Große Fernseher brauchen hoch­aufgelöste Signale. Nur so zeigen sie, was in ihnen steckt. Kabel, Satellit und Internet liefern die Signale. Welcher der drei Wege empfiehlt sich am meisten?

Fast 450 000 Haushalte haben sich im vergangenen Jahr vom Kabel­fernsehen verabschiedet. Die meisten davon sehen nun über Satellit fern. So sparen sie die monatliche Kabel­gebühr und empfangen deutlich mehr Sender. Zu den Wechs­lern gehört Olaf Ströhle aus Berlin. In einer Leser­umfrage schrieb er uns: „Nachdem die Qualität des analogen Kabel­signals in meiner Wohn­anlage immer schlechter wurde und Discounter ein HD-taugliches Sat-Empfangs­paket für 100 Euro anboten, war für mich klar: Ich steige auf digitalen Sat-Empfang um. Seitdem wächst mit jedem Tag meine Begeisterung. Die HD-Sender sind eine über­wältigende Augen­weide.“

HD-Signale zeigen immer beste Bilder

Wer einen großen Fernseher nutzt, braucht digitale Signale, am besten in hoher Auflösung (High Definition, kurz HD). Ein Test vor andert­halb Jahren hat bestätigt: HD-Signale führen zu sehr guten Bildern – egal ob sie per Satellit, Kabel oder Internet zum Fernseher gelangen (siehe Test Digitales Fernsehen, Heft 10/2010). Digitale Signale in Stan­dard­auflösung (Stan­dard Definition, kurz: SD) bringen keine sehr guten, aber stets gute Bilder. Analoge Signale bringen bestenfalls ausreichende Bilder.

Satellit bietet die meisten HD-Sender

Sport­sendungen profitieren von hoch­aufgelösten Signalen. Vorn: digitales, detailreiches Bild. Hinten analog: unscharfe Konturen, matte Farben.

Sport­sendungen profitieren von hoch­aufgelösten Signalen. Vorn: digitales, detailreiches Bild. Hinten analog: unscharfe Konturen, matte Farben.

Die Qualität der Signale hat sich seit 2010 nicht geändert. Deutlich zugenommen hat aber die Zahl der HD-Sender. In diesem Punkt schlägt der Satellit das Kabel. HD-Internet­fernsehen ist oft noch unzu­verlässig. Und DVB-T liefert über­haupt kein HDTV.

Satelliten über­tragen heute zehn frei empfang­bare HD-Sender, darunter ARD HD, Arte HD und ZDF HD. Hinzu kommen diverse hoch­aufgelöste Privatsender. RTL HD und Sat.1 HD können Zuschauer nur über eine kosten­pflichtige Platt­form mit dem Namen HD Plus empfangen. Wer die Signale entschlüsseln möchte, braucht einen Empfänger nebst HD-Plus-Karte. Die Karte ist beim Kauf des Empfängers dabei und für zwölf Monate frei­geschaltet. Danach kostet sie 50 Euro im Jahr.

Zum Vergleich: Bei Kabelanbieter Unitymedia zahlen Einzel­haushalte 17,90 Euro im Monat und bekommen dafür drei frei empfang­bare HD-Sender. Die 6 weiteren HD-Sender kosten 4 Euro extra im Monat.

Der Vorsprung des HD-Sender­angebots per Satellit wächst weiter: Am 30. April 2012 stellen Satelliten die Über­tragung analoger Fernseh­signale ein. Das schafft Platz für neue HD-Sender. Mehrere dritte Programme und ZDF-Spartenkanäle planen den Start hoch­aufgelöster Sender ab 1. Mai, darunter BR, NDR, SWR, WDR, Phoenix.

Mieter können nicht frei wechseln

An seiner Eigentums­wohnung konnte Olaf Ströhle ungehindert eine Satellitenschüssel installieren. Er schreibt weiter: „Jetzt arbeite ich daran, die Miteigentümer von einer gemein­samen Satelliten­anlage zu über­zeugen und den kosten­pflichtigen Gemein­schafts­kabel­empfang abzu­schaffen.“ Haus­eigentümer und Gemein­schafts­kunden können ihren Vertrag sechs Wochen vor Ende der Lauf­zeit kündigen.

Schwieriger ist der Umstieg für Mieter, die ihren Kabel­anschluss über die Neben­kosten bezahlen. Ihr Vermieter hat in der Regel einen jahr­zehnte­langen Vertrag mit dem Kabelanbieter geschlossen. Mieter kommen deshalb erst dann vom Kabel weg, wenn der Haus­besitzer den sogenannten Gestattungs­vertrag auslaufen lässt.

Anders als Satelliten über­tragen Kabel auch nach dem 30. April weiterhin analoge Signale. Kabel­kunden müssen also nicht auf digitalen Empfang umsteigen. Doch wer einen großen Flach­bild­fernseher besitzt, sollte ihm digitale Signale spendieren. „Analoges Kabel­fernsehen ist wirk­lich schreck­lich auf so einem Fernseher“, beschreibt Thorpen Rump aus Steinhude seine Erfahrungen. Je größer der Bild­schirm, desto deutlicher fallen Fehler ins Auge. Analog­fernsehen über­trägt im 4:3-Format. Auf einem 16:9-Bild­schirm zeigt es schwarze Balken. Die verringern die Auflösung. Das Ergebnis: maskenhafte Gesichter, unscharfe Ränder, Schweife bei schnellen Bewegungen sowie Klötz­chen.

Tipp: Auch an analogen Kabel­anschlüssen kommen digitale Signale an. Mit einem digitalen Kabel­empfänger findet der Fernseher die öffent­lich-recht­lichen Digital­programme in guter Qualität. Starten Sie den Sendersuch­lauf. Der stöbert sie auf.

Digitale Kabel­signale kosten oft extra

Wer über Kabel auch Privatsender in digi­taler Qualität sehen möchte, zahlt meist extra. Zwischen 2,90 und 4,99 Euro im Monat kosten Sender in digi­taler Stan­dard­auflösung (SD) für Miet­vertrags­kunden. Die Bild­qualität ist gut, lässt sich aber mit HD-Sendern verbessern. Zusätzliche HD-Inhalte liefern Kabelanbieter nur im Paket – für4 bis 20 Euro im Monat.

Achtung: Kabel Deutsch­land, Telecolumbus und Unitymedia schalten neue Digital­kunden auto­matisch für HD-Schnup­perpakete frei. So erhalten sie weitere HD-Sender, die nach zwei Gratismonaten weitere 7 bis 16 Euro im Monat kosten.

Miet­vertrags­kunden, die über ihren Vermieter analoges Kabel nutzen, sind für den Kabelanbieter anonym. Für die Umstellung auf digitalen Empfang schließen sie einen Vertrag mit dem Kabelanbieter. So verlieren sie ihre Anony­mität. An die so gewonnenen Adressen können Netz­betreiber personalisierte Werbung schi­cken, etwa für Online­video­theken oder Telefonflatrates.

Anbieter verschlüsseln Privatsender

Neue Fernseher enthalten meist einen digitalen Kabel­empfänger. Für Kunden von Kabel Deutsch­land, Telecolumbus oder Unitymedia reicht der aber nicht. Diese Anbieter verschlüsseln digitale Privatsender. Wer RTL, Sat.1 und Co. sehen möchte, braucht eine Entschlüssel­ungs­karte. Die steckt in einem zertifizierten Empfänger oder einem Steck­modul.

Dieser Geräte­zwang ärgert Zuschauer wie Michael Burmeister, Kunde von Kabel Deutsch­land: „Um die Entschlüssel­ungs­karte in meinen Fernseher zu stecken, benötige ich einen unnötigen Adapter, der über­teuert verkauft wird. Ich halte es für einen Skandal, das Über­springen der Werbung tech­nisch zu verhindern.“

Dass es auch ohne verschlüsselte Signale geht, beweist Kabel BW. Schwaben können jeden beliebigen digitalen Kabel­empfänger verwenden. Ab 2013 gilt das auch für Unityme­diakunden. Um Kabel BW kaufen zu dürfen, hat Unitymedia dem Bundes­kartell­amt die Abschaffung der Grund­verschlüsselung versprochen. Außerdem räumt Unitymedia Wohnungs­baugesell­schaften ein Sonderkündigungs­recht für ihre lang­fristigen Gestattungs­verträge ein. Ohne Grund­verschlüsselung wird das Kabel deutlich attraktiver.

Hoch­aufgelöste Sendungen über Kabel und Satellit lassen sich nicht wie gewohnt aufnehmen. RTL unterbindet sogar jegliche Aufzeichnungen. Hier funk­tioniert nur zeit­versetztes Fernsehen – aber maximal um 90 Minuten versetzt. Pro7, Sat.1 erlauben Aufzeichnungen einzelner HD-Sendungen. ARD und ZDF erlauben meist private Aufzeichnungen in HD.

Zusatz­paket für Bezahlsender Sky

Das kleinste Sky-Paket kostet 16,90 Euro im Monat. Es enthält acht HD-Sender. Mit dem Abo Bundes­liga in HD kostet das Paket 43,90 Euro im Monat. Kabelnetze zeigen besonders in HD deutlich weniger Programme . Sky stellt den Sat- oder kabeltauglichen HD-Empfänger.

Internet-TV nicht massentauglich

Auch Internetanbieter drängen ins Geschäft mit dem digitalen Fernsehen. Bei der Telekom sorgt VDSL mit 25 Megabit pro Sekunde für zuver­lässige Fernseh­bilder. Bei Leitungen mit „bis zu 16 Megabit pro Sekunde“ funk­tioniert Internet­fernsehen nur unzu­verlässig. Die Geschwindig­keit schwankt. Für HD-Signale braucht der Empfänger aber durch­gehend 10 Megabit pro Sekunde. Wir haben es ausprobiert: Die Test­haushalte mit Alice- und Vodafone-Anschluss erreichten dieses Tempo nicht dauer­haft. Folge: Sie bekamen nur SD-Sender. Für Zuschauer, die nur wegen HDTV zu Alice und Vodafone gewechselt sind, ist das ärgerlich. Gegen­über test haben beide Anbieter für solche Fälle Kulanz versprochen. Einzelne Beschwerden zeigen jedoch: Kunden können nur das Fernsehpaket auflösen. Ihr DSL-Vertrag bleibt bestehen.

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