Gut geschützt. Dünne Plastikhand­schuhe schützen die Haut und sind beim Haarefärben unver­zicht­bar.

Wer mit der eigenen Haarfarbe hadert, den Friseur­besuch wegen Corona aber noch etwas heraus­zögern möchte oder muss, kann selbst färben. In der Vergangenheit standen Haarfärbe­mittel im Verdacht, Krebs auszulösen. Inzwischen sagen Experten: Moderne Haarfärbe­mittel sind sicher.

Qual der Wahl

Von blond auf braun, graues Haar abdecken oder nur den ausgewachsenen Ansatz auffrischen – was der Friseur kann, geht auch zu Hause. Die Sorge, dass Mittel zum Selbst­färben Krebs auslösen könnten, ist laut Experten inzwischen unbe­gründet.

Riskante Inhalts­stoffe verboten

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt: „Für Verbrauche­rinnen und Verbraucher besteht kein Krebs­risiko durch Haarfärbe­mittel, weil die problematischen Substanzen bereits seit langem verboten sind.“ Etwa ab Mitte der 1980er-Jahre wurden bestimmte, als möglicher­weise krebs­er­regend geltende Inhalts­stoffe aus den Rezepturen von Oxidations­haar­farben nach und nach gestrichen. In früheren Zeiten gab es aber durch­aus Hinweise, dass die Farben damals bestimmte Krebs­erkrankungen begüns­tigt haben könnten.

Alte Daten neu bewertet

US-amerikanische Forscher haben jüngst Daten aus der Lang­zeitstudie „Nurses‘ Health Study“ ausgewertet und aktuell im British Medical Journal (BMJ) veröffent­licht. Sie gingen der Frage nach, ob ein Zusammen­hang zwischen der Selbst­anwendung von Oxidations­farben und einem erhöhten Krebs­risiko bestand. Sie weisen allerdings darauf hin, dass der Zeitraum, in dem die Haarfär­begewohn­heiten der Frauen abge­fragt wurden, lange zurück­liegt: zwischen 1976 und 1982.

Entwarnung mit Einschränkung

Ihr Fazit ist eine Entwarnung mit zwei Einschränkungen. Gering­fügig erhöht war das Risiko, an weißem Haut­krebs oder einer Brust­krebs­art zu erkranken. Ansonsten war ein Zusammen­hang zwischen der Anwendung von Oxidations­haarfärbe­mitteln und Krebs­erkrankungen oder gar einem krebs­bedingten Tod anhand der Daten nicht nach­weisbar.

Krebs­er­regende Stoffe nicht mehr verwendet

Wichtig zu wissen für heutige Anwende­rinnen: Bestimmte als krebs­er­regend geltende Inhalts­stoffe von damals werden sowohl in den USA als auch in der EU längst nicht mehr einge­setzt.

Dauer­haft färben oder vorüber­gehend tönen

Oxidations­haar­farben, auch Level-3-Colorationen genannt, dringen tief ins Haar ein und bleiben dort, bis es auswächst. Nur sie können graues Haar gleich­mäßig färben. Tönungen sind auswasch­bar: Etwa acht bis 24 Haar­wäschen sollen sie laut Anbietern halten. Nicht alle schaffen das, wie auch unser letzter Test von Haartönungen gezeigt hat. 

Natur­haar­farben: Alternative zu chemischen Mitteln

Natur- oder Pflanzen­haar­farben sind eine Alternative zu chemischen Färbe­mitteln. In unserem Test von pflanzlichen Haarfärbemitteln im Früh­jahr 2014 konnten die Natur-Produkte über­zeugen. Aber: Sie können die Original­haarfarbe nur um etwa einen Ton abdunkeln – von blond auf schwarz klappt nicht. Die Haare lassen sich damit auch nicht aufhellen, das geht nur mit Oxidations­farben. Auch eine perfekte Grau­abdeckung gelingt kaum.

Gute Vorbereitung und Schutz zählen

In jedem Fall gilt beim Selbst­färben: Die Anwendungs­hinweise auf den jeweiligen Produkten vorher genau lesen und anschließend befolgen, damit Haut, Haar und Farberg­ebnis nicht leiden. Und was gibt es sonst noch zu beachten?

  • Die Menge machts. Achten Sie beim Kauf von Haarfärbe­mitteln auf die Angabe, für welche Ausgangs­haarfarbe, aber auch für welche Haarlänge eine Packung reichen soll. Ärgerlich ist es, wenn Sie zu Hause loslegen und mitten­drin fest­stellen müssen, dass die Farbe knapp wird.
  • Hand­schuhe tragen. Dünne Einmalhand­schuhe aus Kunststoff verhindern unnötigen Haut­kontakt und unschöne Farb­flecken an den Händen.
  • Auf die Zeit achten. Halten Sie sich penibel an die Anwendungs­hinweise, über­schreiten Sie die empfohlene Einwirk­zeit nicht.
  • Um Unterstüt­zung bitten. Wenn Freund oder Freundin helfen, geht es im Zweifel schneller und das Haarfärbe­mittel lässt sich unkompliziert und gleich­mäßig auf dem Kopf verteilen. Auch Helfer sollten dabei immer Hand­schuhe tragen.
  • Gut ausspülen. Ist die Einwirk­zeit um, die Haare zügig und gründlich waschen. Besser richtig unter die Dusche stellen als nur kopf­über ausspülen – so wird auch die Kopf­haut voll­ständig vom Färbe­mittel befreit.
  • Praktisch und schnell. Wer einen ausgewachsenen Ansatz kurz­fristig über­decken möchte, kann es mit einem Ansatz-Kaschierspray versuchen.

Übrigens: Um die neue Haarfarbe möglichst lange intensiv zu erhalten, bringen spezielle Farbschutz-Shampoos oft wenig, wie unser letzter Test gezeigt hat. Was wirk­lich hilft? Das Haar vor UV-Licht schützen, etwa mit einem Hut. Zum Waschen am besten nur mild reinigende Produkte, zum Beispiel Kindershampoo, und anschließend einen Conditioner verwenden.

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