HDTV Meldung

Bisher ist das Heimkino noch nicht ganz zu Hause angekommen. Surround-Anlagen sorgen zwar für fetten Sound, Plasma-Fernseher und Beamer präsentieren große Bildflächen. Doch die gestochen scharfen Bilder mit einer satten Farbwiedergabe, wie sie der Kinozuschauer kennt, sind bisher Fehlanzeige. Das soll sich mit High Definition TV (HDTV) ändern: Die neue Technik bietet bis zu fünfmal mehr Bildinformationen als herkömmliches Fernsehen. test.de sagt, für wen sich HDTV-Geräte lohnen und worauf die Käufer achten müssen.

Alles HDTV, oder was?

Wer sich für einen neuen Fernseher oder Beamer interessiert, muss mittlerweile eine Entscheidung mehr treffen: Soll das Gerät HDTV-tauglich sein oder nicht? Bisher hat sich Käufern diese Frage nicht gestellt, weil kaum ein Gerät diese Funktion aufwies. Doch Hersteller und Anbieter pushen die neue Technologie: So wirbt zum Beispiel Aldi aktuell mit einem Plasma-TV, der „HDTV-kompatibel“ ist. Im kommenden Beamer-Test, der in Heft 07/2005 erscheinen wird, sind immerhin vier Beamer „HD-ready“.

Vier Kriterien für HD-ready

Doch dass ein Fernsehgerät oder ein Beamer „HDTV-kompatibel“ ist, heißt noch gar nichts. Deshalb hat sich die EICTA (Organisation der europäischen Unterhaltungselektronikindustrie) auf einen Standard geeinigt und gleich dazu ein einheitliches Logo entworfen. Das HD-ready-Zeichen dürfen Hersteller nur verwenden, wenn insgesamt vier Bedingungen erfüllt sind:

  • Auflösung. Das Gerät muss eine Auflösung von mindestens 720 Zeilen und 1 280 Spalten im Seitenverhältnis 16:9 darstellen können.
  • Eingänge. Der Fernseher oder Beamer muss über einen analogen YUV-Eingang (3-facher Cinch-Stecker) und einen digitalen DVI- oder einen digitalen HDMI-Eingang verfügen.
  • Formate. Geräte mit HD-ready-Logo müssen folgende zwei Formate wiedergeben können: 1 280 x 720 Pixel mit 50 und 60 Vollbildwechseln (progressives Verfahren) pro Sekunde; 1 920 x 1 080 Pixeln mit 50 und 60 Halbbildwechseln pro Sekunde (Interlaced-Verfahren).
  • Kopierschutz. Alle digitalen Eingänge müssen den Kopierschutz HDCP unterstützen.

Was noch dazu gehört

Die erste Entscheidung ist klar: Wenn jemand einen Fernseher oder Beamer mit HDTV-Funktion kaufen will, sollte das Gerät auf jeden Fall das Logo „HD-Ready“ haben. Denn durch diesen Standard ist garantiert, dass es nicht zu bösen Überraschungen kommen kann. So wird zum Beispiel der HDTV-kompatible Plasma-TV von Aldi keine wirkliche HDTV-Qualität haben, weil er nur 480 Zeilen wiedergibt. Somit muss er die HDTV-Signale der Quelle mit 720 Zeilen runterrechnen auf „seine“ 480 Zeilen. Darunter leidet die Qualität des Bildes und das ist natürlich auch nicht im Sinne der HDTV-Technologie.

Fehlendes Quellengerät

Weit schwieriger ist die Entscheidung, ob zurzeit überhaupt jemand HDTV-Gerät kaufen sollte. Wer ein HDTV-Wiedergabe-Gerät hat, braucht auch eine HDTV-fähige Quelle. Beispiel Fernsehen: Premiere kündigte an, Ende des Jahres drei Programme im HDTV-Format zu senden. Wenn Premiere damit loslegt, müssen der Sender seinen Kunden vorher eine HDTV-fähige Set-Top-Box geliefert haben. Die wird wahrscheinlich noch kostenlos sein. Andere neue Quellengeräte dagegen nicht. Wenn TV-Sender per Satellit ihre HDTV-Programme senden, muss ein digitaler, HDTV-fähiger Sat-Receiver die Signale an den Fernseher weitergeben. Deshalb ist die Ankündigung, dass die WM 2006 in HDTV ausgestrahlt wird, mit Vorsicht zu genießen: Fußballfans brauchen nicht nur einen HDTV-Fernseher, sondern auch einen entsprechenden Receiver oder Decoder.

Noch keine DVDs in Sicht

Die ganze Power von HDTV zeigt sich bei DVD-Filmen. Doch bis Heimkino-Fans in den Genuss kommen, ihre Lieblingsfilme in HDTV-Qualität zu sehen, wirds noch dauern. Es werden zwar schon Filme in HDTV-Format produziert und vereinzelt auch schon auf DVD angeboten. Üblich sind derzeit die Varianten HD-DVD und Double-Layer-DVD. HD-DVD läuft meist nur auf gut ausgerüsteten PCs. Mit Double-Layer-DVDs kommen die meisten DVD-Laufwerke zurecht. Allerdings speichern diese DVDs die HDTV-Signale meist mit weniger als 720 Zeilen. Insofern muss man auch hier auf „echtes“ HDTV noch warten, bis sich die HD-DVD oder die Blu-Ray-Disk etabliert haben. Um diese Scheiben zum Laufen zu bringen, braucht es dann wieder neue Geräte.

test-Kommentar

HDTV ist definitiv die Technologie der Zukunft. Wenn Sie sich jetzt einen neuen Fernseher oder Beamer kaufen, sollten Sie sich für ein HD-ready-Gerät entscheiden. Dann sind Sie auf der sicheren Seite und etwa für die WM 2006 gerüstet. Es sollte jedoch klar sein: Erstens können Sie die Technologie zurzeit noch selten nutzen. Und zweitens müssen Sie nach und nach Ihre Quellengeräte wie etwa DVD-Player oder Sat-Receiver gegen HDTV-taugliche Geräte austauschen. Die müssen nämlich die hochauflösende HDTV-Wiedergabe unterstützen.

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