Bei Haarfarben aus der Drogerie können Sie „gute“ bis „mangelhafte“ erwischen. Bei den Brauntönen ist die Auswahl an „guten“ Produkten größer als bei den getesteten Rottönen.

Die Haare gefärbt? Für manchen Mann ist das eine Unterstellung. Dem Kanzler war sie sogar den Gang vor Gericht wert. Frauen sind da anders. Sie stört es selten, wenn ihre Haarfarbe offensichtlich aus der Tube kommt. Noch nie sah man so viele künstlich errötete Schöpfe, noch nie wurde Grau so spät sichtbar.

Haarefärben peppt auf, zwingt Grau raus – und kostet viel Geld. Zumindest beim Friseur. Die Alternative ist Selbermachen. Halten diese Farben, was sie versprechen? Immerhin ist auf den Packungen von intensiver Farbe die Rede, von perfekter Abdeckung und dauerhafter Farbfrische. Um das zu klären, mussten 140 Frauen ihre Köpfe für je sieben dunkelbraune und rote Haarfarben hinhalten. Was nach 20 bis 30 Minuten Einwirkzeit zustande kam, war farblich mitunter mehr als nur haarscharf daneben.

Rot: Selten farbgenau

Eine einfache Tönung ist schnell ins Haar gebracht und bald herausgewaschen. Da ist es nicht so schlimm, wenn das Braun oder Rot nicht ganz den Wünschen entspricht. Anders bei Farben, die länger halten: Wer seinen Haaren bei vergleichsweise komplizierter Anwendung so viel Chemie zumutet, erwartet auch, dass die Farbe den versprochenen Ton trifft. Tut sie aber nicht immer. Vor allem nicht bei den Rottönen. Diese Farben waren sehr viel unzuverlässiger als die braunen Töne. Zum Beispiel Wella Viva: Der leuchtend rote Schopf auf der Packung wurde selten erreicht, meist fiel das Ergebnis dunkler aus. Auch Londa lag oft daneben. Und Polycolor Dunkle Kirsche/Burgunder produzierte bei dunklem Ausgangston oft fast völlig schwarze Köpfe mit Rot nur als Schimmer. Dazu die Empfehlung der Schwarzkopf-Hotline: Abwarten oder mit Aufheller rangehen – was aber auch kein sicheres Farbergebnis liefert und die Haare außerdem zusätzlich strapazieren würde.

Auch bei Brauntönen kam es vor, dass sie dunkler ausfielen – je nach Grundfarbe der Haare. Gelegentlich stellte sich der angepriesene Farbton erst nach einer Wartezeit von vier Wochen ein, wenn sich die Farbe teilweise verflüchtigt hatte. Da bleibt wohl nur: Beim Nachfärben zur nächsthelleren Nuance greifen, um irgendwann den gewünschten Ton zu treffen.

Gleichmäßigkeit: Meist o. k.

Auch wenn der Farbton nicht ganz getroffen war – dafür war die Färbung meist recht gleichmäßig von der Wurzel bis zur Spitze verteilt. Das Problem: Geschädigtes Haar nimmt Farbe oft stärker an. Beispielsweise an den Spitzen, die den bleichenden UV-Strahlen und strapazierenden Färbungen oder Intensivtönungen am längsten ausgesetzt sind. Anders das kurze Stückchen Haar, das in den letzten vier Wochen das Licht der Welt erblickt hat: Es ist noch nicht geschädigt, hat geschlossene Schuppen, ist aber oft deutlich grauer als gefärbtes, ehemals graues Haar, das schon Farbpartikel in sich trägt.

Grau: Meist gut gedeckt

Nach dem Färben war Grau meist verschwunden, bei den Brauntönen noch besser als bei Rot. In der Grauabdeckung waren alle Produkte mindestens „gut“. Die Brauntöne von L´Oréal und Londa bekamen sogar ein „Sehr gut“. Allerdings verbergen sich hinter diesen Durchschnittsnoten Unterschiede: Nicht jede Frau war mit dem neuen Farbton glücklich, vor allem bei Rot. Gelegentlich fielen ehemals graue Haare heller aus als die anderen auf dem Kopf. Solche Unregelmäßigkeit mag manche freuen, weil sie natürlicher wirkt. Sie verärgert aber, wenn man auf eine perfekte Grauabdeckung durch die Farbe gebaut hatte.

Dauerhaft: Das heißt nicht ewig

Jeder Friseur weiß: Keine Farbe hält wirklich ewig. Zumindest nicht das volle Farbspektrum. Denn nur die größeren Moleküle der Basisfarben sind permanent im Haar verankert. Nicht so manche Farbpartikel, die vielleicht Nuancen geben. Sie sitzen – je nach Qualität des Entwicklers – weniger dauerhaft im Haar, zum Teil sogar nur darauf. Und sie waschen sich mit der Zeit heraus. Friseure kennen den Auswascheffekt vor allem bei Rotnuancen, was sich in unserem Test bestätigt hat. Dazu kommen UV-Strahlen, die vor allem mit Salzwasser immer bleichen, egal ob die Farbe natürlich oder künstlich ist.

Als wir die Haare nach vier Wochen kontrollierten, war besonders bei den Rottönen einiges von der Pracht geschwunden. Guhl Living Colors, Londa und Poly Color konnten wir hier nur ein „Ausreichend" attestieren. Manche Farben – vor allem die braunen – waren aber im Wesentlichen noch so wie zu Beginn.

Farbskalen: Hilfreich

Immerhin: Bis auf Londa hatten alle Produkte eine Farbskala. Sie zeigt, dass die eigene Haarfarbe das Ergebnis der Färbung beeinflusst. Mit anderen Worten: Auch wenn es sich um Farben handelt – den natürlichen Farbton können sie nicht immer völlig überdecken, zumindest diese Produkte nicht. Auf manchen Packungen weisen die Hersteller auch darauf hin, dass nicht mehr als zwei Stufen Aufhellung zu schaffen sind. Es sei denn, die Haare werden vorher gebleicht.

Trotzdem: Wenn Packungen und Gebrauchsanweisungen anstelle von Werbelyrik mehr aufklärende Prosa enthielten, könnte manche Enttäuschung milder ausfallen. Denn Farben wirken nicht unbedingt auf jedem Haar gleich, selbst dann nicht, wenn der eigene Ausgangston zur Farbskala auf der Packung passt.

Zubehör: Manchmal sehr mager

Der Frust beginnt manchmal schon bei der Vorbereitung: So zum Beispiel, wenn man bei Poly Color und – je nach Packung – auch bei Londa plötzlich noch einen Pinsel zum Auftragen auftreiben muss, was nicht deutlich auf der Packung steht. Schwarzkopf Poly Color spart sich obendrein die unverzichtbaren Handschuhe. Bei Poly Diadem aus demselben Haus sind sie dabei. Dieses Produkt ist zwar teurer. Dafür reicht es wenigstens für einen halblangen Schopf. Wer aber zum ersten Mal mit Poly Color hantiert, wird das Färben wohl frustriert abbrechen: Die Menge reicht nur für sehr kurzes Haar oder den nachgewachsenen Ansatz. Wovon auf der Packung nichts zu lesen ist. Wegen der Tücken bei Vorbereiten und Auftragen kassierten beide Schwarzkopf Poly Color ein „Mangelhaft“.

Auch bei Wella Viva sind Überraschungen inklusive – wegen des Materials der Auftragflaschen: Einige bekamen beim Auftragen einen Riss, wobei schon mal etwas Farbe durch den Salon spritzte.

Wie die Farbe entsteht

Die Haare färben – das heißt immer: Es kommen viele chemische Substanzen zusammen, die teilweise sehr schnell miteinander reagieren. Die chemischen Reaktionen beginnen, wenn Farbemulsion und Entwickler gemischt werden. Anfangs sieht die Emulsion auf den Haaren vielleicht rot oder ganz hell aus, meist jedenfalls nicht wie die gewünschte Farbe.

Die entsteht nach und nach, wenn aus den winzigen Farbvorstoffen durch Oxidation größere Farbmoleküle werden. Sie sind dann schon wegen ihrer Größe fest im Haar verankert. Um die Farbvorstoffe aufzunehmen, muss das Haar aufquellen. Das besorgen alkalische Stoffe wie Ammoniak, das stechend riecht, was Parfümierung überdecken kann.

Auch das für die Oxidation erforderliche Wasserstoffperoxid ist in der Farbemulsion enthalten. Es bleicht das Haar auch etwas, um ein einheitlicheres Farbergebnis zu bewirken. Die Qualität des Entwicklers, der die Farbmoleküle zusammenkoppelt, spielt ebenfalls eine Rolle, ebenso eventuell die Mixtur weniger dauerhafter Farbteilchen, die für Nuancierungen sorgen. Feineres Haar nimmt Farbe meist eher an als dickeres. Auf geschädigtem Haar sieht die Farbe oft anders aus als auf ganz glattem. Geschädigt heißt: Die Schuppenschicht der Haare ist nicht mehr ganz geschlossen. Das bewirken Dauerwellen und Färben, aber auch UV-Strahlen und Salzwasser.

Alles in allem: Für die Haare ist jedes Färben eine Strapaze. Daher enthält die Farbemulsion meist noch Stoffe, um die aufgequollene Schuppenschicht wieder zu schließen. Und deswegen sind anschließende Pflegespülungen nützlich.

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