Glatte Beine, unbe­haarte Achseln: Um Haare loszuwerden, greift laut Umfragen mehr als jede zweite Frau in Deutsch­land zum Rasierer. Andere epilieren, nutzen Wachs oder Creme, behandeln ihre Härchen mit Laser oder Licht. Wenn die Hosen kürzer werden und die Temperaturen höher, beschäftigen sich viele mit denselben Fragen zum Thema Haar­entfernung. Die Kosmetik­experten der Stiftung Warentest sagen, welche Methode für wen die beste ist.

Rasieren, Epilieren, Wachs, Enthaa­rungs­creme, Laser und Blitz­lampe

Wie schön wäre eine Methode, die zugleich schmerz­frei, schnell und lange von Körperhaaren befreit. Bis sie erfunden ist, bleibt die Wahl der best­möglichen. Hier eine Auswahl der gängigsten Varianten.

Für Fleißige: Rasieren

Bei Frauen in Deutsch­land ist das Rasieren die am weitesten verbreitete Methode. Der Rasierer kappt das Haar an der Haut­oberfläche. Schon nach ein bis drei Tagen wachsen wieder Stoppeln nach.

Trocken oder nass? Es gibt drei Arten von Geräten: Einweg-, System- und elektrische Rasierer. Ein Einweggerät muss schlimms­tenfalls nach einigen Rasuren entsorgt werden, ein Systemrasierer hat wechsel­bare Klingen. Beide sollte man mit Rasierschaum verwenden. Für eine Trockenrasur ist nur ein Elektrorasierer geeignet. Das Ergebnis ist aber nicht so glatt wie nach einer Nass­rasur.

Viele Richtungen. Um die Haut auf die Rasur einzustellen, bietet es sich an, zunächst einmal in Wuchs­richtung zu rasieren und erst dann dagegen – vor allem im Intim­bereich. Da Achselhaare in Wirbeln wachsen, sollten sie einmal von oben nach unten, von unten nach oben und jeweils quer von beiden Seiten rasiert werden.

Güns­tige Variante. Ein 5er-Set Einwegrasierer gibts ab gut 70 Cent, Systemrasierer ungefähr ab je 3 Euro – sie kosten aber bis zu 10 Euro. Ersatz­klingen schlagen je nach System mit 70 Cent bis fast 4 Euro zu Buche. Elektrorasierer sind ab 11 Euro zu haben.

Für Mutige: Epilieren

Beim Wort Epilierer verziehen die meisten Frauen das Gesicht. Wie eine rotierende Pinzette reißt das Gerät die Haare direkt an der Wurzel heraus. Die Stiftung Warentest hat Epilierer getestet (Epilierer im Test).

Nichts für zarte Seelen. Menschen mit sehr schmerz­empfindlicher Haut sollten eher nicht zum Epilierer greifen. Jedoch kann sich die Haut bei regel­mäßiger Anwendung an das Epilieren gewöhnen.

Angenehm gestalten. Was hilft: Die Haut mit einer Hand anspannen und den Epilierer mit leichtem Druck verwenden. Vorher nicht vergessen: Die Haare ein wenig kürzen, sonst zupft das Gerät an langen Haaren – das ist unangenehm.

Für die Dusche. Neben Epilierern, die trocken zum Einsatz kommen, bieten einige Anbieter wasser­feste Geräte an. Die lassen sich mit Rasierschaum in der Dusche nutzen.

Länger Ruhe. Epilierer sind mit einer Preisspanne von 20 bis zu 150 Euro vergleichs­weise teuer. Dafür wachsen die Haare bis zu einen Monat nicht mehr nach.

Übrigens: Es gibt zudem noch die sogenannte Faden-Epilation. Sie eignet sich besonders, um Gesichts­haare zu entfernen, und wird etwa in türkischen Friseursalons angeboten. Die Expertin epiliert mit einer mittig mehr­fach über­kreuzten Fadensch­laufe. Durch Auf- und Zuschnappen der Finger zwirbelt das Faden­kreuz nach links und rechts, fängt so die Haare ein und reißt sie aus. Die Technik gilt als gut verträglich und gründlich. Ergebnis: glatt bis zu vier Wochen.

Für Furcht­lose: Wachs

Haare lassen sich mit Wachs entfernen. Wie ein Epilierer reißt das Wachs das Haar an der Wurzel heraus.

Warm oder kalt? Zur Wahl stehen Warm- und Kalt­wachs. Bei der ersten Art trägt man aufgeheiztes, flüssiges Wachs auf. Das erstarrte Wachs lässt sich entweder als Stück abziehen oder mit einem Stoff­streifen. Kalt­wachs­streifen funk­tionieren ähnlich, werden aber nur mit den Händen erwärmt.

Waxen statt wachsen lassen. Wachs umschließt die Haare und reißt sie an der Wurzel heraus. Dadurch ist bis zu einem Monat Haarfreiheit möglich. Zwar ist die Prozedur nicht ganz schmerz­frei, aber die Haut kann sich an das ruck­artige Abziehen des Wachses gewöhnen.

Zuckerpaste. Beliebt ist auch die orienta­lische Paste aus Zucker, Zitronensaft und Wasser. Man mischt die Zutaten, erwärmt sie, knetet sie weich. Das Gemisch kommt auf die zu enthaarende Stelle und wird abge­zogen. Anders als Wachs zieht es nur die Haare und nicht lebende Haut­zellen ab.

Zu Hause oder im Studio? Große Kalt­wachs­streifen in einer 20er-Packung gibts ab gut 4 Euro. Waxing im Studio kann teurer werden. Das hängt auch davon ab, welcher Körperteil von Haaren befreit wird.

Für Unempfindliche: Enthaa­rungs­creme

Nach Rasierern und Epilierern sind auch Cremes zur Haar­entfernung beliebt bei Frauen in Deutsch­land. Die Tube Enthaa­rungs­creme gibts schon für etwas mehr als 1 Euro.

Aufgelöst. Die Creme wird auf die zu enthaarende Stelle aufgetragen. Dann lässt man sie einwirken. Bestimmte Inhalts­stoffe – meist Thioglykolsäure – schwächen in dieser Zeit das Keratin, also die Horn­substanz, im Haar. Dadurch löst es sich auf. Was übrig bleibt, lässt sich mit dem mitgelieferten Spachtel entfernen. Der Rest wird abge­waschen. Das Ergebnis hält gering­fügig länger als nach einer Rasur.

Nichts für Allergiker. Menschen, die zu Allergien und sensibler Haut neigen, sollten lieber die Finger von Enthaa­rungs­cremes lassen. Besonders im Intim­bereich muss man vorsichtig sein. Die Creme darf nicht in Berührung mit Schleimhäuten kommen!

Für Viel­beschäftigte: Laser und Blitz­lampe

Frauen, die lange Ruhe haben wollen, lassen eine Haar­entfernung mit Laser oder Blitz­lampe durch­führen – im Studio oder beim Dermatologen. Inzwischen gibt es auch Heimgeräte auf dem Markt. Beides kann preislich bis in die Hunderte von Euro gehen.

Angegriffene Haarwurzel. Vor der Behand­lung muss man sich rasieren. Der Laser beim Experten arbeitet mit Licht in einer speziellen Wellenlänge, das über das Melanin des Haares zur Haarwurzel gelangt und sie stark angreift. Dadurch kann sie für lange Zeit keine neuen Haare produzieren. Blitz­lampen arbeiten mit kurzen, intensiven Licht­impulsen. Bei Heimgeräten läuft es ähnlich, aber die Impulse sind schwächer.

Nicht über­all verwend­bar. Anwender sollten sich konzentrieren: Muttermale, Sommer­sprossen, Tattoos und Piercings müssen sie bei der Behand­lung aussparen.

Mehr Ruhe. Nach einigen Sitzungen beim Profi wachsen die Haare bis zu einem halben Jahr nicht mehr nach. Mehrere Behand­lungen sind notwendig, da nicht sofort alle Haare erfasst werden können. Heimgeräte müssen für lang­fristigen Erfolg zu Beginn in kürzeren Abständen verwendet werden. Für beide gilt: Mit der Zeit wachsen weniger Haare nach.

Risiken kennen. Risikofrei ist die Methode nicht. Gerade ungeduldige, unvor­sichtige Leute riskieren bei einer Selbst­enthaarung Verbrennungen und Narben.

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Antworten auf Ihre Fragen zur Haar­entfernung

Wie vermeide ich Schnitt­wunden bei der Nass­rasur?

Stumpfe Klingen sind eine häufige Ursache für Verletzungen. Deshalb gilt: Regel­mäßig wechseln! Eine allgemeingültige Regel, wie häufig man die Klingen austauschen sollte, gibt es nicht. Sehr gute Rasierer halten aber mehr als 20 Rasuren durch, wie wir aus unseren Tests wissen. Auch verunreinigte Klingen können Schnitt­wunden verursachen: Also bei der Rasur zwischen­durch die Haare und den Schaum mit Wasser heraus­spülen. Ebenfalls beachten: Nicht zu stark aufdrücken, lieber den Klingen die Arbeit über­lassen und den Rasierer in einem kleinen Winkel sanft über die Haut führen – vor allem bei frisch gewechselten Klingen, denn sie sind noch besonders scharf.

Welche Hilfs­mittel brauche ich für eine schonende Nass­rasur?

Viel ist nicht erforderlich. Es empfiehlt sich, die Haut vor der Rasur mit warmem Wasser nass zu machen und anschließend Rasierschaum oder Duschgel zu verwenden. So gleiten die Klingen geschmeidig über die Haut. Unter der Dusche ist das besonders praktisch. Das warme Wasser entspannt die Poren. Auf trockener Haut sollte ein Nass­rasierer nicht zum Einsatz kommen, da so das Risiko für Schnitt­wunden steigt. Wer mit Grau statt Rosa kein Problem hat, kann Herrenrasierer nutzen – preislich machen Einwegrasierer keinen Unterschied. Teurere Systemrasierer sind oft weiblicher Anatomie angepasst.

Wie sollte ich meine Haut nach der Haar­entfernung pflegen?

Jede Form des Haar­entfernens stresst die Haut. Sie braucht danach eine beruhigende Pflege, etwa durch milde, feuchtig­keits­spendende Lotionen. Von besonders fett­reichen Cremes ist abzu­raten, sagt Maja Hofmann, Ober­ärztin für Dermatologie an der Universitäts­klinik Charité, Berlin: „Sie können die bakterielle Besiedlung der Haut verschlechtern. Beim Rasieren kommt es zu Mikrotraumen, das sind kleinste Verletzungen auf der Haut. Hier können sich Bakterien ansiedeln. Durch fett­haltige Cremes bildet sich darauf ein undurch­lässiger Fett­film, sodass die Bakterien fest­gehalten werden.“ Zudem gehört auf frisch rasierte Achseln kein Deo mit Aluminiumsalzen. Lieber abends rasieren und morgens Deo auftragen. Bei sehr empfindlicher oder trockener Haut ist mehr Vorsicht geboten. Welche Methode der Haar­entfernung am besten ist, muss jede Frau für sich heraus­finden, da hilft nur probieren.

Wachsen Haare nach der Rasur dicker und dunkler nach?

Nein – das, was aussieht wie dickeres Haar, ist lediglich eine optische Täuschung. Dermatologin Hofmann erläutert: „Da die Haare direkt an der Haut an ihrer dicksten Stelle im Quer­schnitt abge­kappt werden, wirken sie beim Nach­wachsen dicker. Der Effekt ist vergleich­bar mit einem Friseur­besuch, nach dem die Haare mehr Volumen zu haben scheinen.“

Was sind die Ursachen für einge­wachsene Haare?

Haare wachsen ein, wenn sie nicht mehr an die Haut­oberfläche gelangen können. Das passiert, wenn abge­storbene Hautschüpp­chen und Talg den Wachs­tums­kanal blockieren. Auch eng anliegende Kleidung kann dafür sorgen. Deswegen sind etwa bei engen Jeans die Oberschenkel betroffen oder wegen der Unterhose der Intim­bereich. Auch der Haar­typ ist mit verantwort­lich: Menschen mit krausem oder dickem Haar haben eher mit dem Problem zu tun als Leute mit feinen und glatten Haaren.

Wie kann ich einge­wachsene Haare verhindern?

Vorbeugen lässt sich mit einem Hautpee­ling, um eine Verstopfung der Poren zu verhindern. Aber Vorsicht: Nicht direkt vor der Haar­entfernung peelen, lieber ein bis zwei Tage vorher. Laut Ober­ärztin Hofmann treten einge­wachsene Haare nach einer Epilation seltener auf. Beim Epilieren wird das Haar an der Wurzel heraus­gerissen. „Dadurch wachsen mit der Zeit weniger Haare nach und in der Folge besteht ein geringeres Risiko für einge­wachsene Haare.“ Wenn das alles nichts bringt und es trotzdem zu einge­wachsenen Haaren kommt, hilft es, die betroffene Stelle zu desinfizieren. Vor allem ist aber Geduld wichtig: Nicht mit scharfen Gegen­ständen versuchen, das einge­wachsene Härchen heraus­zupulen oder mit den Fingern daran zu kratzen, sonst kann sich die Stelle entzünden. Ist die Entzündung groß­flächig oder treten starke Schmerzen auf, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Kann ich nach der Rasur direkt in die Sonne oder ins Schwimm­bad gehen?

Das ist davon abhängig, wie sensibel die Haut ist. Badet zum Beispiel jemand mit sehr empfindlicher Haut direkt nach der Rasur im Salz­wasser, kann das die Haut durch­aus reizen. „Generell sind Schwimm­badbesuche nach der Rasur aber unbe­denk­lich“, sagt Dermatologin Maja Hofmann. Wer in die Sonne geht, sollte grund­sätzlich auf einen angemessenen Schutz vor UV-Strahlung achten. Während der Behand­lungs­zeit mit Laser oder Blitz­lampen ist allerdings intensives Sonnenlicht zu meiden. Das gilt auch davor und danach. Rasieren, epilieren, cremen, wachsen oder lasern?

Warum muss ich mich vor einer Laser- oder Blitz­lampen­enthaarung rasieren?

Die Licht­impulse gelangen bei der Behand­lung über das Melanin, die Farbe des Haares, direkt in die Haarwurzel. Dadurch wird sie zerstört. Sind die Haare nicht abrasiert, nimmt die Wurzel das Licht nicht auf. Das kann Schmerzen bei der Behand­lung verursachen und das Haar an der Oberfläche verbrennen. Die ideale Kombination für eine Behand­lung sind eine helle Haut und dunkle Haare. Sehr blonde oder graue Haare können mit der Methode nicht entfernt werden, ihnen fehlt der Farb­stoff Melanin.

Besteht bei Heimgeräten, die mit Licht­impulsen arbeiten, ein Risiko?

Licht­impulse von Heimgeräten sind zwar geringer als die von professionellen Apparaten im Studio oder beim Dermatologen, doch bei unvor­sichtiger oder unsachgemäßer Nutzung drohen Verbrennungen und Narben. Zudem fehlt bei der Selbst­enthaarung eine fach­ärzt­liche Diagnostik. Ein Arzt kann beur­teilen, ob etwa Leberflecke oder Male gegen das Lasern sprechen. Auf der sicheren Seite ist man deshalb, wenn ein Experte die Enthaarung durch­führt.

Warum ist der menschliche Körper über­haupt behaart?

Bei den biologischen Vorfahren der Menschen schützte eine starke Körperbehaa­rung die Haut vor Sonne und Infektionen. Sie diente auch als Wärme­isolation und hielt bestimme Parasiten fern – Mücken etwa konnten die dichte Behaa­rung nicht durch­dringen.

Woher kommt das Schön­heits­ideal unbe­haarter Haut?

Schon im alten Ägypten, im antiken Rom und im alten Orient entfernten sich Frauen und Männer die Haare. Das hatte hygie­nische, religiöse und – genau wie heute – äste­thische Gründe. Beliebt war zum Beispiel orienta­lische Enthaarungs­paste aus Zucker, Zitronensaft und Wasser. Einige brannten sich ihre Haare vorsichtig mit einer kleinen Fackel ab oder fingen die Härchen mit einem um die Finger gewi­ckelten verkreuzten Faden ein und zupften sie heraus. Später sollen besonders die Lehren von Charles Darwin die gesell­schaftliche Haltung gegen­über Körperbehaa­rung beein­flusst haben, sagt Rebecca Herzig, Professorin für Gender Studies am Bates College in den USA. Die Wissenschaft­lerin forschte zur kulturellen Bedeutung der Körperbehaa­rung und schrieb das Buch „Plucked. A History of Hair Removal“, zu Deutsch: „Gezupft. Eine Geschichte der Haar­entfernung“. Herzig erläutert gegen­über test: „Darwin deutete es als evolutionären Fort­schritt, dass Menschen weniger behaart sind als ihre Vorfahren. So grenzten sie sich auch von Tieren ab.“ Für Darwin und seine Anhänger war Haarlosig­keit ein Zeichen von Sauber­keit und Schönheit. „Die Kosmetik- und Werbeindustrie griff diese Über­legungen auf und machte eine Menge Geld damit“, sagt Herzig.

Nutzer­kommentare, die vor dem 23. Mai 2018 erschienen sind, beziehen sich auf eine frühere Veröffent­lichung zum selben Thema.

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