinformationen vorschreiben.

Meist wird der Patient nach der Operation, die rund zwei bis vier Stunden dauert, wieder nach Hause geschickt, oft ist sogar ein Verband überflüssig. Wenn alles gut verläuft, sind nach etwa 8 bis 14 Tagen lokale Folgen wie eine verschorfte Kopffläche oder geschwollene Gesichtspartien wieder verschwunden. Die Fäden an der Entnahmestelle im Nackenbereich muss häufig der Hausarzt ziehen, vor allem, wenn das operierende Institut zu weit vom Wohnort des Patienten entfernt ist.

Völlig normal ist es, wenn die verpflanzten Haarreste nach der Operation erst einmal ausfallen, oft auch Haare von benachbarten Arealen. Sind die verpflanzten Partien auf der Platte heimisch geworden, beginnen sie nach einer Ruhephase von rund drei Monaten mit der Produktion neuer Haare. Im Idealfall ist die ehemalige Kahlfläche nach neun bis zwölf Monaten wieder leidlich bewachsen.

Risiken und Nebenwirkungen

Wie bei jeder Operation können aber auch bei einer Haartransplantation unerwünschte Nebenwirkungen auftauchen:

  • Grafts wachsen nicht an oder werden herausgedrückt oder -gezogen,
  • die Kopfhaut entzündet sich,
  • durch zu dichtes Setzen vernarbt das Gewebe oder es bilden sich Knötchen.

Bei bestimmten Erkrankungen, zum Beispiel bei Diabetes, besteht ebenfalls die Gefahr, dass Grafts nicht anwachsen. Unschön sind kosmetische Mängel durch nachlässiges (wirre Wuchsrichtung) oder verfrühtes Verpflanzen bei zu jungen Personen: Werden sichere Haarteile in lichte Kopfflächen gesetzt, in denen der Ausfall der Resthaare noch nicht aufgehört hat, bleiben die verpflanzten Areale als buschige Inseln auf der sich weiter ausdehnenden Kahlfläche zurück. Bedenklich sind Transplantationen, wenn abzusehen ist, dass ein Halbglatzenträger zur Vollglatze neigt – die verpflanzten Haare würden unweigerlich ausfallen.

Wichtiger als die für die Transplantation genutzte Technik dürften Erfahrung und Seriosität der operierenden Chirurgen und Institute sein. Vor der Behandlung muss ein ausführliches Gespräch stattfinden, müssen Risiken aufgezeigt und Vorerkrankungen, die einen Erfolg verhindern könnten, geklärt werden.

2000 Euro für Geheimratsecken

Oft sind mehrere Operationen erforderlich, bis eine ausreichende Haardichte erreicht und der Kunde zufrieden ist. Und das geht ins Geld: Je nach Größe der aufzufüllenden Kahlfläche ist mit rund 2 000 Euro für Geheimratsecken, und bis zu 15 000 Euro und mehr für ganz aus­geprägte Großglatzen zu rechnen. Inzwischen werden auch Transplantationen in Polen und der Türkei angeboten – morgens Badeurlaub, mittags Haarverpflanzung im Institut, abends Märchen aus tausend und einer Nacht.

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