Haargel im Test

Poly­mere: Risiko für Mensch und Natur?

Alle 15 Haargele im Test enthalten lösliche Poly­mere: bei 13 sind sie synthetischen, bei 2 natürlichen Ursprungs. Sie alle bilden auf dem Haar einen festigenden Film. Auch in anderen Kosmetika kommen Hunderte solcher Stoffe zum Einsatz: In Sonnen­schutz­mitteln etwa verbessern sie die Wasser­festig­keit, Duschgele machen sie dicker.

Haargel im Test Testergebnisse für 15 Haargele 09/2018

Inhalt

Kein Mikro­plastik

Die löslichen, synthetischen Poly­mere ähneln in ihrer chemischen Struktur festen Kunststoffen, darum zählen einige Umwelt­verbände wie der BUND sie zu Mikro­plastik. Umwelt­bundes­amt, EU und das Umwelt­programm der UN tun das nicht: Als Mikro­plastik definieren sie feste, nicht wasser­lösliche Kunst­stoff­partikel, die kleiner als fünf Milli­meter sind. Mikro­plastik belastet nach­weislich in Gewässern lebende Organismen.

Kein Pauschal­urteil

Lösliche Poly­mere haften sich an Oberflächen an, in Klär­anlagen lassen sie sich darum gut aus dem Abwasser entfernen. „Sie werden über­wiegend mit dem Klär­schlamm entsorgt“, sagt Lutz Nitschke, der als Mitglied des Haupt­ausschusses Detergenzien der Gesell­schaft Deutscher Chemiker Umwelt­aspekte von Wasch- und Reinigungs­substanzen bewertet. Ein Teil des Klär­schlamms landet jedoch als Dünger wieder auf Feldern. Auch können Reste die Klär­anlagen unbe­schadet passieren. „Modell­rechnungen zufolge gelangen Poly­mere nur teil­weise ins Oberflächen­wasser“, sagt Nitschke. Viele der synthetischen Poly­mere, etwa Carbomer, PVA und PVP, sind schwer biologisch abbaubar. Welche Folgen das für Wasser­organismen hat, lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt auch davon ab, welche Mengen einge­setzt werden und wie toxisch sie sind. Gesund­heits­risiken für Menschen sind daraus nicht ableit­bar.

Fazit: Keine ausreichende Daten­lage

Bewertet haben wir die Poly­mere nicht. Ihre Umwelt­wirkung ist schwer abzu­schätzen – oft fehlen die erforderlichen Daten. Wer zu Naturkosmetika greift, ist auf der sicheren Seite – in ihnen sind synthetische Poly­mere tabu.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 28.04.2014 um 12:40 Uhr
@lagunnar

Grundsätzlich kann jede Substanz im Einzelfall - abhängig von der individuellen Empfindlichkeit - unerwünschte Hautreaktionen beim Anwender auslösen, was dann allerdings dem Produkt schwerlich anzulasten ist. Selbst gegenüber natürlichen Bestandteilen (z.B. Harze, ätherische Öle) können Allergien oder Überempfindlichkeiten entwickelt werden. Hautreaktionen sind nicht per se den Parabenen zur Last zu legen. Mit Hilfe eines Allergologen kann man klären, welche Substanz die Hautreizungen hervorruft, so dass diese künftig gemieden werden kann. Eine Stellungnahme zum Einsatz von Parabenen als Konservierungsstoff und zur BUND-Liste sind unter folgendem Link zu finden: www.test.de/Parabene-als-Konservierungsmittel-in-Kosmetika-Unnoetige-Verunsicherung-4590686-0/ (BP)

lagunnar am 24.04.2014 um 20:11 Uhr
Bloß kein Wella

Ich benutzte das Wella-Gel seit lagem und war von den Stylingeigenschaften her sehr zufrieden ABER ich habe festgestellt, dass meine Kopfhaut sehr sehr drunder leidet. Ich dachte immer, ich hätte die offenen Stellen meiner Kopfhaut wegen Stress, irgendeiner Mangelerscheinung oder zu wenig Schlaf aber nein!
Nachdem ich das Gel mal für eine Woche abgesetzt habe, waren alle pickelähnlichen oder z.T. auch schorfigen Stellen und offenen Wunden weg.
Ich habe dann mal geschaut auf der Tox Fox Seite des BUND und siehe da... Wella hat hormonell wirksame Stoffe als Konservierungsmittel im Einsatz. Dafrage ich mich doch, wie so ein Produkt ein "Gut" von der Stiftung Warentest bekommen kann.
Ich finde das skandalös, das so gesundheitsschädliche Produkte sogar noch angepriesen werden.
Also: Finger weg von Wella!