Sie träumen von einem leuchtend roten Schopf? Da sind Ihre Chancen beim Selberfärben nicht groß. Wir fanden nur zwei „gute“ Produkte. Und auch bei ihnen schwand das Rot recht schnell.

Heimarbeit schont die Haushaltskasse: Für die 30 Euro, die so mancher Friseur fürs Färben verlangt, kann man das zu Hause bis zu zehnmal selber erledigen. Haarfarben füllen die Drogerieregale gleich meterweise. Eigentlich sollte es also ganz einfach sein, die richtige Farbe zu finden.

Ist es aber nicht, zumindest bei rötlichen Tönen. Das Ergebnis unseres Tests, bei dem über 300 Frauen ihre Köpfe fürs Färben hinhielten, ist ärgerlich. Denn wer seinem Kopf so viel Chemie bei vergleichsweise komplizierter Handhabung zumutet, sollte erwarten dürfen, dass die Farbe stimmt. Schließlich kann man sie ja – anders als bei einfachen Tönungen – nicht wieder herauswaschen. Das frisch gefärbte Haar traf im Test selten den Ton, den die Packungen versprachen. Und nach vier Wochen war das Rot oft weitgehend geschwunden. Die Farbge­nau­igkeit direkt nach dem Färben war bei fast der Hälfte der 17 Haarfarben „ausreichend“ und schlechter. „Sehr gut“ gab es kein einziges Mal. Es blieben nur zwei Produkte, die sich im test-Qualitätsurteil ein „Gut“ verdienten.

Farbgenauigkeit: Selten

Zum Anfassen schön, intensiv faszinierendes Rot, glänzende Farbe – die Versprechungen überschlagen sich fast. Gerade die Farben, die helle auffällige Rottöne ver­hießen, enttäuschten jedoch im Test. So wurde weder bei Wella Viva Glutrot noch bei Garnier Intensives Rot das leuchtende Rot auf der Packung beziehungsweise Farbskala je erreicht.

Gehen die Farbwünsche in eine dunklere Richtung, werden sie eher erfüllt. Typisch war das Beispiel L'Oréal: Dunkel Glutrot wurde bei der Farbgenauigkeit im Durchschnitt mit „gut“ bewertet, das hellere Glutrot aus dem gleichen Haus aber nur mit „ausreichend“. Ganz anders allerdings Schwarzkopf Polycolor Mahagoni 71, das einen dezent dunklen Ton ankündigt. Der wurde praktisch nur dann einigermaßen getroffen, wenn die Haare schon ziemlich grau waren. Sonst fiel das Farb­ergebnis sehr unterschiedlich aus, dabei oft zu dunkel mit wenig Rot.

Haltbarkeit: Begrenzt

Mit am besten traf noch pura vera von Börlind den Ton. Allerdings: Nach vier Wo­chen war von dem ehemals recht leuch­tenden Rot praktisch kaum etwas zu sehen. Schlechter war beim Farberhalt nur noch das in diesem Punkt ebenfalls „ausreichende“ Henna plus Henna Red. Besser als „befriedigend“ hielt keine Farbe. Diese Durchschnittsnoten schließen auch schlechtere Bewertungen ein. Das ist nicht zuverlässig und auch nicht wirklich „permanent“ oder „dauerhaft haltbar“, wie die Packungen versprechen.

Eigentlich ist es bekannt: Keine Farbe hält ewig, zumindest nicht das volle Farbspektrum. Deutlich ist der Auswascheffekt vor allem bei Rottönen. Dazu kommt bei allen Farbtönen die Bleichwirkung von UV-Strahlen – egal ob die Farbe künstlich oder natürlich ist. Was nach vier Wochen blieb, reichte je nach Ausgangshaarfarbe und Färbeprodukt von dunkelbraunen, manch­mal fast schwarzen Haaren ohne Rotanteil bis zu solchen, die vorher hell oder sehr grau waren und nun beispielsweise karottig oder rosa schimmerten. Mit dem auf der Packung angepriesenen Ton hatte das manchmal kaum noch etwas zu tun.

Grauabdeckung: Lässt nach

Wer sich die Haare färbt, will oft sein erstes oder schon recht üppiges Grau loswerden. Das klappte – wie auf der Packung versprochen – zwölfmal „sehr gut“. In Ausnahmefällen war das sogar nach vier Wochen noch so, und zwar bei den Farben der Discounter: Rossmann Accent Gra-natrot sowie Pinot Red von Aldi Nord und Süd. Allerdings: Auch diese Farben waren von vornherein dunkler als angekündigt. Selbst wenn die neue Farbe das Grau verdeckt: Ehemals graue Haare können heller aussehen als vormals dunkle. Gleich­mäßig wirkt das jedenfalls nicht auf dem Schopf. Auch gesplisste Spitzen schimmern mal heller – oder auch dunkler. Das zeigte sich vor allem nach vier Wochen, und zwar bei jedem zweiten Produkt. Es ist aber gut möglich, dass manche Frauen ein we­nig Ungleichmäßigkeit mögen, weil das na­türlicher wirkt. Wer aber auf die versprochene perfekte Grauabdeckung setzt, wird enttäuscht sein.

Pflege: Meist „gut“

Wenn auch an Versprechen wie „tiefenwirksame Pflegekur“ und „flüssige Seide“ nicht gespart wird: Färben ist kein Wellnessbad. Damit sich die Farbpartikel festsetzen, wird das Haar beim Färben aufgeraut. Pflegende Substanzen im Färbemittel sollen das ausgleichen. Pflegespülungen nach dem Färben helfen, die Schuppenschicht der Haare wenigstens teilweise wieder zu glätten. Das klappte bei fast allen „gut“. Nicht so bei den Aldi-Farben, die keine Pflegespülung mitliefern: Nach dem Färben war der Haarzustand nur „befriedigend“. Ähnlich bei Schwarzkopf Mahagoni 71: Die Haare wirkten oft porös und ließen sich nicht gut kämmen.

Alternativ: Ebenfalls Chemie

Zwei Produkte haben wir im Reformhaus und im Bioladen eingekauft: pura vera von Börlind „mit natürlichen Pflegestoffen“ und Henna plus Henna Red. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe – die man bei Henna plus nur mit der Lupe lesen kann – zeigt: Auch hier ist ganz konventionelle Chemie am Werk, auch dies sind oxidative Haarfarben. Henna plus kassierte sogar das einzige „Mangelhaft“, weil es den versprochenen satten Rotton nie traf. Der Farberhalt war nicht viel besser. Schon beim Abtrocknen der Haare blieben überreichlich Spuren im Handtuch.

Praxis: Mit Tücken

Selberfärben macht Mühe. Schön, wenn einfach zu benutzende Auftragflaschen wie bei L'Oréal das erleichtern. Das Negativbeispiel: Bei Schwarzkopf Mahagoni 71 muss man sich erst einen Färbepinsel und eine Schale zum Mixen der Bestandteile und zum Auftragen besorgen. Das klappte nur mühselig und beim Mixen blieben oft Farbpartikel unlösbar zurück.

Auch sonst gibt es reichlich Raum für Verbesserungen. Schwarzkopf Poly Brillance verspricht groß auf der Verpackung „perfekte Grauabdeckung“ und macht ganz unten auf der Rückseite kleinge­druckt die Einschränkung „für leicht ergrautes Haar“. Aldi hat sich zu einer Farbskala mit Ausgangston und Färbeergebnis erst durchgerungen, nachdem die Firma wusste, dass die Farbe im Test ist.

Manche Farbskalen versprechen mehr, als sie halten: Dunkelbraunes Haar zu leuchtendem Glutrot zu machen (L'Oréal 6.64 G), ist uns jedenfalls nicht gelungen. Anderswo wird wohl nicht umsonst betont, dass beim Färben mit solchen Selber­machprodukten eine Aufhellung um mehr­ere Stufen kaum möglich ist.

Tipps

Finden: Für die Auswahl des neuen Farbtons muss die eigene Haarfarbe bestimmt werden. Hilfreich: eine Haarsträhne an eine Farbpalette im Geschäft halten, dann die neue Farbe auswählen.
Verzichten: Bei empfind­­licher, gereizter oder ver­letzter Kopfhaut besser nicht fär­ben.
Nicht selber testen: Lassen Sie einen Allergietest lieber sein. Hautärzte be­to­nen, dass das gelegent­lich empfohlene 48-stün­dige Auftragen von Farbemulsion hinter dem Ohr Allergien fördern könnten.
Einwirken: Befolgen Sie auf alle Fälle die Anwendungshinweise. Längere Einwirkzeiten und mehr Wasserstoffperoxid oder Heißluft könnten die Wirkung auf Haut und Haare verstärken.
Nicht waschen: Ohne vorherige Haarwäsche schützt die natürliche Fett- und Schuppenschicht die Kopfhaut besser.
Anziehen: Handschuhe beim Auftragen und Ausspülen mindern Allergierisiken und Anfärbungen.
Schützen: Decken Sie die Schultern ab. Farbflecken sind kaum zu entfernen.
Eincremen: Ein Streifen fetthaltiger Creme an der Stirn und Gesichtsseite lässt dünnflüssige Farbe nicht weiterlaufen.
Entfernen: Hautanfärbungen sollten Sie gleich entfernen, zum Beispiel mit Wasser, Shampoo, Alkoholpads oder Zitronensaft. Der Geheimtipp der Friseure: Zigarettenasche auf ein Wattestäbchen geben und die Farbe damit abreiben.
Aufhellen: Das Haar aufhellen können die getesteten Farben nur begrenzt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3498 Nutzer finden das hilfreich.