Haartönungen im Test Test

Ob blond, ob braun. Bei der Wahl der Haartönung spielt die eigene Ausgangs­haarfarbe eine wichtige Rolle.

Im Frühling darf es wieder etwas mehr Leucht­kraft sein. Wir haben zehn Intensiv­haartönungen getestet, plus eine Besonderheit für Männer. Einige Tönungen verblassen schneller als versprochen.

Nach grauen Winterwochen steigt die Lust auf frische Farben. „Pünkt­lich zum Frühling sollte auch mein inzwischen über schulter­langes Haar ein neues Outfit bekommen“, schreibt Tina in einem Internetforum. Sie hat sich für eine Intensivtönung entschieden, war am Ende aber enttäuscht. „Noch einmal kommt mir dieses Produkt jedenfalls nicht an meine Haare.“

Poly Palette über­zeugt doppelt

Hat Tina einfach nur Pech gehabt? Oder führen Intensiv­haartönungen aus dem Drogerie­handel öfter zu Unzufriedenheit? Wir haben elf Produkte gekauft – die preis­wertesten kosten nicht einmal 2 Euro. Es sind Intensiv­haartönungen in Blond-, Noisette- und Kirschtönen. Färben sie gleich­mäßig und intensiv? Decken sie graues Haar ab? Schädigen sie das Haar? Lassen sie sich einfach anwenden?

Vier Produkte über­zeugten die Prüfer und die Friseure, die unseren Test begleitet haben. Diese Tönungen schneiden gut ab. Ein Anbieter liegt sowohl mit dem Farbton Honigblond als auch mit der samtigen dunklen Kirsche vorn: Poly Palette Perfect Gloss Color. Beide Produkte sorgen für einen intensiven Farb­ausdruck und decken graue Strähnen zuver­lässig ab. Fünf Intensivtönungen sind befriedigend, eine ist nur ausreichend.

Enttäuschendes Noisette

Farb­ausdruck und -intensität sind für die Produkte kein Problem. Im Gegen­teil: Acht der zehn geprüften Tönungen erreichen in dem Prüf­punkt sogar die Spitzennote sehr gut.

Ein weiteres Kapitel ist die Halt­barkeit. Anders als Permanent­haar­farben waschen sich Intensivtönungen im Laufe der Zeit wieder aus. Garnier, L‘Oreal, Schwarz­kopf und Poly Palette versprechen, dass die Farben „bis zu acht Wochen“ im Haar bleiben. Ross­mann nennt 24 Haar­wäschen, die die Intensivtönungen über­dauern sollen – deutlich länger als bei einfachen Tönungen (Tönen oder färben?).

Doch nicht alle Produkte erfüllen die Versprechen. Vor allem die Garnier-Movida-Pfle­gecreme im Farbton Noisette verblasst vergleichs­weise schnell. Graue Haare deckt sie nicht voll­ständig ab. Insgesamt tönt sie ungleich­mäßiger als die Konkurrenz. Außerdem ist sie vergleichs­weise dünn­flüssig. Mit der Note ausreichend bildet sie das Schluss­licht im Test.

Spitzennoten für die Farb­intensität

15 bis 30 Minuten sollen die Intensivtönungen einwirken, um „brillanten Glanz“, „maximale Farb-Lebendig­keit“ oder Farben „so atemberaubend leuchtend wie die Natur“ ins Haar zu zaubern. So versprechen es die Anbieter auf den Verpackungen. Wir haben die Tönungen den Gebrauchs­anleitungen entsprechend angewendet und das Ergebnis vom Friseur beur­teilen lassen. Farb­ausdruck und -intensität sind bei den meisten Produkten sehr gut (Testergebnisse: Haartönungen 5/2016)

Tina hat sich nicht an die Angaben auf der Verpackung gehalten. „Ich habe die Tönung zwar fünf Minuten länger einwirken lassen, aber von einer intensiven Farbe kann ich hier nicht gerade sprechen“, berichtet sie im Internetforum.

Tipp: Es ist nicht ratsam, die Einwirk­zeit über das auf den Packungen angegebene Maß auszudehnen. Kopf­haut und Haaren tut das keinen Gefallen, auch das Farberg­ebnis kann leiden. Und nicht jede Intensivtönung eignet sich für jede Ausgangs­haarfarbe. Anhand der Farbton-Nuancen auf den Packungen können Sie die eigene Haarfarbe und das zu erwartende Tönungs­ergebnis vergleichen.

Eine andere Farbe als erwartet droht auch, wenn die Haare zuvor mit einem Natur­produkt wie Henna gefärbt wurden. Dann ist es besser, auf chemische Färbe­mittel voll­ständig zu verzichten, bis die Naturfarbe heraus­gewachsen ist.

Haut­verträglich­keit nicht testen

Intensivtönungen bestehen aus genau aufeinander abge­stimmten Komponenten. „In den verwendeten Konzentrationen geht von den Stoffen kein gesundheitliches Risiko aus“, sagt Annegret Blume, Geschäfts­führerin der Kosmetik­kommis­sion des Bundes­instituts für Risiko­be­wertung (BfR). Die Vermutung, dass Haarfärbe­mittel Blasen­krebs verursachten, sei inzwischen über­holt. „Einige Stoffe haben allerdings ein hohes Allergie­potenzial“, sagt Blume. Daher gelte es, Warnhin­weise zu beachten. „Wer von einer bestehenden Allergie weiß, sollte die Liste der Inhalts­stoffe sehr genau lesen und die Produkte im Zweifels­fall nicht benutzen.“

Tipp: Die Stiftung Warentest und das BfR raten von Allergie- und Haut­verträglich­keits­tests 48 Stunden vor der eigentlichen Anwendung ab – auch wenn alle Anbieter im Test dieses Vorgehen empfehlen, etwa auf einem kleinen Hauta­real hinter dem Ohr oder in der Armbeuge. „Durch derartige Selbst­tests wird die Kontakt­zahl bewusst erhöht. Eine Allergie kann so erst entstehen“, warnt Blume.

Durchweg sehr gut war der Zustand der Haare direkt nach dem Tönen. Sie glänzten und ließen sich leicht kämmen. Dennoch: Jedes Tönen oder Färben kann Kopf­haut und Haare schädigen. Regel­mäßig eine Kur ins Haar – das hilft und ist auch ein guter Start in den Frühling.

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