Interview: Das Risiko ist minimal

Professor Torsten Zuberbier, Leiter der Europä­ischen Stiftung für Allergieforschung Ecarf und Sprecher des Allergie-Centrums der Charité Berlin (Klinik für Dermatologie und Allergologie).

Was ist mit dem Verdacht, dass Haarfarben Krebs verursachen?

Ausgedehnte internationale Studien aus jüngster Zeit zeigen mit den heutzutage verwendeten Produkten kein erkennbares Risiko.

Haarfarben können Kontaktallergien auslösen. Wie hoch ist das Risiko?

Vor allem einige als Farbvorstufe eingesetzte Stoffe wie 2,5-Phenyldiamin haben ein starkes allergenes Potenzial. Bei Friseuren, die täglich damit umgehen, zählen Kontaktallergien als Berufskrankheit. Für Anwender ist die Gefahr aber sehr gering. Wir sehen in der Klinik solche Patienten nur vereinzelt.

Sind die auf den Packungen empfohlenen Verträglichkeitstests sinnvoll?

Ja. Hautreaktionen wie Rötungen warnen, dass man nicht färben sollte. Dass diese Tests 48 Stunden vor dem Färben bereits eine Kontaktallergie hervorrufen, ist nicht zu befürchten. Die kleinen Mengen der aufgebrachten Färbemittel liegen unter dem Schwellenwert für solche allergischen Reaktionen.

Manche empfehlen, die Färbemittel für den Vortest hinter dem Ohr aufzutragen, andere in der Ellenbeuge?

Das ist von der Wirkung her egal. In der Ellenbeuge sind eventuelle Hautreaktionen aber besser zu kontrollieren.

Bei welchen Warnanzeichen soll man zum Arzt gehen?

Falls die Haut sich rötet, schuppt oder Juckreiz auftritt. Auch 48 Stunden nach Aufbringen der Testmengen sollten sich keine Reaktionen zeigen. Beim Färben kann es aber trotzdem noch zu heftigen Allergiereaktionen kommen, weil die Färbesubstanz auf eine viel größere Hautfläche einwirkt, als auf die kleinen Hautareale im Vortest. Auch die Zeit spielt eine Rolle. Kürzere Einwirkzeiten können das ohnehin minimale Risiko weiter minimieren.

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