Haar­entfernung Special

Glatte Beine, unbe­haarte Achseln: Um Haare loszuwerden, greift laut Umfragen mehr als jede zweite Frau in Deutsch­land zum Rasierer. Andere epilieren, nutzen Wachs oder Creme, behandeln ihre Härchen mit Laser oder Licht. Wenn die Hosen kürzer werden und die Temperaturen höher, beschäftigen sich viele mit denselben Fragen zum Thema Haar­entfernung. Die Kosmetik­experten der Stiftung Warentest sagen, welche Methode für wen die beste ist.

Wie vermeide ich Schnitt­wunden bei der Nass­rasur?

Stumpfe Klingen sind eine häufige Ursache für Verletzungen. Deshalb gilt: Regel­mäßig wechseln! Eine allgemeingültige Regel, wie häufig man die Klingen austauschen sollte, gibt es nicht. Sehr gute Rasierer halten aber mehr als 20 Rasuren durch, wie wir aus unseren Tests wissen. Auch verunreinigte Klingen können Schnitt­wunden verursachen: Also bei der Rasur zwischen­durch die Haare und den Schaum mit Wasser heraus­spülen. Ebenfalls beachten: Nicht zu stark aufdrücken, lieber den Klingen die Arbeit über­lassen und den Rasierer in einem kleinen Winkel sanft über die Haut führen – vor allem bei frisch gewechselten Klingen, denn sie sind noch besonders scharf.

Welche Hilfs­mittel brauche ich für eine schonende Nass­rasur?

Viel ist nicht erforderlich. Es empfiehlt sich, die Haut vor der Rasur mit warmem Wasser nass zu machen und anschließend Rasierschaum oder Duschgel zu verwenden. So gleiten die Klingen geschmeidig über die Haut. Unter der Dusche ist das besonders praktisch. Das warme Wasser entspannt die Poren. Auf trockener Haut sollte ein Nass­rasierer nicht zum Einsatz kommen, da so das Risiko für Schnitt­wunden steigt. Wer mit Grau statt Rosa kein Problem hat, kann Herrenrasierer nutzen – preislich machen Einwegrasierer keinen Unterschied. Teurere Systemrasierer sind oft weiblicher Anatomie angepasst.

Wie sollte ich meine Haut nach der Haar­entfernung pflegen?

Jede Form des Haar­entfernens stresst die Haut. Sie braucht danach eine beruhigende Pflege, etwa durch milde, feuchtig­keits­spendende Lotionen. Von besonders fett­reichen Cremes ist abzu­raten, sagt Maja Hofmann, Ober­ärztin für Dermatologie an der Universitäts­klinik Charité, Berlin: „Sie können die bakterielle Besiedlung der Haut verschlechtern. Beim Rasieren kommt es zu Mikrotraumen, das sind kleinste Verletzungen auf der Haut. Hier können sich Bakterien ansiedeln. Durch fett­haltige Cremes bildet sich darauf ein undurch­lässiger Fett­film, sodass die Bakterien fest­gehalten werden.“ Zudem gehört auf frisch rasierte Achseln kein Deo mit Aluminiumsalzen. Lieber abends rasieren und morgens Deo auftragen. Bei sehr empfindlicher oder trockener Haut ist mehr Vorsicht geboten. Welche Methode der Haar­entfernung am besten ist, muss jede Frau für sich heraus­finden, da hilft nur probieren.

Wachsen Haare nach der Rasur dicker und dunkler nach?

Nein – das, was aussieht wie dickeres Haar, ist lediglich eine optische Täuschung. Dermatologin Hofmann erläutert: „Da die Haare direkt an der Haut an ihrer dicksten Stelle im Quer­schnitt abge­kappt werden, wirken sie beim Nach­wachsen dicker. Der Effekt ist vergleich­bar mit einem Friseur­besuch, nach dem die Haare mehr Volumen zu haben scheinen.“

Was sind die Ursachen für einge­wachsene Haare?

Haare wachsen ein, wenn sie nicht mehr an die Haut­oberfläche gelangen können. Das passiert, wenn abge­storbene Hautschüpp­chen und Talg den Wachs­tums­kanal blockieren. Auch eng anliegende Kleidung kann dafür sorgen. Deswegen sind etwa bei engen Jeans die Oberschenkel betroffen oder wegen der Unterhose der Intim­bereich. Auch der Haar­typ ist mit verantwort­lich: Menschen mit krausem oder dickem Haar haben eher mit dem Problem zu tun als Leute mit feinen und glatten Haaren.

Wie kann ich einge­wachsene Haare verhindern?

Vorbeugen lässt sich mit einem Hautpee­ling, um eine Verstopfung der Poren zu verhindern. Aber Vorsicht: Nicht direkt vor der Haar­entfernung peelen, lieber ein bis zwei Tage vorher. Laut Ober­ärztin Hofmann treten einge­wachsene Haare nach einer Epilation seltener auf. Beim Epilieren wird das Haar an der Wurzel heraus­gerissen. „Dadurch wachsen mit der Zeit weniger Haare nach und in der Folge besteht ein geringeres Risiko für einge­wachsene Haare.“ Wenn das alles nichts bringt und es trotzdem zu einge­wachsenen Haaren kommt, hilft es, die betroffene Stelle zu desinfizieren. Vor allem ist aber Geduld wichtig: Nicht mit scharfen Gegen­ständen versuchen, das einge­wachsene Härchen heraus­zupulen oder mit den Fingern daran zu kratzen, sonst kann sich die Stelle entzünden. Ist die Entzündung groß­flächig oder treten starke Schmerzen auf, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Kann ich nach der Rasur direkt in die Sonne oder ins Schwimm­bad gehen?

Das ist davon abhängig, wie sensibel die Haut ist. Badet zum Beispiel jemand mit sehr empfindlicher Haut direkt nach der Rasur im Salz­wasser, kann das die Haut durch­aus reizen. „Generell sind Schwimm­badbesuche nach der Rasur aber unbe­denk­lich“, sagt Dermatologin Maja Hofmann. Wer in die Sonne geht, sollte grund­sätzlich auf einen angemessenen Schutz vor UV-Strahlung achten. Während der Behand­lungs­zeit mit Laser oder Blitz­lampen ist allerdings intensives Sonnenlicht zu meiden. Das gilt auch davor und danach (Rasieren, epilieren, cremen, wachsen oder lasern?).

Warum muss ich mich vor einer Laser- oder Blitz­lampen­enthaarung rasieren?

Die Licht­impulse gelangen bei der Behand­lung über das Melanin, die Farbe des Haares, direkt in die Haarwurzel. Dadurch wird sie zerstört. Sind die Haare nicht abrasiert, nimmt die Wurzel das Licht nicht auf. Das kann Schmerzen bei der Behand­lung verursachen und das Haar an der Oberfläche verbrennen. Die ideale Kombination für eine Behand­lung sind eine helle Haut und dunkle Haare. Sehr blonde oder graue Haare können mit der Methode nicht entfernt werden, ihnen fehlt der Farb­stoff Melanin.

Besteht bei Heimgeräten, die mit Licht­impulsen arbeiten, ein Risiko?

Licht­impulse von Heimgeräten sind zwar geringer als die von professionellen Apparaten im Studio oder beim Dermatologen, doch bei unvor­sichtiger oder unsachgemäßer Nutzung drohen Verbrennungen und Narben. Zudem fehlt bei der Selbst­enthaarung eine fach­ärzt­liche Diagnostik. Ein Arzt kann beur­teilen, ob etwa Leberflecke oder Male gegen das Lasern sprechen. Auf der sicheren Seite ist man deshalb, wenn ein Experte die Enthaarung durch­führt.

Warum ist der menschliche Körper über­haupt behaart?

Bei den biologischen Vorfahren der Menschen schützte eine starke Körperbehaa­rung die Haut vor Sonne und Infektionen. Sie diente auch als Wärme­isolation und hielt bestimme Parasiten fern – Mücken etwa konnten die dichte Behaa­rung nicht durch­dringen.

Woher kommt das Schön­heits­ideal unbe­haarter Haut?

Schon im alten Ägypten, im antiken Rom und im alten Orient entfernten sich Frauen und Männer die Haare. Das hatte hygie­nische, religiöse und – genau wie heute – äste­thische Gründe. Beliebt war zum Beispiel orienta­lische Enthaarungs­paste aus Zucker, Zitronensaft und Wasser. Einige brannten sich ihre Haare vorsichtig mit einer kleinen Fackel ab oder fingen die Härchen mit einem um die Finger gewi­ckelten verkreuzten Faden ein und zupften sie heraus. Später sollen besonders die Lehren von Charles Darwin die gesell­schaftliche Haltung gegen­über Körperbehaa­rung beein­flusst haben, sagt Rebecca Herzig, Professorin für Gender Studies am Bates College in den USA. Die Wissenschaft­lerin forschte zur kulturellen Bedeutung der Körperbehaa­rung und schrieb das Buch „Plucked. A History of Hair Removal“, zu Deutsch: „Gezupft. Eine Geschichte der Haar­entfernung“. Herzig erläutert gegen­über test: „Darwin deutete es als evolutionären Fort­schritt, dass Menschen weniger behaart sind als ihre Vorfahren. So grenzten sie sich auch von Tieren ab.“ Für Darwin und seine Anhänger war Haarlosig­keit ein Zeichen von Sauber­keit und Schönheit. „Die Kosmetik- und Werbeindustrie griff diese Über­legungen auf und machte eine Menge Geld damit“, sagt Herzig.

Nutzer­kommentare, die vor dem 23. Mai 2018 erschienen sind, beziehen sich auf eine Veröffent­lichung aus test 4/2005 zum selben Thema.

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