Selbst gefärbt schwindet Grau billiger als beim Friseur. Aber fünf von 21 Farben sind nur „ausreichend“. Testsieger bei den Brauntönen ist Wella Viva, bei Kastanie L'Oréal Récital.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test:Haarfarben.

Einfach war das nicht. Für diesen Test mussten wir über 500 Frauen finden – je 30 pro Haarfarbe im Praxistest. Denn nur der kann zeigen, ob Selberfärben wirklich klappt. Bedingung für jede der Frauen: graue Strähnen und trotzdem keine gefärbten Haare. Das gibt es nicht oft. Was die Suche weiter erschwerte: Die Damen mussten risikofreudig sein. Schließlich konnten wir nicht garantieren, dass die Farbe tatsächlich so ausfällt, wie die Packung versprach.

Billigste „gute“ Farbe für 2,35 Euro

In früheren Tests lag so mancher frischgefärbte Schopf im Farbton deutlich daneben. Was das angeht, sind die Ergebnisse diesmal besser. Ideal ist das Testergebnis dennoch nicht: Keine Haarfarbe ist „sehr gut“, knapp jede vierte nur „ausreichend“. Immerhin: Die Hälfte der 21 Farben (mit Gleichheiten) schaffte ein „Gut“. Das Urteil findet sich bei den Braun- wie auch den Kastanientönen, die wegen ihres Rotanteils als schwieriger gelten. Einige „gute“ Farben sind ausge­sprochen billig: Zu Mokka von Londacolor für 2,35 Euro gesellen sich zwei Gleichheiten zum selben Preis . Mit 8,95 Euro preisliche Spitze ist die neue 10-Minuten-Coloration von Schwarzkopf, die „befriedigend“ abschnitt.

Haarefärben peppt die eigene, oft als trist empfundene Farbe auf und zwingt das Grau heraus. Obwohl es das gar nicht gibt. Was wir als Grau wahrnehmen, ist eine optische Täuschung: Es sind weiße Haare in – noch ­– farbiger Umgebung. Ihnen fehlt das natürliche Farbpigment Melanin, das meist schon ab 20 bis 30 Jahren immer mehr abhanden kommt. Mit 50 Jahren ist dann oft schon jedes zweite Haar weiß.

Wer jetzt zu einer Tönung greift, wird enttäuscht. Die kann die eigene Haarfarbe nur überlagern und wäscht sich schnell heraus. Anders die vergleichsweise aggressiven Farben, die Farbmoleküle im Haar regelrecht verankern. Ein gutes Produkt sollte jedes einzelne Haar gleich färben, egal, ob es noch Farbpigmente hat oder nicht. Das versprechen zumindest die Packungen mit den aufgedruckten Farbskalen und Aussagen wie „Perfekte Grauabdeckung“.

Die Praxis sieht anders aus. Friseure wissen: Das Farbergebnis hängt auch von der Haarstruktur ab. So nimmt feineres Haar Farbe meist eher auf als dickeres. Und auf geschädigten Haaren fällt der Farbton oft anders aus, was sich an sonnengebleichten Strähnen und gesplissten Spitzen zeigt. Schon deshalb sind für eine solide Bewertung viele Praxisversuche erforderlich. So zeigte sich beispielsweise, dass beim Testsieger Wella Viva das Mittelbraun öfter mal dunkler wurde als versprochen.

Im Farbton öfter mal daneben

Am besten traf das billige Londacolor Mokka den Ton. Die schlechtesten Ergebnisse bei der Farbgenauigkeit zeigten das Goldbraun von Aldi (Nord) Kyrell, das nicht wie auf der Farbskala angegeben ausfiel, und das Mokkabraun von Rossmann Accent, das in jedem zweiten Fall viel dunkler war, als auf der Farbtonskala. Weniger zufriedene Mienen auch bei Aldi (Süd) Kür Kastanie, das einen mittelblonden Farbton aufs Haar brachte – von kastanientypischem Rotschimmer keine Spur. Mit den Aldi-Produkten fiel die Färbung auch weniger gleichmäßig aus, was sonst alle „gut“ schafften.

Gründlich gegen Grau

Mit dem Grau ist das so eine Sache. Schwindet es nicht perfekt, muss das nicht stören. Viele finden nicht ganz so einheitlich eingefärbte Haare natürlicher. Andererseits versprechen die Farben 100-prozentige oder auch perfekte Grauabdeckung. Die meisten Farben schafften das im Durchschnitt „gut“. Mit am zuverlässigsten waren zwei Produkte, die aber bei der Farbgenauigkeit am deutlichsten daneben lagen – das Mokkabraun von Rossmann und Kastanie von Aldi (Süd). Fazit: gründlich gefärbt, nur nicht ganz so wie anfangs gewünscht.

Deutlich heller nach einigen Wochen

Haarfarben Test

Messbar: Laborprüfungen zeigen, wie schnell das Haar im Licht ausbleicht. Ganz links Wella Viva mit „guter“ Lichtbeständigkeit, daneben Rossmann Kastanie mit „mangelhafter“.

Nach vier bis sechs Wochen ist Nachfärben angesagt, dann ist die natürliche Farbe – ob mit oder ohne Grau – zu einem sichtbaren Haaransatz nachgewachsen. Bis dahin sollte sich die Färbung in etwa gehalten haben. Farbpigmente schwinden aber mit der Zeit, besonders stark bei Sonne. Das gilt für natürliche Haarfarben wie für künstliche, vor allem für rote Pigmente. Das bestätigte sich, als die rund 500 Frauen nach vier Wochen zur Kontrolle kamen: Nur bei neun der 21 Produkte hielt die Farbe „gut“. Dass Licht- und Waschbeständigkeit Schwachpunkte sind, bestätigten zusätzliche Laborprüfungen. Dabei wurden Naturhaarsträhnen immer wieder gewaschen. Sie wurden 96 Stunden einer Lampe ausge­setzt, die mäßiges Sonnenlicht in unseren Breiten simuliert. Das Ergebnis: Je nachdem, wie lange man sich im Freien aufhält, muss man schon hierzulande oft nach zwei bis drei Wochen mit deutlich hellerem Haar rechnen, erst recht unter südlicher Sonne. „Mangelhaft“ sind hier die Brauntöne Poly Palette Natural colors und l'Oréal Excellence sowie die Kastanientöne von Rossmann und Londacolor (plus einer Gleichheit).

Schneller, aber nicht besser

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Ebenfalls im Labor geprüft: Abfärben auf Textilien (links:Schwarzkopf Diadem Care Gloss, rechts: Re-Nature). Bei nassem Haar gleich nach dem Färben färbte es stärker ab als später bei trockenem.

Neu auf dem Markt sind Produkte, die das Färben in 10 statt bisher in 20 bis 30 Minuten erledigen. Das klingt attraktiv, zumal die mit Oxidationsmittel frisch zusammengemischten Färbecremes auch mal unangenehm riechen und auf der Kopfhaut kribbeln. Im Test bewährten sich die 10-Minüter von l'Oréal und Schwarzkopf nicht schlechter als viele andere. Beide hatten aber gelegentlich Probleme, Grau zu überfärben. Schwarzkopf war da nur „befriedigend“, bei der Farbgenauigkeit waren beide nicht besser. Und das obwohl die fixen Farben für nur hell- bis dunkelbraune Ausgangstöne gedacht sind, also keine so große Farbveränderung erreichen müssen. Garnier Nutrisse zum Beispiel hat ein größeres Spektrum (Dunkelblond bis Schwarzbraun), schafft aber „gute“ Farbgenauigkeit. Die 10-Minuten-Farben sind auch nur „ausreichend“ wasch- und lichtbeständig .

Hochreaktive Chemie auf dem Kopf

Haarfarben Test

Clever: Die Kunststoffflasche mit Entwickler von Garnier Nutrisse steht kippsicher in der Packung.

Färben ist keine Wohltat, jedenfalls nicht für die Haare. Wasserstoffperoxid entzieht ihnen etwas Farbe und ermöglicht so einen einheitlicheren neuen Farbton. Alkalische Stoffe lassen das Haar aufquellen, damit es die winzigen Farbvorstoffe aufnimmt, die sich mithilfe des Wasserstoffperoxids in Windeseile zu größeren Farbmolekülen zusammentun und im Haar andocken. Alle Farben im Test bieten Pflegemittel, um die aufgequollenen Haarschuppen wieder zu glätten. Das klappte auch, der Haarzustand war direkt nach dem Färben meist „ gut“.

Wer mehr Natur zum Färben sucht, könnte enttäuscht werden. Zum Beispiel von Natural Colors Poly Palette: Auch diese Haarfarbe arbeitet mit Wasserstoffperoxid und Farbvorstoffen – und mit Pflegecreme für durch Färben strapaziertes Haar.

Tipp: Lesen Sie die Gebrauchsanleitung. Wo Farbcreme und Entwickler gemixt werden, ist immer reichlich Chemie dabei.

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